Ressourcen-Aktivierung im Coaching

Ressourcen sind all die Dinge, die uns helfen, Herausforderungen zu bewältigen und Ziele zu erreichen… Wissen, Erfahrungen, Erinnerungen, Strategien, bewährte Lösungswege, positive Erfahrungen, Selbstbewusstsein, persönliche Stärken, Hilfsmittel, Unterstützer, Freunde, Mentoren.

Ressourcen sind unser inneres und äußeres Vermögen, welches aktiviert und genutzt werden kann. Oft sind wir uns nicht bewusst, wieviele positive Ressourcen wir bereits haben.

Ressourcenaktivierung bedeutet: die vorhandenen Ressourcen sichtbar machen, ins Bewusstsein rufen und nutzen für die Lösung der aktuellen Herausforderung.

Im Coaching ist Ressourcenaktivierung eine Basistechnik, mehr noch: es ist essenzieller Bestandteil jedes Coaching-Prozess. Auch die Wirkungsforschung ist sich einig, dass Ressourcenaktivierung eines der wichtigsten Erfolgsprinzipien überhaupt ist, neben der Beziehungsebene und der Zielklarheit.

Eine andere schöne Formulierung für diese Methode ist die Ressourcen-Dusche. Unser Nervensystem darf in all dem Positiven baden, was bereits da ist.

Hier schauen wir uns an, wie Ressourcenaktivierung im Coaching als Methode eingesetzt werden kann.

Arbeitsblatt Ressourcen-Aktivierung

Anleitung: Ressourcen-Aktivieren im Coaching

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Vorbereitung: Rahmen, Auftrag, Ziel kurz erinnern.

  1. Ressourcen-Inventur: Arbeite entlang der Kategorien des Templates. Es spielt keine Rolle, wo genau du anfängst. Gute Einstiege sind die Menschen und Beziehungen oder die bisherigen Erfolge. Aber letztlich kannst du frei durch das Arbeitsblatt gehen und durch all die schönen Ressourcen surfen. Unten gibt es noch Formulierungshilfen in Form typischer Fragen für die einzelnen Ressourcen-Kategorien.
    • Beziehungen: Menschen, die an einen glauben, Freunde, Familie, Kollegen etc.
    • Bisherige Erfolge & bewältigte Situationen
    • Wissen, Kompetenzen, Fähigkeiten
    • Stärken & Talente
    • Physisches Umfeld: Wohnung, Natur, Gegenstände, Orte
    • Ziele, Visionen, Träume (als Motivationsquelle)
    • Positive Glaubenssätze & schönste Komplimente
  2. Vertiefender Dialog: Gehe auf interessante Punkte stärker ein. Greife ggf. emotionale Punkte stärker auf, wenn z.B. dein Coachee eine persönliche biografische Herausforderung gemeistert hat. Oft stecken hinter starken Ressourcen auch frühere schwierige Phasen.
    1. Wie geht es dir, wenn du diese viele positiven Stärken und positiven Erfahrungen von dir wachrufst?
    2. Welche Ressourcen sind die schönsten für dich?
  3. Möglicher Transfer: Wie könntest du dir im Alltag diese Ressourcen öfter wachrufen? … zuhause? .. im Büro?
  4. Ressourcen-Anker als mögliche Vertiefung: Lass den Coachee zum Abschluss eine Schlüsselressource (Wort, Bild, Farbe, Geste) wählen – etwas, woran er sich Coachee im Alltag leicht erinnert. “Du kannst dir diese Schlüsselressource vor dem inneren Auge jederzeit wachrufen”.

Formulierungshilfen: Fragen für die Ressourcen-Felder

1. Menschen – herzliche Beziehungen, Vorbilder, Unterstützer

  • Wer sind 3–5 Menschen, bei denen du dich gesehen und angenommen fühlst?
  • Wer hat dich in schwierigen Phasen unterstützt?
  • Welche Vorbilder oder Mentor:innen geben dir Orientierung?

Mögliche Vertiefung:

  • Was tust du anders, wenn du mit diesen Menschen zusammen bist?
  • Was sagen diese Beziehungen über dich aus?
  • Wenn du all diese positiven Menschen zusammen in einem Haus hättest – wie wäre das?

2. Was andere Gutes über dich sagen

  • Welche positiven Rückmeldungen hast du in letzter Zeit bekommen?
  • Was würde dein Umfeld sagen, was sie an dir schätzen?
  • Welche Sätze oder Komplimente sind dir in Erinnerung geblieben?

Mögliche Vertiefung:

  • Was wünscht du dir, was Menschen am Ende deines Lebens über dich sagen?

3. Bisherige Erfolge und bewältigte Schwierigkeiten

  • Worauf bist du rückblickend stolz?
  • Welche Herausforderungen hast du gemeistert? Alltägliche oder Meilensteine?
  • Wann bist du über dich hinausgewachsen?

Mögliche Vertiefung:

  • Welche Fähigkeiten wurden in diesen Situationen sichtbar?

4. Fähigkeiten – geistig, emotional, sozial, fachlich

  • Welche Denk- und Problemlösefähigkeiten zeichnen dich aus?
  • Wie gehst du mit Stress, Unsicherheit oder Komplexität um?
  • Welche Beiträge leistest du in Beziehungen oder Teams?
  • Welche fachlichen Kompetenzen bringst du ein?

5. Äußere Inspiration – Orte, Bücher, Filme, Bilder

  • Welche Orte geben dir Energie oder Ruhe?
  • Welche Bücher, Filme, Bilder oder Kunstwerke inspirieren dich?
  • Welche Sätze oder Szenen begleiten dich immer wieder?

Mögliche Vertiefung:

  • Welche Qualität – Ruhe, Klarheit, Mut – holst du aus diesen Inspirationsquellen?

6. Materielle Ressourcen – Gegenstände, Finanzen

  • Welche Gegenstände unterstützen deinen Alltag oder deine Projekte?
  • Welche finanziellen Mittel oder Sicherheiten stabilisieren dich?
  • Auf welche Infrastruktur oder Räume kannst du zugreifen?

7. Ziele, Visionen, Träume

  • Was zieht dich an, wenn du an die nächsten 3–5 Jahre denkst?
  • Welche Träume kommen immer wieder zu dir zurück?
  • Welche Art von Beitrag möchtest du leisten?

Mögliche Vertiefung:

  • Welcher Traum macht dich ruhig? Welcher begeistert dich?

8. Positive Glaubenssätze

  • Wie würdest du eine gute Freundin in deiner Situation ermutigen?
  • Welche Worte machen dir Mut?
  • Was würde du gerne jeden Tag hören, um dich zu stärken?

Neurobiologische Grundlagen: Was passiert im Nervensystem?

Bei der Ressourcen-Aktivierung verschiebt sich dein Nervensystem von Bedrohung zu Sicherheit:

  1. Der Präfrontale Cortex wird stärker aktiv und ermöglicht Überblick, Einordnung und Selbstwirksamkeit.
  2. Die Amygdala fährt herunter, weil Erinnerungen an Bewältigungserfahrungen das Bedrohungsgefühl reduzieren.
  3. Das Belohnungssystem schüttet Dopamin aus, wodurch Motivation und Zuversicht steigen.
  4. Der Vagusnerv aktiviert den Parasympathikus – das beruhigt und erweitert den Handlungsspielraum.
  5. Gleichzeitig arbeitet das Default Mode Network konstruktiver: autobiografische Erinnerungen ordnen sich zu einer kohärenten Selbstgeschichte.
  6. Durch soziale Ressourcen werden Bindungs- und Empathienetzwerke und Spiegelneuronen aktiv, was zusätzliche Sicherheit erzeugt.

Auf einen Blick: Ressourcen-Aktivierung als Coaching-Methode

  • Ziel: Stärken, Erfahrungen, soziale und materielle Ressourcen sichtbar machen und für aktuelle Ziele nutzbar machen.
  • Kerntechnik: Gezielte Fragen zu Erfolgen, Beziehungen, Fähigkeiten, Unterstützungssystemen und positiven Selbstzuschreibungen.
  • 🌱 Wurzeln: Humanistische Psychologie, Resilienzforschung, Positive Psychologie, Salutogenese, Narrative Ansätze.
  • 🧠 Neuro:
    • Dopamin – Belohnungssystem ↑
    • Vagus/Parasympathikus ↑
    • Default Mode Network (konstruktiv) ↑
    • PFC ↑
    • Amygdala ↓
  • ⭐ Evidenz: hoch (Ressourcenfokussierung stärkt Selbstwirksamkeit, d ~ 0.6–0.9)
  • 🟢 Anspruch: niedrig
  • ⚠️ Risiken: Zu vage, zu allgemein; nur Bypassing, wenn ein aktuelles Problem im Raum steht
  • 💡 Indikation: Beginn von Entwicklungsprozessen; nach Krisen; bei Selbstzweifeln; zur Stärkung von Motivation und Stabilität.
  • 🚫 Kontraindikation: Akute emotionale Überforderung; starke Scham (→ dann erst Stabilisierungsmethoden).
  • 🔗 Aufbauende Methoden: Anamnese, Selbstklärung, Aufwärtsspirale, Visionsdreieck, Ikigai, Narrativ.
  • Metapher auf einer Schiffsreise: Die Vorräte, Crew-Unterstützung und Fähigkeiten sichtbar machen

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