Künstliche Intelligenz (KI) kann das Selbstcoaching unterstützen, birgt aber auch Gefahren, die ich unten ausführe.
KI kann uns helfen, zu sortieren und zu analysieren, kritisch zu hinterfragen und Gegenbeispiele zu finden. Damit ergeben sich nützliche Einsatzzwecke der KI im Coaching:
- Protokollant: Gedanken zu einem Fall unsortiert in die KI eingeben durch Text oder Sprache und die KI bitten, zu protokollieren und zusammenzufassen,
- Muster erkennen: Informationen zu einem Fall in die KI eingeben, um Muster zu erkennen und in Fachsprache oder Umgangssprache Phänomene und Zusammenhänge zu benennen
- Methoden anwenden: die KI kann Schritt-für-Schritt durch eine Methode führen und jeweilige Antworten sammeln, um dann ggf. zusammenzufassen, zu sortieren, Muster zu benennen. Bei allgemein bekannten Methoden können KIs womöglich von alleine die Struktur anwenden, ansonsten sollte man die Methoden-Struktur und Schritt-Reihenfolge genau vorgeben.
- Methodenauswahl: Wenn du noch nicht weißt, welche Methode gut passt, kannst du auch Informationen zum Fall eingeben und die KI auffordern, dir passenden Methoden vorzuschlagen.
Ich habe zum Test auch selbst Coaching-Methoden aus meinem Coaching-Workbook mit der KI durchgespielt und, nach Anonymisierung und mit dem Einverständnis der Klienten, auf einen Fall angewandt oder die Ergebnisse zusammenfassen lassen. Besonders hilfreich fand ich, ein paar Methoden zu einem Fall zu erarbeiten und dann die darauf folgenden, insbesondere die Transfer-Methoden, von der KI erstellen zu lassen als mögliche Weiterführung. Ein weiterer Nutzen konnte die KI am Ende schaffen, indem sie eine Meditations-Anleitung schrieb zur Verankerung der neuen Gedankenanstöße.
Grenzen und Gefahren von KI im Selbstcoaching
KI ersetzt keine menschliche Beziehung. Selbstwirksamkeit entsteht durch konkretes Handeln in der körperlichen Welt, nicht nur am Bildschirm.
Gefahren von Selbstcoaching mit KI sind, dass man sich damit selbst betrügen kann, indem man selektiv Fakten, Beispiele und Perspektiven liefert – und die KI diese Auswahl dann schlüssig fortschreibt. So kann selektive Wahrnehmung verstärkt werden; kritische, konträre Hinweise bleiben leicht außen vor. KI hat keinen Körper und keine authentische emotionale Resonanz: Sie kann nicht „spüren“, wann jemand intellektualisiert, ausweicht oder sich von Gefühlen abkoppelt. Gerade weil KI-Antworten oft plausibel klingen, besteht das Risiko, sich in eine stimmige, aber einseitige Deutung zu flüchten und Gegenbelege auszublenden.
Wird KI bei der Verarbeitung von Gedanken und Notizen zu einem echten Coachingfall genutzt, ist außerdem Datenschutz wichtig. Ohne Zustimmung des Klienten sollten keine Klarnamen verwendet werden oder sonstige Informationen, die Rückschlüsse auf die echte Person erlauben. Die meisten KI-Anbieter nutzen die eingegeben Informationen außerdem für das Training ihrer Modelle: du unterstützt also damit ggf. den jeweiligen Techkonzern. Hinterfrage daher kritisch den Datenschutz des jeweiligen KI-Anbieters.
Ideal wäre z.B. ein europäisches Open Source Modell, welches auf europäischen Servern betrieben wird, worüber die volle Datenkontrolle besteht und sichere, verschlüsselte Datenverbindungen laufen.