Veränderung gestalten

Wie kann man Veränderung gestalten?

Persönliche Transformation kann mit der Metapher vom Reiter und vom Elefanten beschrieben werden. Der Reiter steht hierbei für das sprachlich-rationale, bewusste Ich und der Elefant für die vorsprachlich-emotionalen, unbewussten Anteile. Wenn sich Menschen verändern möchten, müssen Reiter und Elefant zusammenarbeiten.

Das heißt, das Bewusste und das Unbewusste dürfen sich nicht im Konflikt miteinander befinden. Warum? Stelle dir einmal vor, der Reiter möchte in die eine Richtung, der Elefant aber in eine andere. Der Reiter ist dem Elefanten in jedem Fall unterlegen. Er kann ihn nicht dazu zwingen, in eine bestimmte Richtung zu gehen, sondern er muss darauf setzen, gemeinsam den Weg zu beschreiten. Dafür muss er geschickt agieren und kommunizieren.

„Das Herz hat Gründe, die der Verstand nicht kennt.“ – Blaise Pascal

Das Unbewusste ist eine eigenständige Intelligenz, die unabhängig vom rationalen Verstand funktioniert. was wir allnächtlich in unseren Träumen erfahren können. Das Unbewusste ist nach westlicher Psychologie ein Resultat aus frühesten Erfahrungen aus unserer menschlichen Biologie und den Prägungen in unserer Kindheit, sowie aus kollektiven Archetypen, die man in der ganzen Menschheit vorfinden kann. Die große Bedeutung des Unbewussten, und dass das „Ich nicht Herr im eigenen Hause ist“, ist von der Neurobiologie vielfach bestätigt worden.[1] Der weitaus größte Teil der Gehirnprozesse läuft unbewusst ab. Das heißt natürlich nicht, dass der Reiter gar keinen Einfluss hat, aber er muss wissen, wie er mit dem Elefanten umgehen muss, sodass er sein Ziel wirklich erreichen kann.

Dieser Artikel zeigt dir eine Reihe an Möglichkeiten, wie du jegliche Veränderung, die du dir wünscht, wirkungsvoll unterstützen kannst.

Welche Wege gibt es, das Unbewusste anzusprechen?

Grundsätzlich gibt es zwei Wege, sich persönlich zu verändern: Entweder ich beseitige meine Blockaden, oder ich verstärke das Positive.

Blockaden auflösen

Blockaden zu aufzulösen ist der problemorientierte, eher tiefenpsychologisch-therapeutische Ansatz, der von hoher Bedeutung ist, um traumatische Erfahrungen und deren Einfluss auf die Gegenwart zu erkennen und zu lösen. Das sind langwierige Prozesse, die von erfahrenen Therapeut*innen begleitet werden sollten. Wir helfen dem Elefanten sozusagen, indem wir Hindernisse auf dem Weg beseitigen und indem wir ihm Zeit geben, sich zu kräftigen und die nötigen Ressourcen für die Reise zu entwickeln.

Ein wichtiger Ansatz in der Beseitigung von Blockaden besteht in körperorientierten Verfahren wie zum Beispiel Somatic Experiencing. Die Hauptaufgabe unbewusster neurologischer Prozesse besteht darin, die Lebensfähigkeit des Organismus sicherzustellen. Darum gibt es eine enge Verbindung zwischen dem Unbewussten und dem Körper. Mit dem Körper zu arbeiten kann daher auch auf seelischer Ebene befreiend wirken.

Das Positive verstärken

Andere Verfahren sind eher lösungsorientiert und versuchen, die bereits bestehenden Ressourcen zu aktivieren, um Veränderung zu bewirken. Das Unbewusste lässt sich über Emotionen und Bilder, sowie über Umweltfaktoren und Rituale sehr gut ansprechen. Ziel dieser Verfahren ist es nicht, mein Problem herauszufinden, sondern nur herauszufinden, wie ich die gewünschte Veränderung effizient und nachhaltig herbeiführen kann.

Ein Beispiel: die Wunderfrage

Die Wunderfrage ist eine Fragetechnik aus der systemischen Therapie und Beratung. Fragen generell sind generell ein besonders schönes Mittel, um das Unbewusste zu aktivieren. Denn wenn ich im Gespräch eine Frage stelle, wird nicht nur der bewusste Teil meines Gegenübers aktiviert, sondern ebenso der unbewusste. Bei der Wunderfrage wird das ganz besonders deutlich. Angenommen eine Klientin kommt in das Coaching und hat ein Problem, das sich einfach nicht lösen möchte, und welches sie immer wieder beschäftigt – z.B. dass sie sich von ihrem Freund getrennt hat und immer wieder stark ins Grübeln gerät und in depressive Verstimmungen. Die Beraterin könnte jetzt fragen: „Stellen Sie sich vor, sie gehen heute abend ins Bett und über Nacht geschieht ein Wunder, und sie wachen auf und ihr Problem ist gelöst. Woran würden Sie merken, dass das Wunder passiert ist?“

Auf diese Frage hin wird die Fantasie der Klientin angeregt und das Unbewusste generiert wie von selbst ein Idealbild, wie das seelische Befinden aussehen könnte. Dadurch kann man ein Zielbild entwickeln und sogar noch spezifischer: Kriterien für eine erfolgreiche Veränderung. Denn die Frage lautet: Woran merken Sie, dass das Wunder geschehen ist? Hier wird es schon ganz konkret: „Ich wache erfrischt auf, trinke meinen Kaffee und bin motiviert. Ich muss nicht mehr an ihn denken, und dadurch fällt eine Last von meinen Schultern. Ich kann mich wieder meinem Leben widmen in Alltag, Beruf und ich kann auch auf neue Menschen zugehen …“

Das Umfeld aktivieren

Es gibt mehrere Wege, das Umfeld zu aktivieren:

  • Kleine Veränderungen in meiner Umwelt können große Wirkungen zeitigen. Beispiel: möchte ich zum Beispiel mehr und regelmäßig Zahnseide benutzen kann es helfen, die Zahnseide möglichst gut sichtbar rauszulegen und das erhöht die Wahrscheinlichkeit signifikant, als wenn ich erst noch im Schrank danach suchen müsste
  • Unterstützernetzwerk: Niemand ist eine Insel. Egal, welche Veränderung ich mir wünsche, die Menschen im unmittelbaren und mittelbaren Umfeld sind extrem wichtig, um diese Ziele zu erreichen. So kann ich bewusst daran arbeiten, ein Unterstützernetzwerk zu aktivieren und/oder aufzubauen. Wenn die sozialen Kontakte im Veränderungsprozess wirklich zur Seite stehen, ist er fast nicht mehr aufzuhalten!
  • Rituale schaffen: Oft hängen Veränderungsprozesse mit der Etablierung von neuen Verhaltensweisen und Gewohnheiten zusammen. Gestaltest du deine Umwelt bewusst mit Ritualen gibt das Verlässlichkeit und macht Veränderungen nachhaltig. Ich höre zum konzentrierten Arbeiten beispielsweise immer eine ganz bestimmte Musik. Dadurch, dass ich diese Musik mit Konzentration assoziiere fällt es mir 1. leichter schnell viel zu schaffen und 2. kann ich diese Musik auch benutzen, mich zu aktivieren, auch wenn ich mich gerade nicht so konzentriert fühle.

Natürlich gibt es unzählig viele Möglichkeiten, Veränderung zu gestalten. Nicht auf alle kann ich hier eingehen. Wichtig ist vor allem, die Beziehung von bewusstem Ich und unbewussten Selbst zu verstehen, um dann einen gemeinsam Rhythmus zu finden, der für beide psychischen Instanzen funktioniert und sich gut anfühlt. Am Ende des Artikels findest du noch eine Top-Ten-Liste an Methoden, falls du mehr darüber erfahren möchtest.

Veränderung gestalten – Methoden – Top 10

  1. Design Thinking ist ein mächtiger Ansatz für Mensch-zentrierte Entwicklungsprozesse und damit für Innovation und Veränderungen jeder Art.
    Hier kannst du mehr dazu erfahren:

    1. Organisationsentwicklung mit Design Thinking
    2. Design Thinking lernen [Train-the-Trainer]
    3. Design Thinking Video-Kurs
    4. Überblick Design Thinking: Prozess, Methoden, Techniken
    5. Methodik-Training Systemisches Design Thinking – Design Thinking als OE Methode
  2. Theory U ist eine weniger methodische, aber ganzheitliche Interpretation von Design Thinking, mit einem explizit systemischen Ansatz und eher spirituellen Ausrichtung. Es ist damit ein ästhetischer Ansatz, wenn du Veränderungen gestalten möchtest.
  3. Visionspyramide: Gestalte den Querschnitt eines menschlichen Systems – damit hast du eine gute Navigations-Grundlage für die Gestaltung von Veränderungsprozessen.
    Zum Artikel: Visionspyramide: 4 Ebenen eines klaren menschlichen Systems
  4. Stakeholder Map zur Analyse der wichtigsten Akteure
  5. Spiral Dynamics als Landkarte für die Evolution von menschlichen Systemen. Reinventing Organizations als konkrete Anwendung von Spiral Dynamics auf Unternehmen.
  6. Systemische Aufstellung für Individuen, Familien, Unternehmen & Organisationen
  7. Teamentwicklung, speziell Flow Teams zur Entwicklung der Organisationseinheiten
  8. Effectuation, was vereinfacht bedeutet, die bereits vorhandenen Ressourcen so effektiv wie möglich zu nutzen. Mehr dazu unter Innovationsmethoden.
  9. Die 8 Phasen des Veränderungsprozesses nach John P. Kotter sind eine nette Komposition anderer Techniken
    1. Gefühl der Dringlichkeit vermitteln
    2. Führungskoalition aufbauen (mehr zu Führungskompetenz)
    3. Vision und Strategie entwickeln
    4. Vision kommunizieren (mehr zu Storytelling)
    5. Hindernisse aus dem Weg räumen (Charisma, Kreativität oder Gewalt? – probiers im Zweifelsfall mit Kreativitätstechniken)
    6. Kurzfristige Erfolge sichtbar machen
    7. Veränderung weiter antreiben, nicht nachlassen (mehr zu iterativen Methoden)
    8. Veränderungen in der (Unternehmens-)Kultur verankern (untere Ebenen der Visionspyramide)
  10. 3-Phasen-Modell nach Kurt Lewin ist eine oft zitierte Standardmethode für Change Management, die allerdings nicht sonderlich konkret definiert ist und daher kaum mit obigen Modellen wie Design Thinking, Theory U oder den Kotter-Phasen mithalten kann. Der Grundschritt der 3 Phasen: 1. Unfreeze – 2. Move – 3. (Re)-Freeze

Weiterer Ansatz: Tipping Points – neuralgische Punkte

Tipping Points heißen im Deutschen auch Kipppunkte oder Umkipp-Punkte und bezeichnen abstrakt die Punkte und Momente, die einen abrupten Dynamik-Wechsel herbeiführen können.

[1] Wie das Gehirn die Seele macht. Roth, Strüber. S. 200.


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