Unzufriedenheit im Job

Ganz allgemein gesagt ist man unzufrieden im Job, wenn es eine Dissonanz oder Störung zwischen dem eigenen Selbst und dem Arbeitsumfeld gibt. Sei es im kollegialen, im finanziellen oder im organisationalen Bereich. In diesem Artikel erfährst du mögliche Ursachen für Unzufriedenheit am Arbeitsplatz, einen kurzen Selbsttest, wie du sie erkennen kannst und erste Schritte zu einer möglichen, persönlichen Neuausrichtung oder Umorientierung.

Wenn du unzufrieden bist im Job, kann das eine Vielzahl an Gründen haben. Arbeit ist ein hochkomplexes Phänomen, in dem Individuelles und Soziales sich wie in kaum einem anderen Bereich begegnen: zum einen kann Arbeit identitätsstiftend und etwas sehr Persönliches sein oder als sinnlose Plackerei erlebt werden, mit der ich am liebsten gar nichts zu tun hätte. Arbeit ist immer bestimmt durch gesellschaftlich-ökonomische Bedingungen. Im Laufe der letzten Jahrhunderte gab es gleich mehrere Revolutionen in der Arbeitswelt: von der Agrar-, zur Industrie-, zur Dienstleistungs- und schließlich zur Informationsgesellschaft.

Unzufriedenheit im Job kann also grob gesagt gesellschaftliche oder individuelle Ursachen haben, in den meisten Fällen jedoch ist das individuelle vom gesellschaftlichen nicht zu trennen. Unzufriedenheit im Job ist zunächst mal etwas völlig normales: fast jede*r zweite Deutsche denkt über einen Wechsel nach.

Mögliche Anzeichen für Unzufriedenheit am Arbeitsplatz

  • Zu geringe Entlohnung
  • Regelmäßiger Ärger
  • Anspannungen unter Kollegen und Kolleginnen
  • Konflikte mit Vorgesetzter oder Vorgesetztem
  • Körperliche Spannungen bei Auseinandersetzung mit der Arbeit
  • Psychosomatische Beschwerden, wie z.B. häufige Erkältungen oder Schlafprobleme
  • Gefühle von Leere und Hoffnungslosigkeit
  • Das Gefühl, überfordert zu sein und nicht mehr hinterherzukommen
  • Die Erkenntnis von systemischen Problemen in Betrieb und Arbeitswelt
  • Nicht mehr abschalten können, selbst wenn man frei hat
  • Der Eindruck, permanent psychischem Druck ausgesetzt sein
  • Unterforderung und Langeweile
  • Das Gefühl, dass die Arbeit der Menschheit oder dem Planeten mehr schadet als nützt

Ursachen für Unzufriedenheit am Arbeitsplatz

Wie kann man Ursachen für Probleme mit dem Job effizient analysieren? Am besten eignet sich hierzu das 4-Quadrantenmodell. Dieses Modell funktioniert ganz einfach: menschliche Systeme lassen sich unter den beiden Aspekten Individuell – Kollektiv betrachten und unter den Aspekten Innerlich – Äußerlich. Daraus ergeben sich die folgenden vier Quadranten.

Faktoren, die bei beruflichen Herausforderungen eine Rolle spielen

  1. Innen-Individuell: Ich als Persönlichkeit
    • Wertekonflikte
    • Unbewusste Glaubenssätze
    • Mindset und Haltung zu bestimmten Themen
    • Unpassende Kompetenzen für den Anforderungsbereich
  2. Außen-Individuell: Du als Mitmensch
    • Zu geringe Entlohnung
    • Zu wenig Anerkennung
    • Kaum Aufstiegsmöglichkeiten
  3. Innen-Kollektiv: Wir als Gesellschaft / Team
    • Spannungen und Konflikte im Team
    • Zu wenig Weiterbildungsmöglichkeiten
    • Kommunikationskanäle sind gestört
  4. Außen-Kollektiv: Sie als System
    • Kein gutes Geschäftsmodell
    • Fehler und Lücken im System oder im Betrieb

Selbsttest: Welche Ursachen führen bei mir zu Unzufriedenheit im Job?

 

Gesellschaftliche Ursachen für Unzufriedenheit im Job

Innen-Kollektiv: Hoher gesellschaftlicher Druck

Arbeit kommt etymologisch von „Mühsal“ oder „Plage“ her. Durch die jüdisch-christlichen Wurzeln unserer Gesellschaft verbinden wir Arbeit mit der Vertreibung aus dem Paradies und dem Beackern des Feldes im Schweiße des eigenen Angesichts. In der Antike betrachteten die Adligen Lohnarbeit als eine Form von Sklaverei. In unserem kulturellen Gedächtnis wird Arbeit nach wie vor mit Mühsal und Schwierigkeiten assoziiert.

Hinzu kommt die in den letzten Jahrzehnten viel betriebene und medial inszenierte Abwertung von Hartz-IV-Empfänger*innen als „faul“ und „arbeitsunwillig“. Arbeit ist auch ein Statussymbol. Das merkt man zum Beispiel daran, dass es gesellschaftlich viel mehr anerkannt wird, wenn man sagt, dass man gerade sehr viel zu tun hat, als wenn man sagt, dass man gerade nichts Besonders tut und nur rumhängt. Arbeit ist als notwendig, wenn man als „nützliches“ Mitglied der Gesellschaft anerkannt sein möchte.

Heutzutage steht in Deutschland kein Chef und keine Chefin mit der Peitsche vor dem Schreibtisch und zwingt uns drakonische Strafen auf, wenn wir Fehler machen. Die sichtbare Autorität, wie es sie früher gab, ist vielmehr in den Hintergrund getreten und viele haben stattdessen den gesellschaftlichen Druck verinnerlicht. Wir haben einen inneren Aufseher, der uns überwacht. Der psychische Druck ist gewachsen und die Tendenz zur Selbstausbeutung stärker geworden.

Außen-Kollektiv: Kapitalistisches Wirtschaften in a Nutshell

Die Arbeit ist Gegenstand zahlreicher philosophischer, psychologischer, soziologischer, ökonomischer und medizinischer Untersuchungen und Theorien. Arbeit wird in Philosophie, Sozialwissenschaften und Volks- und Betriebswirtschaftslehre jeweils unter besonderen Aspekten betrachtet. Das Modell, mit dem wir unser Wirtschaftssystem am häufigsten beschreiben, ist das des Kapitalismus.

Dieses Modell besagt, dass wir unsere Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt an Kapitalisten verkaufen. An diejenigen also, die das Kapital und die Produktionsmittel besitzen, um damit Profit zu generieren und diesen Profit zur weiteren Profitmaximierung zu reinvestieren. Dieses Modell des Wirtschaftens hat sich als extrem erfolgreich erwiesen und hat uns als Gesellschaft einen so noch nie dagewesenen Wohlstand beschert. Dieser Wohlstand ist etwas Schönes und etwas, für das wir dankbar sein können! Selbstverständlich hat der Kapitalismus aber auch seine Schattenseiten.

Der Kapitalismus wirkt sich überall aus

Diese Schattenseiten bestehen unter anderem in Ausbeutung und extremer Armut (die der Kapitalismus hierzulande allerdings outgesourct hat in die „dritte Welt“), in ökologischem Raubbau und in Kriegen und regelmäßig wiederkehrenden Krisensituationen. Doch auch die Arbeitenden in den reichen Industrienationen und der global wachsende Mittelstand leiden unter dem Kapitalismus, von dem sie zugleich profitieren.

In einer klassischen kapitalismuskritischen Analyse würde man von Entfremdung sprechen: Ich verkaufe meine Arbeitskraft an die Kapitaleigner und habe mit dem eigentlichen Produkt gar nichts mehr zu tun, sondern bin nur noch ein Rädchen im Getriebe. Das kann dazu führen, dass ich mich für diese „Maschinerie“ aufopfere, was zum Burnout führen kann, oder mich aber mit dieser Funktion als Rädchen überhaupt nicht identifizieren kann, und gar keinen inneren Bezug mehr zu meiner Arbeit habe, was zu Depressionen und diversen psychosomatischen Störungen führen kann.

Individuelle Ursachen für Unzufriedenheit am Arbeitsplatz

Außen-Individuell: Wunsch nach mehr Erfolg, mehr Wohlstand und besserer Ausbildung

 

Innen-Individuell: Selbstverwirklichung und der Traum vom perfekten Job

Vielleicht kann es auch sein, dass du innere Werte und Vorstellungen hast, die nicht (mehr) mit deinem aktuellen Arbeitsalltag zusammenpassen. Insofern kann Unzufriedenheit ein Signal sein, sich einmal mehr Zeit für sich und die eigene Persönlichkeitsentwicklung zu nehmen. Einmal nach innen zu schauen, und einmal abzugleichen, ob Inneres & Äußeres, Selbst & Umfeld überhaupt noch zusammenpassen.

Vielleicht hast du also einfach noch nicht das Richtige gefunden.

Der ideale Arbeitsplatz

Sein Ikigai hat man gefunden, wenn man das macht, was man liebt, worin man gut ist, was die Welt wirklich braucht und wofür du bezahlt werden kannst.

Und doch tragen wir auch das innere Ideal eines perfekten Arbeitsplatzes in uns, in dem ich anerkannt, ausreichend entlohnt und produktiv tätig sein kann: am besten in einem Beruf, der dazu beiträgt, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen und der mir Spaß und Freude macht. Das beste Modell zum eigenen Berufsideal ist Ikigai, denn es vereint die verschiedenen Bereiche, die mein Job ausmachen sollte, damit ich wirklich zufrieden bin.

Hier kannst du mehr zum Thema Ikigai erfahren

Der Weg zum idealen Arbeitsplatz ist komplex und langwierig: aber alles beginnt immer mit dem ersten Schritt. Wenn du dich nach einer beruflichen Weiterentwicklung oder Neuorientierung sehnst, kann es hilfreich sein, erst einmal zu evaluieren, wo man überhaupt hinmöchte.

Erste Schritte der Neuausrichtung: Finde deine wahre Berufung

Wie äußert sich Unzufriedenheit am Arbeitsplatz?

  • Gefühl der Entfremdung
  • Innere Kündigung
  • Bore-Out
  • Burn-Out
  • Bullshit Jobs
  • Konflikte mit Kollegen, Konflikt mit dem Chef oder mit den Mitarbeitern

Das kann insofern problematisch sein, insofern ich zwar meinen Job nicht mag, aber auch nicht riskieren möchte, arbeitslos zu werden und die Anerkennung von anderen zu verlieren. Einerseits also kann es sein, dass ich die Arbeit nicht gerne mache und mich damit nicht identifizieren kann. Auf der anderen Seite gibt es Formen der Überidentifikation, in der ich nur noch versuche, den Anforderungen von Außen gerecht zu werden, und mich dabei selbst vernachlässige.

 

Lösungen für Unzufriedenheit am Arbeitsplatz