Wertequadrat im Coaching

Das Wertequadrat ist eine Reflexionsmethode: sie hilft, festgefahrene Werte-Konflikte aufzulösen. Sie ist einfach strukturiert

Wertequadrat - Coaching-Methode Arbeitsblatt

Anleitung zum Wertequadrat

  1. Benenne die Situation, um die es geht und nenne ggf. zum Verständnis nötigen Kontext.
  2. Benenne den Wert (A), um den es dir am meisten geht.
    • Erläutere auch, was genau dieser Wert für dich bedeutet, wie du dich damit fühlst. Wenn du kannst, benenne auch, warum dir der Wert so wichtig ist.
    • Übertreibung A: Wie wird der Wert wahrgenommen, wenn er übertrieben ausgeprägt wird, ohne Regulation? Zum Beispiel wird Lockerheit zu Fahrlässigkeit, Verbundheit zu Abhängigkeit, Flexibilität zu Unverbindlichkeit etc.
  3. Gegenwert (B): Was ist der positive Gegenwert zu A?  Zum Beispiel könnte zu Lockerheit / Fahrlässigkeit der positive Gegenwert Verantwortung sein.
    • Übertreibung B: Wie wird der Wert B wahrgenommen, wenn er übertrieben ausgeprägt wird, ohne Regulation?
  4. Synthese: Wie wird die Polarisierung zwischen A und B aufgelöst? Nenne Kriterien und Leitplanken, mit denen die Auflösug möglich wird.
  5. Kleiner Schritt: Nenne einen möglichst kleinen, konkreten Schritt, der dich ein kleines bisschen weiter bringt.

Neurobiologische Korrelate

Das Wertequadrat wirkt vor allem darüber, dass es Ambivalenz sortiert. Wenn du im inneren Konflikt festhängst, neigt das Denken zu Schwarz-Weiß-Mustern: entweder hart oder egal, entweder Vertrauen oder Kontrolle. Diese Verengung geht häufig mit Stressreaktionen einher. Die Methode zwingt dich in Perspektivwechsel und Integration: Du hältst zwei legitime Werte gleichzeitig im Blick und benennst ihre jeweiligen Schattenseiten. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit von impulsiven Überreaktionen.

Neurobiologisch passt das zu stärkerer präfrontaler Steuerung bei gleichzeitiger Reduktion von Alarm. Vereinfachend: präfrontale Netzwerke unterstützen Reframing, Planung und Impulskontrolle; der Konflikt wird nicht mehr als unlösbares Bedrohungssignal erlebt, sondern als gestaltbare Aufgabe. Das verbessert die Emotionsregulation, weil du nicht mehr nur „gegen“ etwas arbeitest, sondern „für“ eine integrierte Haltung mit klaren Regeln.

Wertequadrat auf einen Blick

Ziel: Ambivalenz sortieren, Werte-Konflikte entkrampfen, integrierte Leitplanken finden
🌱 Wurzeln: Schulz von Thun, Dialektik, Reframing
🧠 Neuro: PFC ↑, Amygdala ↓, ACC ↑, DMN ↓
🟢 Anspruch: niedrig
⚠️ Risiko: oberflächliche Behandlung eines tiefergehenden Konflikts; Über-Intellektualisierung; falsche Symmetrie („beides gleich richtig“); moralische Selbstabwertung; zu früh bei hoher Aktivierung (>7) statt erst Regulation
💡 Indikation: festgefahrene Wertedebatten (innen/außen), Feedback-Konflikte, Entscheidungsdilemmata, „entweder-oder“-Denken, harte Selbsturteile
🚫 Kontra: akute Krise/Überflutung; Gewalt-/Machtmissbrauch-Kontexte (Wertequadrat kann Täter-Logik „veredeln“); wenn erst Stabilisierung nötig ist
🔗 Danach: GFK, Ich-Du-Meta, ABC, Teufelskreis, Selbstklärung oder Stresswolke

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