Systemische Fragetechniken – 8 Wege zur Erkenntnis

Eine mächtige Schatzkiste und hohe Kunst sind systemische Fragetechniken (auch: systemische Fragen oder systemische Fragestellungen). Sie sind ein Sammelsurium aus bewährten therapeutischen Kniffen und Analysetools von Coaches & Beratern. Sie sind nützlich, wenn man in einem Fall vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht, man sich im Kreis dreht oder einfach dringend ein Themenwechsel hilfreich wäre.

Nutzen von Systemischen Fragen:

  1. Problemanalyse: Aufdecken von Zusammenhängen & tieferen Dynamiken.
    Wie finde ich das eigentliche Problem heraus?
    Was ist das Problem hinter dem Problem?
  2. Kreativität & Innovation ermöglichen: Gewohnte Bahnen verlassen, Out-of-the-Box-Denken ermöglichen…
    um neuartige Ideen und Ansätze zu ermöglichen, müssen die bisherigen Denkgewohnheiten überwunden werden. Hier helfen systemische Fragen, um hinter die Kulisse der Konventionen blicken zu können. Hierfür helfen auch Kreativität-Heuristiken.

Hier bekommst du eine Sammlung von systemischen Fragen und Taktiken, die helfen, Zusammenhänge aufzudecken (Perspektivische Fragen, Hypothetische Fragen, Skalenfragen, Kopfstand) oder, weil es vielleicht gar nicht möglich ist, den Kern eines Problems zu finden, lenkst den Klienten in eine sinnvolle Richtung (Ressourcenaktivierung, Zielorientierte Fragen, Hypothetische Fragen).

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Ressourcen sind alles, was hilft, um Herausforderungen zu bewältigen… Kompetenzen, positive Erfahrungen, Wissen, soziale Netzwerke, Motivation & Energie.

  • Was hat dir bisher geholfen?
  • Wer / Was kann dich unterstützen?
  • Was hast du schon unternommen?
  • Kennst du Projekte, die ähnliche Aktionen gestartet haben?
  • Stell dir das Projekt als Kochrezept vor: Welche Zutaten brauchst du alles? Wie gehst du Schritt für Schritt vor, um dein Gericht zu kochen?

Zielorientierte Fragen:

Perspektivische Fragen:

  • Ein guter Freund hat dieses Problem, was rätst du ihm?
  • Was rät dir dein Partner / deine Eltern / deine Großmutter?
  • Wie hätte dein Umfeld reagiert?
  • Wer hätte positiv/negativ reagiert?
  • Stell dir vor, du bist am Ende deines Lebens – was würdest du deinem heutigen Ich raten?

Perspektivische Fragen heißen auch Zirkelfragen oder zirkuläre Fragen, siehe Wikipedia-Artikel.

Hypothetische Fragen:

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  • Was ist das Ziel deines Projektes?
  • Welches Problem willst du lösen?
  • Warum willst du dein Ziel erreichen?
  • Also ist dein Ziel, dass … Könntest du das konkretisieren?
  • Woran merkst du, dass du dein Ziel erreicht hast bzw. das von dir adressierte Problem gelöst ist?
  • Wann ist der Punkt erreicht, an dem dein Projekt überflüssig wird?
  • Du sagst, du brauchst mehr Führung – Was wäre dann, wenn du sie bekämest?
  • Nimm einmal an, du wüsstest, was der nächste Schritt wäre, was würdest du als Erstes tun?
  • Stell dir vor, du hast dein Ziel erreicht, was wäre dann anders?
  • Die Wunderfrage:

  • Stell dir vor, du wachst morgen auf und ein Wunder ist geschehen? Wie sieht das aus?
  • Wonach du dich am meisten sehnst, wird eines Tages Wirklichkeit – Was wäre passiert?

Skalen-Fragen:

Skalen-Fragen helfen, um konkret zu werden und erzeugen Messbarkeit.

  • Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie nah bist du am Ziel?
  • Was musst du tun/müsste passieren, um höher zu klettern?
  • Stelle dir eine Skala von 1 bis 10 in deinem Raum vor: Stell dich auf die Stufe, auf der du momentan bist.
  • Auf dem Zeitstrahl deines Lebens: an welchem Punkt befindest du dich jetzt?

Kopfstand / Negatives Brainstorming

Manchmal sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr und drehen im Kreis. Wenn der Versuch, etwas besser zu machen, eher Trägheit auslöst. Durch die Kopfstand-Methode können dann allgemeine Prinzipien aufgedeckt werden.

Allgemeine Umkehr-Fragen:

  • Wie kann es noch schlimmer werden?
  • Wie können wir das Vorhaben an die Wand fahren?
  • Was kann im schlimmsten Fall passieren?
  • Damit es noch schlimmer wird – was musst du tun?

Beispiele für Kopfstand-Fragen:

  • Wie kann Schule zum schlimmsten Ort der Welt werden?
  • Was könnten wir tun, damit andere Menschen Sie als richtig egoistisches Arschloch wahrnehmen?
  • Wie kann das Unternehmen innerhalb eines Jahres pleite gehen?
  • Was musst du tun / lassen / sagen, damit deine Zielgruppe dir komplett den Rücken zukehrt?

Anschließend leitest du aus den Ergebnissen das Gegenteil, bzw. positive Erfolgsstrategien. Manchmal helfen Kopfstand-Fragen auch schon, um Wachheit hervorzurufen, um dann konstruktiv weiterarbeiten zu können. Noch besser ist dafür folgende Technik:

Paradoxe Intervention

Bei der paradoxen Intervention erschütterst du den Fallgeber, um ihn aus seinen Denkmustern zu befreien. Dies setzt Vertrauen voraus, sonst kann es nach hinten losgehen. Möglich ist dies z.B. durch ein Wechseln der Rollen vom „Berater“ zum „Komplizen“ oder durch Identifizierung mit dem Problem („Hervorragend, weiter so mit den Selbstvorwürfen!“).

  • Ok, dann gehen wir davon aus, dass alle Ängste & Bedenken zutreffen…
  • Mutter zu Sohn: Du kaust also gerne an deinen Fingernägeln, weil das die anderen Kinder auch machen? Dann schlage ich vor, dass du der allerbeste Fingernagelkäuer von allen wirst. Du hast viel zu üben, nimm dir eine Stunde Zeit und kaue einfach nur ganz konzentriert an deinen Nägeln!
  • Du versuchst seit 2 Jahren abzunehmen und schaffst es nicht! Wie wäre es dann, wenn du in den nächsten 2 Monaten 20 Kilo zunimmst?
  • “Es gibt auch andere Menschen, denen es schwer fällt, ihre Gefühle anzunehmen. Erfolgreiche Strategien sind Alkohol, Spielsucht, andere beschuldigen, sich zu überfressen… Was ist Ihre?”

Paradoxe Interventionen helfen im besten Fall dabei, Neurosen aufzubrechen. Sie können aber, wenn wenige geistige Ressourcen vorhanden sind, auch erst einmal überfordern und verwirren. Achtung:

Systemische Fragetechniken: Was bedeutet „systemisch“?

Ein Mensch und erst recht eine Gruppe von Menschen bilden ein komplexes System. Die Komplexität besteht zum Beispiel darin, dass ein Symptom durch etwas verursacht wird, was an einem verborgenen anderen Ende des Systems entstanden ist … oder durch statistische Effekte. Besonders gute Anwender dieser Denkweise sind Osteopathen. Dann kann es helfen, das System als Ganzes zu betrachten oder Prinzipien zu nutzen, die das System als Ganzes in Richtung Selbstorganisation bzw. Heilung zurückführen.

Hier findest du eine tiefere Betrachtungsweise von Menschen als komplexe Systeme.

Nutze systemische Fragetechniken für Innovationsprozesse, Kreativität & Design Thinking

Design Thinking bietet einen allgemeinen Ansatz, um komplexe Herausforderungen kreativ zu lösen. Dabei ist es wichtig, ein gutes Problemverständnis zu entwickeln. Leider geschieht dies oft nicht und ein Problem wird nur oberflächlich analysiert und damit auch nur oberflächlich gelöst bzw. die Innovationen bleiben auf der gleichen „Ebene“ (ein gutes Modell zu Ebenen findest du unter Spiral Dynamics) . Besonders gut in der Empathie-Phase vom Design Thinking kannst du systemische Fragetechniken nutzen, um hinter die Fassaden zu blicken.

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