Führungskompetenz [4 Ansätze]

Führungskompetenz & Definition Was ist Führung?

Um Führungskompetenzen verstehen und benennen zu können, hilft ein Blick auf das moderne Konzept von Führung:Führung in menschlichen Gruppen bezeichnet die Beeinflussung von Verhalten und Haltungen von Menschen, ausgerichtet an Zielen, Werten und Visionen. Führung ist also das Verhalten, welches dazu führt, dass eine Gruppe oder Organisation sich vorteilhaft organisiert, weiterentwickelt und die gewünschten Ziele erreicht. Indirekt sind all das Führungskompetenzen, die helfen, um in der Führungsposition die Ziele der Gruppe herbeizuführen. Dabei ist es prinzipiell egal, von wem die Führung ausgeht. Je nach Kultur, Werten und Tradition unterscheidet sich die Interpretation von Führung.

Macht, Verantwortung und Kompetenz

Führung geht stets einher mit Macht (über Ressourcen oder Menschen) und mit Verantwortung, die Macht entsprechend des Zweckes einzusetzen. Wird die Macht missbraucht, wird die Führungskraft ihrer Verantwortung nicht mehr gerecht, zum Beispiel durch Einsatz von Gewalt & nicht-einvernehmlicher Herrschaft.

Umgekehrt kann durch die Übernahme von Verantwortung eine Person Macht erwerben und dadurch in eine Führungsrolle gehen. Um die Macht verantwortungsbewusst auszuüben, braucht die Führungskraft die Kompetenzen, um ihre Rolle zweckmäßig auszuführen und die Ziele zu erreichen.

Führungskompetenzen: 4 Rollen & Tätigkeiten einer Führungskraft

In ausreichend komplexen Organisationen gibt es vier Rollen von Führungskräften: Inhaltliche Experten, für Ordnung sorgende Manager, Leader und Coaches / Moderatoren. Je nach Persönlichkeit und Kultur sind die Rollen stärker oder schwächer ausgeprägt. Folgende Tabelle schafft einen Vergleich:

ExperteManagerLeaderCoach
Hat Erfahrung, klärt Fakten,
kennt den Fachbereich.Gibt Ratschläge und Lösungen, bewertet.
Analysiert Situationen, leitet Konsequenzen ab und verbessert Strukturen und Prozesse.

Verteilt Ressourcendelegiert Aufgaben.

Inspiriert, Motiviert, Repräsentiert nach außen, ist Vorbild, steht für das Team ein, stiftet Sinn, richtet aus.

Motiviert die Mitarbeiter, vorgegebene Strategien und Ziele zu erreichen.

Hört zu, Hilfe zur Selbsthilfe, stellt zielführende Fragen,
bewertet nicht, spiegelt & gibt Feedback.Entwickelt gemeinsam mit MA Ziele, vermittelt bei Konflikten.
Führungskompetenz-Führungskraft-Rollen-Führung
Übung zur Selbstreflexion:
1. Welche Rollen hast du bereits gut ausgeprägt?
2. Welche Rollen und Kompetenzen könntest du noch stärker entwickeln?

Wie führe ich meine Mitarbeiter?

Aus der Theorie in die Praxis: im Alltag nützen alle Modelle nur, wenn sie dir dabei helfen, in schwierigen Führungs-Situationen diese Frage nach „Wie führe ich meine Mitarbeiter“ zu beantworten. Es gibt darauf eine einfache Antwort: es gibt keine einfache Antwort. Denn:

Du brauchst immer wieder Präsenz, Klarheit, mit Blick auf die Zukunft eine Antwort finden. Das Ziel ist nicht, jeden Kampf zu gewinnen und dein Ego durchzusetzen, sondern am Ende des Jahres und am Ende des Lebens stolz auf dich selbst zu sein.

Wenn dich Mitarbeiter provozieren, Regeln infrage stellen, sich kindisch oder arrogant verhalten,
testen sie deine Souveränität. Wenn du dann in Kampf, Flucht oder Lähmung verfällst, kommt Stress in die Beziehung, beide Parteien verlieren.

Wenn du es schaffst, klar, herzlich und authentisch zu bleiben,
für die Werte der Organisation einzustehen, wirst du langfristig immer gewinnen – selbst wenn du kurzfristig zurücksteckst.

Tests bestehen mit TTT und liebevoller Präsenz

Menschen testen uns, ob sie uns vertrauen können und bei uns sicher sind.
Unsere Kinder testen uns,
unsere Liebespartner testen uns,
unsere Mitarbeiter testen uns.

Langfristig brauchen die Menschen einfach Liebe und Klarheit, um sich geborgen zu fühlen.
Kurzfristig können sie uns durch Provokation aus der Ruhe bringen oder zu Terroristen werden.
Dann wollen Menschen auch hier auf der Ebene abgeholt werden, auf der sie stehen: auf der Wille-Macht-Kraft-Ebene und sollten spüren, dass wir auch hier souverän bleiben.

Eine einfach Kommunikationstechnik dafür ist TTT.

TTT: Touch-Turn-Talk

Wenn eine Person sich unangemessen verhält und einen wichtigen Prozess unterbricht wie das Alltagsgeschäft oder ein Meeting, kannst du sie mit diesen 3 Schritten wieder auf Linie bringen:

Touch: Sprich das unangemessene Verhalten an,
Beispiel: „Herr Siebert, sie werden beleidigend und verletzen die Regeln. Hören Sie auf damit oder verlassen Sie das Meeting.“

Turn: Umdrehen zum inhaltlich wichtigen Thema.
Beispiel: „Hier gibt es akut eine wichtige Entscheidung für die Zufriedenheit unserer Kunden zu fällen.“

Talk: Weitermachen mit dem eigentlich wichtigen Thema und damit der negativen Haltung den Wind aus den Segeln nehmen.
„Frau Meier hat einen Vorschlag gemacht, über den wir abstimmen können. Gibt es weitere konstruktive Vorschläge, um für unsere Kunden Qualität zu liefern?“

Führungsstile

Der Führungsstil einer Führungskraft hängt ab von folgenden Variablen:

  • Persönlichkeit der Führungskraft
  • Persönlichkeiten der Mitarbeitenden
  • Kompetenzen & Ressourcen
  • Motivation
  • Stimmung
  • Stresslevel
  • Beziehungsqualität zwischen Führungskraft & Mitarbeiter

Autoritäre Führung vs. Laissez faire

Die wichtigste Unterscheidung von Führungsstilen ist, ob sie eher direktiv, autoritär geschieht oder eher locker, liberal, laissez-faire. Kurt Lewin unterteilte als Zwischenstufen noch die kooperative Führung, in der Mitarbeiter in die Entscheidung einbezogen werden, sowie die karitative, partizipative Führung, die sich primär an den Bedürfnissen der Mitarbeiter orientiert, um deren Potential zu entfalten.

Spoiler: Wie oben unterschieden, kommt es natürlich auf die Situation an. Je nach Stress-Level, Beziehungsstabilität, Vertrauen und Kontext sind klare Ansagen hilfreich oder eher eine inspirierende Vision, die der anderen Person viel Raum lässt, selbst einen Weg zum Ziel zu finden.

Transaktionale Führung

Wie das Wort sagt, beruht die Transaktionale Führung darauf, stets einen Gegenwert zu verhandeln – eine Transaktion. Du gibst etwas, du kriegst etwas. Die Mitarbeiterin bekommt ein Gehalt, bezahlten Urlaub, einen Platz in der Organisation und Anerkennung – und gibt dafür ihre Arbeitskraft, Kompetenzen, Motivation, positive Energie etc.

Vorteile: Klarheit, Gerechtigkeit, Sicherheit für beide Seiten.
Nachteile: kann als kalt, einseitig rational wahrgenommen werden.

Transformationale Führung

Hier steht die Beziehung und die menschlichen Faktoren im Fokus. Wenn eine Chefin transformationale Führung praktiziert, orientiert sie sich am Potential der Mitarbeiter und an einem höheren Sinn. Sie befähigt die Mitarbeiter dazu, über sich hinaus zu wachsen. Folgende Funktionen gehören zum transformationalen Führungsstil [1]:

  1. Vorbildfunktion
  2. Zukunftsvision: Schaffe inspirierende Ziele, Bilder und Hoffnungen, die alle anspornen.
    Nützliche Methode: Visionspyramide
  3. Individuelle Unterstützung
  4. Förderung von Gruppenzielen
  5. Intellektuelle Anregung
  6. Hohe Leistungserwartung

Effektive Team-Führung: 5 Prinzipien erfolgreicher Führungskompetenz

  1. Pacing & Leading:

    Verstehe zunächst die Menschen, die du führst, hole sie dort ab und gib der weiteren Entwicklung eine klare Richtung!

    Pacing: Was sind ihre Werte? Welche Sprache und Symbole benutzen sie, um ihre Emotionen auszudrücken? Wie schnell oder langsam öffnen sie sich? Synchronisiere dich zunächst mit diesen Werten, Symbolen und dem Rhythmus.
    Leading: Zeige eine positive Richtung auf, indem du die Sprache der Menschen benutzt, die du führen möchtest. Sorge für Akzeptanz und Vertrauen, indem du ihre Werte respektierst und ausdrückst.

  2. Jeder folgt der passenden Karotte: Führe Menschen anhand ihrer Bedürfnisse

    Keine Führung ohne Folgen. Führung ist leichter zu verstehen und anzuwenden, wenn man nicht danach fragt, was man als Führungsperson alles noch besser machen kann – sondern lieber danach fragt: Was brauchen Menschen, um zu folgen? Für viele Menschen ist

     

    Für viele Menschen ist die Antwort oft relativ einfach: Sicherheit und Anerkennung.

    Sicherheit und Anerkennung sind zwei der wichtigsten menschlichen Bedürfnisse, die durch einen Job befriedigt werden. Sicherheit bedeutet, keine Bestrafungen, Verluste und Gefahren erleiden zu müssen. Das heißt, eine der wichtigsten Strategien für eine Führungskraft sollte sein, die Mitarbeiter nicht davon abzuhalten, den Job zu machen, für den sie sich entschieden haben, um Sicherheit

    Eine gute Übersicht bietet dies Maslowsche-Bedürfnispyramide: sie sortiert die menschlichen Bedürfnisse hierarchisch – erst wenn die unteren Bedürfnisse erfüllt sind, kommen die oberen zutage.

  3. Präsenz:

    Egal, was kommt, sei präsent für die Menschen, die du führen möchtest.
    Präsenz geschieht nonverbal und Menschen spüren unbewusst, ob ein anderer Mensch geistig und emotional präsent ist oder nicht. Deine eigene Präsenz kannst du am besten über Körperwahrnehmung, Selbstregulation und Beziehungskompetenz beeinflussen (vgl. Trauma-Integration). Wenn du deinen Körper und Emotionen klar spüren kannst und den Kontakt zu deinem Gegenüber, dann kannst du für die andere Person präsent sein. Präsenz signalisiert deinem Gegenüber Wertschätzung, Sicherheit und Vertrauen. Damit steigt die Chance, dass die andere Person sich von dir führen lässt.

  4. Bestücke deinen Ärmel mit Assen!

    »Um ein Ass aus dem Ärmel zu zaubern, musst du zuerst ein As in den Ärmel stecken.«
    Lege dir also für schwierige Situationen möglichst vielseitige Verhaltengsmöglichkeiten fest.
    Dies geht natürlich nicht einfach spontan, sondern nur durch viel Übung und Vorbereitung.
    Ein Coaching für Führungskräfte kann helfen, die bisherigen Verhaltensmuster zu analysieren und sie durch weitere Möglichkeiten zu bereichern!
    Bist du bisher eher ein cholerischer Kontroll-Freak? Dann lerne das Gegenteil zu sein!
    Bist du immer der nette Kumpel? Dann zeig mal Zähne.
    In jedem Fall gilt: Hier ist ein Gefühl für den Einzelnen und Kreativität gefragt!
    Übe mit deinem Coach oder mit einem Sparring-Partner schwierige Situation und lerne durch diese Simulationen, nicht in automatische Reaktionen zu verfallen, sondern stets ein Palette an harten, weichen, lustigen und ernsten Führungskompetenzen parat zu haben!

    Methoden: 3-2-1 Konfliktperspektiven, GfK, TTT (siehe oben), Coaching Methoden, Teamentwicklung Methoden

  5. Be the change you want to see in the world!

    Gandhi forderte Gewaltlosigkeit gegenüber seinem Volk und lebte diese.
    Andere Menschen können Mut bewundern und dir dafür folgen, wenn du ihn als Vorbild vorlebst.

 

Führung mit Humor: „How to start a Movement?“

Tiefer Einsteigen

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Quellen:

[1] Podsakoff, P. M., MacKenzie, S. B., Moorman, R. H., & Fetter, R. (1990): Transformational leader behaviors and their effects on followers’ trust in leader, satisfaction, and organizational citizenship behaviors. Leadership Quarterly, 1, 107–142.

[2] The Art of Leadership, Karl Hosang (2021), zur Webseite