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Problemraum

Im ersten Video konntest du dir eine Übersicht vom “Drumherum des Design Thinkings” verschaffen und hast drei wichtige Elemente kennengelernt: Team Check-Ins, Check-Outs und Warm-Ups.

In dieser Lektion widmen wir uns ganz dem Problemraum und erklären dir die ersten drei Schritte im Design Thinking Prozess. Plane hierfür ca. 45 Minuten ein. 

 Interaktives Inhaltsverzeichnis: 

 
💡 Zur Erinnerung: Die Videoreihe ist zum Projekt “Schulunterricht mit Design Thinking neu gestalten” gedreht worden. Es ist ein Beispiel, wie der Design Thinking Prozess ganz konkret angewandt werden kann. 
🌟 Ein Wort zum Arbeitsmodus: Design Thinking ist eine Team-Aufgabe. Die meisten Aufgaben können zwar allein bewältigt werden, sind aber effektiver im Team zu lösen.

Phase 1 im Design Thinking Prozess: Verstehen

»» Video-Ausschnitt: Minute 00:19 – Minute 01:14 

Methode: Sprachliche Analyse der Challenge

»» Video-Ausschnitt: Minute 01:15 – Minute 03:30 
  1. Schreibe dir die Design Thinking Challenge auf ein Whiteboard (o.ä.) auf, mit viel Platz drumherum. Wenn du kein Whiteboard zu verfügung habt, reicht auch eine Wand, an die du ein Blatt mit der Frage kleben kannst.
  2. Unterstreiche die Stellen, die bei der Challenge herausstechen und besonders wichtig sind. 
  3. Definiere die unterstrichenen Stellen. Was bedeuten die Wörter / Satzteile für dich im Kontext? Sei so konkret wie möglich. Das hilft dir, ein genaues Verständnis der Design Thinking Challenge zu entwickeln, auf der alles weitere basiert. Besonders wenn ihr im Team zusammenarbeitet, ist das Erarbeiten eines gemeinsamen Verständnisses wichtig. 
  4. Die Fragen “Wer“, “Wie“, “Was” sollten durch die Analyse geklärt werden.
Beispiel: Sprachliche Analyse zur Design Thinking Challenge: 

“Wie können wir Experimental-Unterricht spannend & lebensnah gestalten, sodass alle Schülerinnen & Schüler daran teilhaben können?”
 

Methode: Stakeholder Map

»» Video-Ausschnitt: Minute 03:31 – Minute 06:52 

Die Stakeholder Map ist ähnlich zu einer Mind Map und enthüllt, welche Personengruppen in der Challenge vertreten sind und was ihre Sichtweisen auf das Thema sind. Besonders am Anfang ist es wichtig, einmal das ganze Spektrum im Blick zu haben. 

  1. Um wen geht es? Wer hat direkt, oder indirekt mit der Challenge zu tun? Welche Personengruppen sind betroffen, und was für Charaktere sind vertreten? 
    → Schreibe die Charaktere auf Post-Its, und kleb diese ans Whiteboard oder eine Wand.
  2. Was könnten die Personen sagen? Überleg dir Sprüche oder Gedanken, die zu den jeweiligen Stakeholdern passen. Keine Sorge, hier darf das erstmal allen Klischees entsprechen!  
    → Füg die von dir erdachten Gedanken oder Sprüche zu den Personen dazu! 

Phase 2 im Design Thinking Prozess: tieferes Verständnis der Nutzer durch Interviews

»» Video-Ausschnitt: Minute 00:13 – Minute 01:16

Methode: Recherche-Plan

»» Video-Ausschnitt: Minute 01:16 – Minute 02:58

Erstelle eine Interview – Tabelle (in Design Thinking Kreisen auch “Charette” genannt), in der du die folgenden Punkte beantwortest:

  • Wen wollt ihr interviewen?
  • Was wollt ihr die Person fragen?
  • Wo könnt ihr der Person begegnen?

Tip: Versucht, ein möglichst breites Personenspektrum zu interviewen um alle Meinungen zum Thema zu hören. Im Schnitt sind 3-5 Nutzergruppen ideal. 

Methode: Interview-Dramaturgie

»» Video-Ausschnitt: Minute 02:58 – Minute 08:51
Plane den Verlauf des Interviews:
 
  1. Mit welchem Satz kannst du starten? Was wäre ein guter “Eisbrecher”?
  2. Kurze Vorstellung von dir, dem Team, des Projekts
  3. Stelle offene Fragen
  4. Frage “Warum“. Spätestens nach dem 3. “Warum” wird dich die Antwort wahrscheinlich überraschen! Und ab da wird es spannend.
  5. Danke & tschüss 
Tip: Schreibt euch Zitate auf! Interviews sind nur so gut, wie die Zitate, die wir von ihnen mitnehmen. Zitate sind der elementare Baustein, mit dem wir später weiterarbeiten werden. 

Phase 3 im DT-Prozess: Synthese der Interviews

»» Video-Ausschnitt: Minute 00:13 – Minute 01:15

Methode: Die Storytelling-Matrix

»» Video-Ausschnitt: Minute 01:15 – Minute 07:04

Um die Sichtweisen zu definieren, die sich aus der Recherche ableiten, kann man die Interviews mit einer Storytelling Matrix auswerten. Der Prozess des Ableitens von Erkenntnissen nennt sich auch “Synthese“. In dieser Phase kommt das Team wieder zusammen und teilt die Ergebnisse der Recherche miteinander. Das ist wichtig, damit alle auf dem gleichen Stand sind, wenn es später in den Lösungsraum geht. Aber eins nach dem anderen. 

Eine Storytelling Matrix kann folgende Spalten enthalten: 
Person: Name, Alter, Bild (falls vorhanden)
Zitate der Person: Achtung, hier noch keine Interpretationen, sondern reine Zitate! “Was wurde gesagt?”
Interpretationen: welche Emotionen könnten hinter den Zitaten liegen?
Bedürfnisse: was für Bedürfnisse leiten sich davon ab?

Es macht Sinn, am Anfang die objektiven Daten einzutragen und die ersten beiden Spalten für alle Befragten auszufüllen. Dann kann sich das ganze Team auf die zweite Hälfte der Matrix konzentrieren, deren Ausfüllen Einfühlungsvermögen (Empathie) für den Nutzer voraussetzt, sowie Kreativität und Abstraktionsvermögen des Teams.

Tip: Die Bedürfnisse können aus den Zitaten UND den Interpretationen abgeleitet werden, schränk dich also nicht zu sehr ein. Natürlich kann es passieren, dass bei der Interpretation Fehler gemacht werden. Da es nur Annahmen und Vermutungen sind, ist das aber nicht weiter schlimm, außerdem werden sie später sowieso getestet.

Methode: Nugget-Framing

»» Video-Ausschnitt: Minute 07:05 – Minute 10:20

Durch das Nugget-Framing (auch “Goldstück-Framing” genannt) können die gewonnenen Erkenntnisse priorisiert werden. Welche Insights waren besonders spannend, überraschend oder lehrreich für dich? Es lohnt sich, besonders auf die Interpretationen und Bedürfnisse zu achten. 

Wie das ganze vonstattengeht, ist dir überlassen. Wenn du alleine arbeitest, kannst du die Nuggets einfach auswählen. Im Team können die Nuggets gemeinsam per Diskussion bestimmt werden, oder durch unkompliziertes Punkte vergeben, auch “Dot-Voting” genannt. Jedes Team-Mitglied hat z.B. drei Punkte, die auf Nuggets verteilt werden können. Das Nugget mit den meisten Punkten gewinnt, d.h. damit wird weitergearbeitet. In der Praxis hat sich schon häufig die diskussionsärmere Variante bewährt, aber das müsst ihr selbst rausfinden!

Wenn du die Nuggets ausgewählt hast, kannst du noch definieren, welche Eigenschaft die Nuggets ausmacht. Ist die Erkenntnis “einfach”, ist sie “menschlich”, oder “überraschend”? Denk dir: “Wow! Das ist ___________!” vor jedem Nugget, das macht das Erkennen der Eigenschaften leichter.

Phase 3 im DT-Prozess: Synthese und Personas

»» Video-Ausschnitt: Minute 00:13 – Minute 00:48

Methode: Personas

»» Video-Ausschnitt: Minute 00:48 – Minute 06:49

Eine Persona ist ein fiktiver Charakter: sie basiert zu 50% auf unserer Recherche und ist zu 50% erfunden. So haben wir den Spielraum um Eigenschaften oder Bedürfnisse zu definieren, die unsere Interviewpartner vielleicht ungerne zugeben würden oder gar nicht wissen. Mit der Persona legen wir fest, auf welchen Nutzer wir in den nächsten Schritten weiter eingehen möchten. 

Inhalt des Persona-Steckbriefs: 
– Bild / Sketchnote (damit wir uns die Persona besser vorstellen und emphatisch auf sie eingehen können)
– Eckdaten (Alter, Name, Beruf, Wohnort)
– Eigenschaften (Charakter, Träume, Hobbies)
– Zitate
– Bedürfnisse 
– Painpoints  

Im Design-Thinking arbeiten wir gerne mit “Extrem-Usern” (Extrem-Nutzern). Das sind Leute mit Bedürfnissen, die vom Durchschnitt abweichen. Wir glauben, dass es wertvoll ist, die Bedürfnisse der Extrem-Nutzer zu kennen und zu befriedigen – weil die Wahrscheinlichkeit dann groß ist, auch den “Durchschnitt” glücklich zu machen. 

Methode: Personastandpunkt (POV)

»» Video-Ausschnitt: Minute 06:49 – Minute 09:02 

Der POV (Point of View), oder Personastandpunkt, ist eine treffende, emphatische Zusammenfassung des Problems, das die Persona hat. Der POV ist absichtlich sehr kurz gehalten: es sollen nur die wichtigsten Erkenntnisse darin vorkommen. Es hilft, sich einen Lückentext aufzuschreiben und für jede Persona die gleiche Vorlage zu verwenden. Das kann wie folgt aussehen: 

Wir trafen ________ [Name der Persona, evlt. Alter, evtl. Beruf, evtl. Charaktereigenschaften].
Wir fanden heraus, dass ________ [Hauptbedürfnis]
Wir würden ihm/ihr gerne dabei helfen, ________[Erkenntnis über ein Hindernis]

Juhu, geschafft! Jetzt weißt du, wie man durch den Problemraum navigiert. Wie du siehst, kann das eine ganze Menge an Arbeit und Zeit kosten – ist aber immens wichtig, damit wir jetzt in den Lösungsraum übergehen können. Darum geht es im nächsten Kapitel, nach dem Selbst-Test.