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Lektion 4 von 16

Beige: Überleben

Die folgenden Geschichten dienen der Illustration und sind frei erfunden. Wir begleiten einen gewissen Fred bei seiner persönlichen Entwicklung und veranschaulichen kollektive und organisationale Aspekte jeder Ebene durch kurze Anekdoten.

Individuell

Alles begann mit der Fusion von Eizelle und Spermium. Ein Wesen entstand, das zunächst aussah, wie eine Kaulquappe und dann eher einem Alien glich und erst allmählich erkennt man am großen Kopf und den kleinen Beinen, dass es ein menschlicher Fötus ist, der hier zu sehen ist.

Was der Fötus noch nicht weiß: er wird Fred heißen. Fred hat bis zum Zeitpunkt der Empfängnis und auch noch Jahre danach vor allem ein Bedürfnis und zwar: Wachsen. Dafür braucht er Nahrung und Zuwendung von seiner Mutter. Für Fred gibt es im Mutterleib noch keine Welt und noch keine Mutter, zwar kann er spüren, wie es seiner Mutter geht, allerdings lebt er in einer dunklen Welt und hat nur erste Ansätze eines Bewusstseins.

In seiner Welt existiert noch keine Grenze zwischen sich selbst und etwas anderem, er existiert in einem unendlichen Einheitsgefühl, das aber noch vorbewusst ist. Für ihn geht es erstmal darum, kräftig genug zu werden, um den gefährlichen Prozess der Geburt zu bestehen.

Kollektiv

Beige Spiral Dynamics
Beige ist auch die Farbe der Wüste und steht symbolisch für den Ursprung des Menschen in Afrika.

Ca. 2 Millionen Jahre früher: eine kleine Gruppe von Urmenschen streift durch die afrikanische Savanne. Es handelt sich noch nicht um Homo sapiens sapiens, sondern um seine direkten Vorfahren. Sie sind auf der Suche nach Essen und sammeln, was sie finden können. Manchmal jagen sie auch kleine Tiere. Sie haben noch keine Sprache in unserem Sinne und kommunizieren mehr über Gesten, Mimik und Geräusche. Es reicht, um das Territorium zu sichern, das ständig vor Eindringlingen, wie benachbarten Horden geschützt werden muss.

Diese Urmenschen haben wie Fred noch keine Begriffe und sie leben in inniger Verbundenheit mit dem Jetzt und der Natur. Allerdings haben sie auch keine andere Wahl, denn sie müssen wissen, wo sie Essen und Wasser finden und wie sie ihr Territorium verteidigen können. Sie leben in einer Art Protogemeinschaft. Die Lebenswelt dieser Urmenschen besteht kaum aus etwas anderem als aus Überleben von Tag zu Tag.

Plötzlich ein Schrei! Ein Löwe hat versucht, sich an die Gruppe heranzupirschen. Die Gruppe stiebt in Panik auseinander und klettert in Windeseile auf die Bäume. Sie sind in Sicherheit! Da haben sie aber noch einmal Glück gehabt…

Organisation

Der Chef verlässt das Büro wieder. Eben hat er einen Mitarbeiter aufgrund kleiner Fehler angeherrscht. Manchmal droht er sogar mit Kündigungen. Spannung liegt in der Luft. Die Zeit scheint nicht vergehen zu wollen. Die Mitarbeitenden sind schon lange gestresst und viele versuchen nur noch, von Tag zu Tag zu überleben. Es geht nicht um irgendwelche Ziele, sondern es geht nur darum, die Zeit zum Geldverdienen möglichst unbeschadet zu überstehen.

Die Gehirne der Mitarbeitenden befinden sich im Stressmodus und das heißt für den Organismus: “Fight, flight or freeze”. Entweder äußert sich also das konstant bedrohliche Setting im Büro in aggressiven Abwehrreaktionen, z.B. gegen andere Mitarbeiter oder in einer Verweigerungshaltung, im mentalen Rückzug, der sogenannten “inneren Kündigung” sowie in einem Erstarren jeglicher Motivation, was mittel- bis langfristig zu psychischen Störungen führen kann.

5-stone age

Zentraler Wert von Beige: Überleben

Beige steht symbolisch für die evolutionären Instinkte des Menschen, insbesondere Selbsterhalt (Nahrung, Sicherheit) und Arterhalt (Sexualität, soziale Bezugsgruppe). Viele Jahrhunderttausende war die Situation des Menschen äußerst prekär, und es war jederzeit möglich, dass mensch etwa beim Jagen oder durch ungünstige Wetterereignisse umkam oder (ver)hungern musste. Da es primär um das Überleben geht, gibt es auf der Ebene von Beige noch keine Abstraktionen, keine Sprache, keinen Begriff von Zeit, Raum und Kausalität. Für Beige ist alles jetzt und der psychische Antrieb besteht rein aus der Suche nach Lust und der Vermeidung von Unlust ("Lustprinzip"). Diese kollektiven Erfahrungen sind tief in unserer DNS verankert und beeinflussen nach wie vor maßgeblich unser Verhalten.

Zusammenfassung Beige [1]

  • Im Zentrum von Beige steht der Überlebenswille mit seinen biologischen Instinkten (Selbsterhalt und Arterhalt)
  • Die Welt besteht rein aus sinnlichen Reizen im Jetzt (Jagen und Sammeln)
  • Kollektiv kann man beige mit der Entstehung des Menschen ansiedeln (die ersten Urmenschen vor ca. 2 Mio.  und den ersten homo sapiens vor ca. 300 000 Jahren)
  • Auf individueller Ebene spiegelt sich Beige als Embryo, Fötus und als Neugeborenes wider
  • Der biologische Organismus ist primär auf Überleben ausgerichtet, was sich u.a. an der eingebauten Stressreaktion zeigt, bei der der Körper Stresshormone ausschüttet, um Energie zum Kämpfen oder Fliehen bereitzustellen
  • Beige kennt keine abstrakten Konzepte (!) sondern handelt nach dem Lustprinzip
Hier eine der ältesten Abbildungen eines Menschens aus der Höhle von Lascaux in Frankreich vor ca. 30 000 Jahren. Offenbar wurde der Mensch beim Versuch, den Stier zu erlegen von selbigem getötet oder schwer verletzt.

Jetzt vertiefen wir das Ganze: eine Übung für dich persönlich und ein Test für deine Organisation. Viel Spaß!

[1] Vgl. Beck, Cowan: Spiral Dynamics. Leadership, Werte und Wandel. 2008. S. 314 ff.

Lektion Inhalt
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