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Beziehungskompetenz – 3 Wege für erfolgreiche menschliche Verbindung

Wie funktioniert Beziehungskompetenz? 3 Stufen, um erfolgreich Beziehungen zu führen.

1. In Kontakt gehenEisberg Modell - Beziehungskompetenz - Beratung

Stell dir das Gegenteil vor: Menschen laufen blind, in Gedanken verloren aneinander vorbei.
Mikroskopisch bedeutet Beziehungskompetenz, miteinander in Kontakt zu treten: das Gegenüber wahrnehmen und sich wahrnehmen lassen.

Das klarste Beispiel für diesen Kontakt ist die Mutter-Kleinkind-Beziehung: für Kinder ist es lebensnotwendig, dass sie umsorgt werden.
Dabei ist die Mutter bzw. die primäre Bezugsperson:

  • stetig präsent,
  • spiegelt die Mimik des Kindes,
  • nimmt die Bedürfnisse des Kindes wahr und geht auf sie ein.

Diese primäre Bindungserfahrung prägt das Beziehungsverhalten eines Menschen für den Rest des Lebens. Lücken darin können Schwierigkeiten für den Menschen, seine Arbeit, seine Umwelt mit sich bringen. Werden dauerhaft die Bedürfnisse des Kindes nicht erfüllt, entstehen Bindungstraumata. Die Beziehungsqualität der Eltern mit dem Kind prägt daher sogar den wirtschaftlichen Erfolg einer Gesellschaft.

Beziehungskompetenz: Ebenen des menschlichen Kontakts

Das Bild mit dem gelben Eisberg zeigt die verschiedenen Ebenen menschlichen Verhaltens auf:

  1. Verhalten
  2. Gedanken
  3. Gefühle
  4. Bedürfnisse

Bedürfnisse sind quasi die Quellen der anderen Ebenen: ein unerfülltes Bedürfnis nach Nähe führt zu negativen Emotionen wie Trauer, sich darum kreisenden Gedanken und Verhaltensweisen, die dieses ungestillte Bedürfnis befriedigen sollen. Die Maslow’sche Bedürfnispyramide gibt einen Überblick über menschliche Bedürfnisse.

Beziehung kann auf diesen 4 Ebenen stattfinden: Vielleicht koordinieren wir „nur“ unser Verhalten in einer Arbeitsbeziehung, oder wir kommunizieren in Beziehung auch über unsere Bedürfnisse & Emotionen und ermöglichen damit dem Gegenüber ein gutes Verständnis darüber, was mit uns passiert.

Eine Methode dafür ist die Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg.

2. Kontakt halten

Wenn der Kontakt grundsätzlich hergestellt werden kann, ist er noch nicht über längere Zeit hinweg gesichert. Stets tauchen Störungen und Unterbrechungen auf, Stress hält vom achtsamen Kontakt ab. Die zweite wichtige Kompetenz besteht also darin, den Kontakt über dynamische Zeiten hinweg zu halten.

Herausforderungen, den Kontakt mit anderen Menschen zu halten:

  • Halten von verschiedenen Beziehungen, die sich eventuell auch gegenseitig in Frage stellen (Schwiegervater hat einen Konflikt mit dem Ehepartner)
  • unterschiedliche Erwartungen abgleichen –> langfristiges Vertrauen schaffen durch klare Vereinbarungen
  • Bedürfnisse einer Person verändern sich im Laufe der Zeit
  • in einer Gruppe: Termine koordinieren, verschiedene Erwartungen und Bedürfnisse vereinbaren
  • Stress: die Aufmerksamkeit ist damit beschäftigt, den Stress zu verarbeiten und hat wenig Raum für das menschliche Gegenüber

3. Entwicklung ermöglichen & führen

Kann der Kontakt aufgenommen und gehalten werden mit einer anderen Person, entwickelt sich Vertrauen und Sicherheit. Dies ist die Grundlage für eine gemeinsame Entwicklung. Nun spielt das Thema Führung eine Rolle: das heißt, das gezielte Herbeiführen eines gewünschten Zustands in der Zukunft für die involvierten Personen. Je stärker die Beziehung, desto leichter kann die gemeinsame Entwicklung stattfinden. So wurde z.B. in der Hattie-Studie festgestellt, dass die Beziehungsqualität ein sehr ausschlaggebender Faktor für Lernerfolg ist. Ebenso für Psychotherapie & Coaching gilt die Beziehung zwischen Therapeut & Klient als erfolgsentscheidend.

Dabei spielen folgende Prozesse & Kompetenzen eine Rolle bei der Herbeiführung einer Entwicklung in Beziehung mit anderen Menschen:

  • Erwartungen abgleichen
  • Sicherheit & Ruhe vermitteln
  • Ziele vereinbaren,
  • Vereinbarungen treffen
  • Gespräche führen
  • Entwicklungsschritte definieren
  • Entwicklung reflektieren
  • Kurs anpassen

Daraus ergibt sich ein Entwicklungsprozess. Die genannten Kompetenzen sind sehr bedeutsam in allen Tätigkeiten mit Führungsverantwortung und so z.B. für Moderation, Facilitation, Mitarbeiterführung, und Pädagogik.

Warum ist Beziehungskompetenz eine der wichtigsten Kompetenzen für das 21. Jahrhundert? 6 Gründe

  1. Die Komplexität unserer Gesellschaft steigt: viele Verbindungen, schneller Informations-Austausch. Wir brauchen Fähigkeiten, um diese zu verarbeiten und für sinnvolle Zwecke zu nutzen. Alleine geraten wir eher in Überforderung, durch gesunde Beziehungen kann sich Harmonie einstellen.
  2. Globale Herausforderungen & Probleme brauchen Menschen, die aus kollektiven Krisen kollektive Erfolge machen. Dabei sollten wir möglichst viele Menschen mitnehmen, nicht übergehen.
  3. Vermeiden von Re-Traumatisierungen: Jede Verletzung der Bedürfnisse eines Menschen führt zu einem kleinen Trauma: es braucht Menschen mit der Fähigkeit, Entwicklungsprozesse zu führen und dabei die Bedürfnisse der Menschen zu respektieren und zu integrieren, d.h. achtsam in Beziehung zu gehen.
  4. Frieden durch Dialog: Viele Menschen auf der Erde können viele Konflikte haben. Frieden entsteht durch einen  achtsamen & mitfühlenden Dialog.
  5. Jobs der Zukunft: Durch die Automatisierung werden monotone Jobs  digitalisiert, Arbeit mit Menschen (8 Milliarden, Tendenz steigend!) wird wichtiger denn je. Menschen brauchen Menschen für ihre gesunde Entwicklung.
  6. Kreative Lösung von Spannungen: auch inhaltlichen Ebene brauchen Veränderungsprozesse stabile menschliche Beziehungen. Die Profession dahinter heißt Facilitation: ein ganzheitliches Herbeiführen von gemeinsamen Entscheidungen, Kreativität, Synergien, Symbiosen, Win-Win-Situationen.

Vergleich: Beziehungskompetenz & 21st Century Skills

Beziehungskompetenz ist zwar nicht direkt erwähnt in den 21st Century Skills, steckt aber indirekt in den Meta-Kompetenzen „Lernkompetenz“ und „Lebenskompetenz“ drin, genauer in:

  1. Zusammenarbeit: Die Grundlage für erfolgreiche Zusammenarbeit ist Vertrauen und der Aufbau einer verlässlichen professionellen Beziehung.
  2. Kommunikation: Zwar kann Kommunikation auch ohne eine direkte menschliche Beziehung funktionieren – aber sobald zwei Menschen miteinander kommunizieren, entsteht auch eine Beziehungsebene, in der die Worte des Gegenübers stets auch auf dieser Ebene mitgehört werden (vgl. 4-Ohren-Modell).
  3. Führung: Erfolgreiches Führen von Menschen funktioniert über Pacing & Leading: Hol die Menschen da ab, wo sie stehen, nimm den Rhythmus und die Sprache der Menschen wahr und führe sie dann in ihrem Tempo weiter. Auch hier ist Vertrauen und Sicherheit die Grundlage für eine Beziehung, in der Führung stattfinden kann.
  4. Soziale Fähigkeiten: socius (lat.) ist der Gefährte. Soziale Wesen bauen Beziehungen zueinander auf. Ob sie miteinander erfolgreich sind, hängt von der Qualität ihrer Beziehungen ab.

21st Century Skills - Schulentwicklungs-Trends