Community Building – Eine treue Gemeinschaft

Menschen sind Rudeltiere: wir brauchen einen Stamm und Gruppenzugehörigkeit.
Community Building ist nun die Kunst, das Rudelverhalten von Menschen sinnvoll zu nutzen.

In unserer globalisierten Gesellschaft müssen wir globale und soziale Probleme angehen, indem wir uns trauen, neue Verhaltensweisen, Werte, Normen und Kulturen zu erfinden…zum Beispiel zu Themen wie Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Datenschutz, Gleichberechtigung von Minderheiten.

Hindernis gegenüber Veränderung: Es ist eine der stärksten Ängste des Menschen, von seinem Stamm ausgestoßen zu werden aufgrund non-konformen Verhaltens …mehr zu Gruppendynamik.

Für Organisationen bieten digitale soziale Netzwerke eine Chance, die Kundenbindung und somit den Unternehmenserfolg zu steigern.

 

Was ist Community Building?

Mit Community Building sind ganz allgemein Praktiken gemein, die dazu dienen, eine Interessensgemeinschaft zwischen Individuen zu schaffen oder zu verbessern. Bezogen auf die Organisationsentwicklung kann der Aufbau einer Community eine Gruppe von Kunden hervorbringen, die sich mit der Marke des Unternehmens identifizieren und als Markenbotschafter agieren.

Die Gemeinschaftsbildung ist als ein Gruppenprozess zu verstehen, der auf menschliche Interaktion und Kommunikation beruht. Ziel von Community Building ist es, dass eine Gruppe von Menschen (engl. crowd) zu einer echten Gemeinschaft wird. Die Gruppe soll selbstständig in der Lage sein, offen und effektiv zu kommunizieren. Die Mitglieder der Gruppe arbeiten auf gemeinsame Ziele hin, verbunden durch ein Gefühl der Zugehörigkeit. Die so entstandene Gemeinschaft zeichnet sich durch außergewöhnlichen Respekt der Mitglieder füreinander aus. Diese Merkmale sind prägend für eine Community:

  • Bewusstsein für die Zusammengehörigkeit
  • Gemeinsame Rituale und Traditionen
  • Gemeinsame moralische Verantwortung

Eine Methode zur Gestaltung dieser Ebenen bietet die Visionspyramide.

 

Anleitung Community Building

Hier zeige ich dir die allgemeine Anleitung zum Community Building um zu einer Idee, Vision oder Unternehmung eine eingeschworene und treue Gruppe von Menschen zu machen.

  1. Intention setzen: Was ist der Sinn der zu entwickelnden Gemeinschaft? Zu welchen Themen, gemeinsamen Zielen, Werten und Kompetenzen formiert sie sich? Löst sie sich wieder auf, wenn ein Ziel erreicht ist oder geht es auch um die Gemeinschaft an sich?
    • Vision: inspiriere die Bewegung durch ein mutiges Ziel für die Individuen, für die Gemeinschaft, für die Welt
    • Sinn: alle sollten stets wissen und spüren können, dass die entstehende Gemeinschaft einen höheren Sinn verwirklicht, auf individueller und kollektiver Ebene
    • Storytelling: nutze das Schema der Heldenreise, um einen Mythos um die Community zu erzählen, der leicht weitererzählt werden kann
  2. Followership initiieren: finde die Menschen, die die zukünftigen Mitglieder der Gemeinschaft sein könnten.
    Und dann finde den 1st Follower! Fange ruhig mit einer kleinen, überschaubaren Zahl von treuen Mitgliedern an und stelle sicher, dass sich ein stabiler Kern daraus entwickelt!
    Mach dir klar: es geht nicht um die Leader, nicht um dich als Initiator oder Gründer – es geht stets um die Follower, denen du und die anderen Leader dienen! Und wenn es den Followern und ihren Wünschen dient, eine charismatische Führungsfigur zu haben, dann sei oder finde eben eine charismatische Führungspersönlichkeit. Aber vergiss nie: die charismatische Führungspersönlichkeit wird nur lebendig durch die Community an Followern. Der charismatische Führer alleine hat nicht die geringste Macht, sondern bekommt sie erst durch die Anhänger.

    1. Rituale und Interaktionen: eine Community ist lebendig durch Aktivität und Interaktion.
      Finde also Verhaltensweisen, die für die Mitglieder sinnvoll sind und ihre Bindung an die Community stärkt.
      Skizziere daraus so eine Art Interaktions-Menü: also Möglichkeiten, um durch Aktivität und Interaktion Wert zu stiften.
      Die Mitglieder bekommen das, was sie dafür brauchen: Anerkennung, Zugehörigkeit, Feedback, Aufmerksamkeit, Status, Unterhaltung, Wertschätzung und Vermeidung von Angst.
    2. Gutes Mitglied, schlechtes Mitglied: definiere, was die „richtigen“ Mitglieder ausmacht, und was daher die Zugangsvoraussetzungen sind. Durch Exklusivität wird der empfundene Wert der Zugehörigkeit gesteigert.
    3. Entscheidungen treffen: Wie können innerhalb der Gruppe Entscheidungen getroffen werden?
    4. Konflikte lösen: Wie können innerhalb der Gruppe aufkommende Spannungen und Konflikte bearbeitet und gelöst werden?
  3. Stabile Organisationseinheiten: Wenn eine Gruppe lebendig geworden ist und Verhaltensweisen entwickelt hat, die auch die Integration von weiteren Mitglieder nach den exklusiven Kriterien ermöglicht, braucht die Community eine funktionale Organisationsstruktur. Beispiele dafür bieten Armeen, Schulen und Aktivisten-Gruppen wie Fridays for Future oder Extinction Rebellion: eine sehr große Gruppe organisiert sich über ein Netzwerk aus Kleingruppen.
    Faustregeln:

    1. 150er Rudel-Limit: Menschen können nicht mehr als 150 Personen im Bekanntenkreis verarbeiten.
    2. Kleingruppen von 3-6 Personen: Nur eine Handvoll Menschen können als nahestehende Personen fungieren.
  4. Auf- und Abstiegsdynamiken: definiere die „Ränge“ und Rollen der Gemeinschaft und jeweils die Voraussetzungen, um zu einem Rang berufen zu werden und ihn zu halten. Wie kann ich auf- und absteigen zwischen den Rängen?
    Wie werden die einzelnen Organisationseinheiten und Ränge geführt?
  5. Skalierung: nutze die Prinzipien von Gamification und Unternehmens-Skalierung, um die Gemeinschaft weiter wachsen und gedeihen zu lassen.
    1. Stelle dabei sicher, dass es genug Feedback-Schleifen und Lern-Möglichkeiten gibt für die Gemeinschaft, um sich weiterzuentwickeln, zu lernen und Konflikte zu lösen.

 

Tipps für die erfolgreiche Umsetzung von Community Building

Soziale Netzwerke sind für viele Menschen ein Ort, an dem sie sich gesehen und gehört fühlen; häufig mehr als außerhalb davon. Für die Nutzer von Apple stellt die Marke nicht nur eine Reihe von innovativen und hippen Produkten dar, sondern beinhaltet eine ganz eigene Philosophie. Eine Anhängerschaft von treuen Kunden ist davon überzeugt, dass Apple Produkte nicht nur besser als Vergleichsprodukte sind, sondern dass ihr Leben und ihre Kreativität durch die Nutzung der Produkte bereichert und aufgewertet werden.

Die Gemeinschaft von Fans findet sich auf Social Media Kanälen wie YouTube, wo über die neuesten Apps berichtet wird. Es gibt unzählige Foren, wo User sich austauschen und sich gegenseitig bei Problem helfen. In Blogs werden nicht nur die Produkte, sondern auch Unternehmensstrategien verteidigt.

So setzt du die Möglichkeiten von Community-Building erfolgreich in deinem Unternehmen um:

  • Biete großartige, teilbare Inhalte an.
  • Beantworte Fragen in Foren und anderen sozialen Netzwerken.
  • Kümmere dich konsequent um jedes Gruppenmitglied.
  • Erstelle ein Treueprogramme für deine Stammkunden wie Rabatte, Gutscheine und mehr.
  • Sorge für die Einbindung von spieltypischen Elementen

Vergiss nicht: Hinter jeder großartigen Idee steht eine großartige Gemeinschaft. Ein loyaler und aktiver Kundenstamm wird deinen Unternehmenserfolg sichern.

 

Beispiel Community Building: So beißen Kunden an

Ein gutes Beispiel für Gemeinschaftsbildung ist Apple. Das Erfolgsunternehmenist eine der größten Marken weltweit. Alles, worauf das Unternehmen ausgerichtet ist, ist Erfolg. Um dies zu erreichen, war es wichtig, dass Apple eine Gemeinschaft von Nutzern aufbaut, welche zu wahren Fans ihrer Produkte werden. Die Strategie ging auf: Sobald ein neues Produkt von Apple auf den Markt kommt, stehen die Kunden stundenlang in der Schlange an, um die erste Auflage des neuen Produktes zu kaufen.

Das Gemeinschaftsgefühl, welches Apple-Fans teilen, wird durch den Besitz der Produkte und das gemeinsame Interesse an der Firma und seines Begründers Steve Jobs erzeugt. Die Geräte sind meist nicht mit denen von anderen Herstellern kompatibel und sorgen so für ein Gefühl der Einzigartigkeit. Aufgrund der relativ hohen Preise können sich meist nur Besserverdiener die Produkte leisten. Besserverdiener werden häufig auch mit besserer Bildung assoziiert. Auch diese Merkmale führen dazu, dass Menschen gerne der Apple-Gemeinschaft angehören möchten.

 

Der Gemeinschaftsnutzen für Organisationen

Gezielte Gemeinschaftsbildung ist Marketing eine großartige Ressource für jedes Wirtschaftsunternehmen. Wer alleine und ohne Hilfe von Netzwerken agiert, schränkt sich in Bezug auf die Möglichkeiten des Unternehmenswachstums ein.

Die Vorteile des Community-Buildings sind immens – von besseren Geschäftsergebnissen bis hin zu persönlichem Wachstum und lebenslangen Verbindungen. Zu den wesentlichen Vorteilen gehören:

  • Aufbau eines internen und externen Kundenstammes
  • Anstieg von Vertrauenswürdigkeit und Markenbekanntheit
  • Steigerung von Kundenservice und Kundenzufriedenheit
  • Erhöhung der Reichweite
  • Kundenzuwachs steigern

Mit Community-Building führen Sie eine Mission an und bauen einen Kundenstamm auf, der Sie bei Ihren Handlungen unterstützt. Sie werden deutlich mehr Menschen erreichen, die ihr Engagement mit Ihnen teilen. Das Ziel ist es, Vertrauen zu den Menschen rund um Ihre Mission aufzubauen. Im Idealfall bauen Sie damit Ihre Marke aus und sorgen für ein methodisches Branding.

Erschaffen Sie einen virtuellen Raum, indem sich Menschen treffen, die Ihre Interessen teilen, Perspektiven austauschen, sich vernetzen und durch partizipative Ansätze zu Ihrer Unternehemensmission beitragen können. Die Gemeinschaftsbildung wird wie von allein zu neuen innovativen Ansätzen und Ideen führen, ohne dass Sie viel Zeit, Geld und Energie investieren müssen.

 

Gemeinschaftsbildung und soziales Kapital

Das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein, ist eines der grundlegendsten menschlichen Bedürfnisse. Gemeinschaft ist menschliche Ökologie. Ein Gemeinschaftsgefühl macht, dass wir uns zugehörig fühlen und gibt uns ein gutes und sicheres Gefühl.

In den Sozialwissenschaften. gibt es eine Vielzahl von Begriffen, die das Gefühl von Verbundenheit zwischen Menschen beschreiben. Gemeinschaftsbildung hat sich im Laufe der dynamischen Evolution verändert. Die Prinzipien sind jedoch gleichgeblieben. Untersuchungen legen offen, welche Vorteile sich aus dem daraus resultierenden Verhalten ergeben, ob man es nun Sozialkapital, soziale Unterstützung, Nachbarschaftshilfe, Heimatverbundenheit oder Gemeinschaftssinn nennt. Diese Vorteile sind:

  • Inspiration und Motivation
  • Teilen von gemeinsamen Erfahrungen
  • Knüpfen von wertvollen Kontakten
  • Neue Möglichkeiten entdecken
  • Spaß haben

Vertiefende Informationen liefert Christian Deindl 2005 in seinem Diskussions-Papier der Forschungsgruppe Arbeit, Generation, Sozialstruktur (AGES) der Universität Zürich. Die Arbeit mit dem Titel „Soziale Netzwerke und soziales Kapital – Einfluss auf Lebenszufriedenheit und Vertrauen“ beschreibt den Zusammenhang zwischen sozialen Netzwerken und sozialem Kapital mit dem Fazit, dass die zunehmende Individualisierung, zu einem erhöhten Bedarf an sozialer Kommunikation und Kooperation führt. Je mehr dieser Bedarf gedeckt wird, desto höher ist die Lebenszufriedenheit.

Weiterführende Informationen gibt es unter diesem Link.


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