Ikigai – Der Sinn Deines Handelns

Ikigai kommt aus dem Japanischen und bedeutet soviel wie “Lebenssinn” oder frei übersetzt “das, wofür es sich zu leben lohnt”. In Japan erfährt dieses Konzept schon seit den 60er Jahren stetig wachsender Beliebtheit und allmählich hält es auch in den Westen Einzug. Es lohnt sich, sich mit Ikigai zu beschäftigen, denn es ist intuitiv und individuell. Natürlich kann das persönliche Ikigai nicht von heute auf morgen Wirklichkeit werden. Ikigai erfordert die Bereitschaft, sich selbst gründlich anzuschauen, um herauszufinden, welcher Lebensstil tatsächlich zu einem Gefühl der Erfüllung und des Wohlbefindens führen kann.

Ikigai erklärt

Der große Vorteil von Ikigai besteht darin, dass es so anschaulich und naheliegend ist, dass man sich fragt, warum man selber noch nicht darauf gekommen ist. Es geht nahezu perfekt auf. Ikigai besteht aus vier Kreisen, die 2×4 Überschneidungen mit 2 bzw. 3 Feldern aufweisen, sowie einem Feld, wo sich alle Kreise überschneiden, das Ikigai.

Die vier Kreise

  • Was Du liebst: Was tust du gerne? In welchen Tätigkeiten gehst du voll auf oder bist von ihnen begeistert? Was interessiert dich so brennend, dass du dein Wissen und deine Fähigkeiten darin unbedingt vertiefen möchtest? Bei welchen Aktivitäten fühlst du dich ganz im Hier und Jetzt und verbunden mit der Welt? Wann empfindest du Freude im Leben?
  • Worin Du gut bist: Was kannst du? In welchen Bereichen weißt du mehr als der Durchschnitt? Wann hast du das Gefühl Durchblick und Können zu besitzen? Welche Dinge gibt es, die du anderen beibringen könntest? Und welche Ressourcen und Metafähigkeiten hast du, um dich weiterzuentwickeln?
  • Was die Welt braucht: Was sind aus deiner Sicht die wichtigsten Dinge, die in deiner Umgebung fehlen oder von dem es zu wenig gibt? Vor welchen Problemen steht die Gesellschaft? Was würdest du dir für deine Mitmenschen wünschen?
  • Wofür Du bezahlt werden kannst: Wovon lebst du im Augenblick? Welche deiner Fähigkeiten oder welche Aspekte davon erkennt die Gesellschaft (finanziell) an? Wo gibt es Potenzial, dass Menschen ein Interesse für deine Tätigkeiten entwickeln könnten? Wofür wären sie bereit, Geld auszugeben?

Die ersten vier Überschneidungen

Wenn sich zwei der Kreise überschneiden entstehen Passion, Mission, Profession und Berufung. Wenn du dich in deinen Aktivitäten in einem dieser Bereiche wieder findest, ergeben sich daraus mögliche Entwicklungsaufgaben, die in der gegenüberliegenden Überschneidung angesiedelt sind.

Tätigkeitsart Mögliche Entwicklungsaufgabe
Wenn du liebst, was du tust und gut darin bist, hast du eine Leidenschaft (Passion): Das ist die “privateste” Variante. Diese Tätigkeit hat keinen oder kaum einen Bezug zu deiner Umwelt und zum finanziellen Erwerb. Du lebst deine Leidenschaft einfach so, aus reiner Freude und das ist großartig! Folge deiner Berufung – Was kannst du der Welt mit deiner Leidenschaft zeigen, sagen oder geben? Gibt es eine Möglichkeit, deine Leidenschaft zu einer Einnahmequelle zu machen?
Wenn du liebst, was du tust, und die Welt es braucht, hast du eine Aufgabe (Mission): Du siehst etwas, was die Welt dringend braucht und möchtest es ihr zu geben. Du bist dabei begeistert und machst dich im besten Sinne nützlich. Du bist in der Lage, andere Menschen mit dein Begeisterung anzustecken und zu animieren! Werde Profi – Wie kannst du deine Fähigkeiten so erweitern, dass du deine Aufgabe gut bewerkstelligst? Wie kannst du dich so an Geldquellen anschließen, dass du nachhaltig und ohne unnötige Geldsorgen schaffen kannst?
Wenn du etwas tust, wofür du bezahlt wirst, und du es gut kannst hast du einen Beruf (Profession): Du bist im wahrsten Sinne des Wortes ein Profi. Für deine Tätigkeiten erhältst du dank deiner Expertise Anerkennung und ein ausreichendes Einkommen. Wenn du etwas in deinem Feld anpackst, gelingt es! Entdecke deine Mission – Welche Aspekte gefallen dir an deinem Beruf und wobei empfindest du Freude? Kannst du diese Aspekte noch ausbauen? Was kannst du mit deinem Beruf der Welt zurückgeben?
Wenn du etwas tust, was die Welt braucht und wofür du bezahlt wirst hast du eine Berufung (Vokation): Die Gesellschaft braucht dich und du folgst ihrem Ruf. Du hast ein gutes Auskommen und siehst den Sinn in dem was du tust. Durch deine Tätigkeit wird die Gesellschaft am Laufen gehalten. Du trägst deine Mitmenschen! Entwickle Leidenschaft – Kannst du noch mehr von dir selbst einbringen? Welche Tätigkeiten machst du gern und gut? Wie kannst du Liebe in deine Berufung bringen?

Die zweiten vier Überschneidungen

In der Abbildung sind sie mit A, B, C und D markiert. In diesen überschneiden sich drei Felder, und das bedeutet, dass hier einer von den vier Aspekten vernachlässigt wird.

  • Es fehlt Geld

Das ist wahrscheinlich der günstigste Fall, relativ betrachtet. Sinn, Kompetenzen und Leidenschaft sind schon da. Nur an finanzieller Anerkennung mangelt es noch. Schließlich muss man von etwas leben. Wer könnte also bereit sein, Geld zu geben? Wie findet man diese Menschen? Was muss sich im Bewusstsein der Menschen verändern, damit sie den Wert dieser Tätigkeit erkennen?

  • Es fehlt Sinn

Zwar gibt es Kompetenzen, Geld und Leidenschaft, aber es drängt sich immer wieder das Gefühl auf, dass die Tätigkeit keinen oder kaum Nutzen für die Umwelt und die Mitmenschen hat. Kann die Tätigkeit prinzipiell sinnvoll sein? Wenn ja, unter welchen Umständen? Wenn nein, wäre es nicht vielleicht besser, andere Optionen zu eruieren und sich mittelfristig dahingehend zu verändern?

  • Es fehlt Kompetenz

Wenn Geld, Sinn und Freude vorhanden sind, ist es nur logisch, diese Tätigkeit auch gut ausüben zu wollen. Daher kann es frustrierend sein, wenn bestimmte Fähigkeiten fehlen, um seine Ziele zu erreichen. Vielleicht ist es Zeit, sich einer neuen Herausforderung zu stellen? Sich weiter zu bilden? Mehr Wissen und Können zu erlangen?

  • Es fehlt Freude

Dies ist womöglich der schlimmste Fall in Relation zu den anderen. Alle rationalen Gründe sprechen für die Tätigkeit: du bist kompetent, du gibst der Gesellschaft etwas, und du bekommst Geld dafür, aber dennoch empfindest du eine innere Leere. Deine Tätigkeit bereitet dir keine Freude und dennoch übst du sie aus. Du verrätst dich damit letztlich selbst. Welche Aspekte an deiner Tätigkeit magst du? Kannst du deinen Schwerpunkt mehr auf diese verlagern? Was machst du wirklich gerne, unabhängig von rationalen Gründen? Höre auf dein Herz!

Ikigai für Unternehmen und Organisationen

Auch Organisationen können im Rahmen von Ikigai analysiert werden. Beispielsweise könnte man so vorgehen, dass man in einem Meeting oder einer Beratungssituation einen Stuhl für die gesamte Organisation freilässt. Bei schwierigen Themen oder größeren Situationen kann sich ein Mitarbeitender auf den Stuhl setzen, in Resonanz gehen und kurz für die gesamte Organisation sprechen. Dann werden Ressourcen und offene Themen in der Organisationen schnell ersichtlich.

Auch interne Evaluationen lassen sich mit Ikigai designen. Auf diesem Weg findet man etwas über die innere Motivation der Mitarbeiter heraus, und wie sich die Organisation weiter entwickeln kann. Wenn die Mitarbeiter dann glücklicher werden, hebt sich die Stimmung im Unternehmen und die Arbeit wird produktiver. Eine Win-Win-Situation!

Ein bekanntes Konzept, dass sich direkt auf Organisationen bezieht und dem von Ikigai relativ ähnlich ist, ist das Hedgehog-Prinzip.

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