Das wichtigste zu »Schnelles Denken, langsames Denken« (Kahnemann)

Der Psychologie Daniel Kahneman hat das Konzept der „System 1“ und „System 2“ Denkprozesse in seinem Buch „Thinking, Fast and Slow“ zusammengefasst, auf deutsch: Schnelles Denken, langsames Denken [1]. Für seine Arbeiten erhielt er 2002 den Wirtschaftsnobelpreis (für Psychologie gibt es keinen Nobelpreis und Ökonomie ist letztlich angewandte Psychologie).

System 1, System 2

System 1 Denkprozess wird als automatisch, intuitiv und emotional beschrieben. Es ist schnell und erfordert keine Anstrengung. Es ist für die Verarbeitung von einfachen und häufig wiederkehrenden Aufgaben verantwortlich, wie z.B. das Erkennen von Gesichtern oder das Fahren auf einer vertrauten Strecke.

System 2 Denkprozess hingegen wird als langsam, bewusst und analytisch beschrieben. Es erfordert Anstrengung und ist für die Verarbeitung von komplexen und ungewohnten Aufgaben verantwortlich, wie z.B. das Lösen von Mathematischen Problemen oder das Verstehen von komplexen Texten.

Kahneman argumentiert, dass Menschen tendenziell ihre Entscheidungen auf Basis des System 1 Denkens treffen, da es schneller und einfacher ist, aber dass es wichtig ist, das System 2 Denken aktiv einzusetzen, um sicherzustellen, dass Entscheidungen rational und gut informiert sind.

System 1 und System 2 im Gehirn

Vereinfacht kann man sagen, dass System 1 und 2 in folgenden Gehirnregionen beheimatet sind (unter Beachtung, dass das das Gehirn so kompliziert ist, dass nie nur eine Region für nur eine Funktion zuständig ist, sondern immer ein komplexes Wechselspiel im ganzen Gehirn bedeutet):

  1. Das limbische System, bestehend aus dem Hippocampus, dem Amygdala und dem Nucleus accumbens, wird als Teil des System 1 Denkprozesses betrachtet, da es für die Verarbeitung von emotionalen Reaktionen und die Speicherung von Erinnerungen verantwortlich ist. Das Stammhirn ist für die Kontrolle von Instinkten und automatischen Körperfunktionen verantwortlich und löst damit schnelle, intuitiven Handlungen aus.
  2. Der präfrontale Kortex, eine große Region des Gehirns, die die Vorderseite des Stirnhirns umfasst, wird oft als Teil des System 2 Denkprozesses betrachtet, da es für komplexe mentale Aufgaben wie Planung, Entscheidungsfindung und kognitive Kontrolle verantwortlich ist.

3-gliedriges gehirn - mensch - tier - system 1 2 - kahnemann - reiter elefant

Hinweis:  von System 1 und System 2 nicht als strikte Trennung der Funktionen im Gehirn betrachtet werden sollte, sondern als eine Metapher, die die Unterschiede zwischen schnellem, intuitiven Denken und langsamem, bewusstem Denken veranschaulicht.

 

Reiter und Elefant

Eine weitere Metapher ist die vom Reiter und Elefanten, die insbesondere für Management und Führung im Organisations- und Gruppenkontext hilfreich ist. Denn für die Personen, die Führungsverantwortung übernehmen – und sowohl für sich selbst als auch für die Personen um sie herum

  1. rationale Entscheidungen herbeiführen als auch
  2. unbewusste Anteile regulieren.

Menschliche Systeme verändern Elefanten reiten - Veränderung gestalten - System Change

Mehr dazu im Artikel »Veränderung gestalten«.

 

Der Mensch als Tier

Den instinktiven, unbewussten Teil des Menschen kann man auch reduzieren auf „das Tier in uns“. Wir Menschen sind Säugetieren und können als Primaten, also Menschenaffen klassifiziert werden. Damit tragen wir auch das Nervensystem eines Säugetier mit uns, welches nicht nur weise und liebevoll ist, sondern eben auch viele weniger schmeichelhafte Anteile hat: Angst, Gier, Sexualdrang…

Für die persönliche Entwicklung ist es hilfreich, sich dieser Anteile bewusst zu werden und sie liebevoll in unser Leben zu integrieren. Es gibt immer kreative Möglichkeiten, auch die animalischen Instinkte auszuleben, ohne sich oder anderen damit zu schaden.

Stressreaktion

Das Nervensystem hat instinktive Reaktionen auf Angst & Stress, und zwar: Fight, Flight & Freeze. Auf deutsch

  • Kampf,
  • Flucht,
  • Erstarren.

Auch wenn es nach außen hin nicht sichtbar ist, kann darüber viel Energie in unserem Nervensystem blockiert sein damit, diese Stressreaktion zu verarbeiten.  Durch Traumatisierungen kann, vereinfacht gesagt, die dahinter liegende Energie dauerhaft im Nervensystem blockiert sein nach dem Modell der Polyvagaltheorie.

Mehr zu den psychologischen Modellen rund um das menschliche System:

 

 

[1] Kahneman, Daniel. Schnelles denken, langsames Denken. Siedler Verlag, 2012.

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Schnelles_Denken,_langsames_Denken