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Growth Mindset – 4 Schritte zur gesunden Selbstwirksamkeit

Ursprünglich wollte Prof. Carol Dweck Bewältigungsstrategien („Coping“) für das Scheitern erforschen. Wie gehen Menschen mit Aufgaben um, die für sie zu schwer sind? Dweck glaubte damals, entweder gibt es einen Umgang mit Scheitern oder keinen.

Als sie aber kleinen Kindern im Rahmen ihrer Forschung Puzzles gab, die zunächst ziemlich einfach waren, dann aber immer schwerer wurden, entdeckte sie, dass es Kinder gab, die besonders hervorragten. Diese Kinder äußerten angesichts des zu schweren Puzzles Sätze wie: „Ich liebe Herausforderungen“, oder „Ich habe gehofft, dass ich was dazulerne“. Es gab offensichtlich Kinder, für die Scheitern nichts Schlimmes war, sondern im Gegenteil – eine Gelegenheit zu wachsen. [1]

Growth Mindset und Fixed Mindset

Das führte Dweck zur Entdeckung von zwei grundlegenden Mindsets, die das Verhalten auf fundamentaler Ebene bestimmen: das Growth Mindset und das Fixed Mindset. Was bedeuten diese Begriffe? Carol Dweck definiert das Fixed Mindset folgendermaßen (meine Übersetzung):

„Zu glauben, dass die eigenen Eigenschaften in Stein gemeißelt sind – das fixierte Mindset – erzeugt das dringliche Bedürfnis, sich immer und immer wieder selbst zu beweisen. Wenn Sie nur einen bestimmten Intelligenzgrad, eine bestimmte Persönlichkeit und einen bestimmten moralischen Charakter haben – dann beweisen Sie besser, dass Sie ein gesundes Maß von all diesen Eigenschaften auch wirklich haben. Es funktioniert einfach nicht, sich in diesen grundlegendsten Charakteristiken mangelhaft zu zeigen oder zu fühlen.“

Das fixierte Mindset besteht also in der Überzeugung, dass Intelligenz etwas statisches ist. Nur ein bestimmtes Maß an Intelligenz wurde einem mitgegeben. Häufig entsteht eine solche Eisntellung schon früh in der Kindheit, wenn die Eltern dazu tendieren, das Kind übermäßig für seine außergewöhnliche Intelligenz und Begabung zu loben. Dann glaubt das Kind, schon ein gewisses Maß an Intelligenz zu haben, über das es nicht mehr hinauskommt. Kommen dann im Laufe des Aufwachsens Herausforderungen auf ein solches fixiertes Mindset zu, ist die Wahrscheinlichkeit für Frustration und in der Folge auch Depression und Erfolglosigkeit höher, als für das Growth Mindset.

„Das Wachstums-Mindset basiert auf dem Glauben, dass die grundlegenden Eigenschaften Dinge sind, die man durch Fleiß kultivieren kann. Obgleich Leute sich in allen möglichen Bereichen voneinander unterscheiden – in ihren Talenten und Begabungen, Neigungen, oder Temperamenten – jeder kann sich durch Einsatz und Übung ändern und weiterentwickeln.“

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Mindsets in der Forschung

Carol Dweck ist augenblicklich Professorin für Psychologie an der Universität Stanford und forscht seit über 30 Jahren zu diesem Thema und hat daher eine Reihe von Studien, hauptsächlich im Bildungssektor, konzipiert und durchgeführt. So zeigte sie zum Beispiel Fünftklässlern einen Pappkarton und sagte ihnen, darin befände sich ein Test, der eine wichtige schulische Fähigkeit messen würde. Zunächst stellte sie sicher, dass alle ihr glaubten.

Danach fragte sie, ob sie denken, dass der Test misst, wie intelligent sie sind und ob der Test messen kann, wie intelligent sie als Erwachsene sind. Diejenigen mit dem fixierten Mindset tendierten dazu, zu glauben, dass dieser Test ihre Intelligenz misst und darüber hinaus sogar ihre Intelligenz als Erwachsene! Sie gaben dem Test deutlich mehr Macht über ihre Identiät als diejenigen mit dem Growth Mindset: sie glaubten zwar, dass der Test eine wichtige Fähigkeit misst, aber nicht, wie intelligent sie sind und schon gar nicht als Erwachsene.

Die Reise zum Wachstums-Mindset

Bei der Arbeit mit Mindsets geht es hauptsächlich um Glaubenssätze. Wenn Sie sich Erinnerungen an Erfolglosigkeit und Scheitern ins Gedächtnis rufen, wie haben Sie da reagiert? Haben Sie sich damals innerlich gesagt „Ich bin ein Idiot“, „Warum passiert mir immer so was?“, „Alle anderen sind besser als ich“, „Ich werde vom Pech verfolgt und werde niemals Erfolg haben“ und ähnliches, oder sind Sie besonnen mit der Situation umgegangen und haben sie als Anlass genommen, die Gründe des Scheiterns genau zu analysieren, um daraus zu lernen?

Der Umgang mit dem Scheitern im Leben ist essenziell. Hier gibt es eine interessante Parallele in der Beschreibung von Dweck zu der von Professor Martin Seligman, dem Begründer der positiven Psychologie: für Pessimisten (vergleichbar mit dem fixierten Mindset) ist ein Rückschlag permanent, universal und intern, wohingegen ein Rückschlag für einen Optimisten (Wachstums-Mindset) temporär, speziell und extern ist.

Wie kann ich mein Mindset verändern in Richtung Growth Mindset?

Prof. Carol Dweck schlägt folgende Vorgehensweise vor:

1. Das fixierte Mindset akzeptieren

Für Dweck ist es klar, dass wir alle verschiedene Anteile haben und eine Mixtur aus fixiertem und Wachstums-Mindset sind. Deswegen ist es normal, auch ein fixiertes Mindset zu haben. Dieses sollten wir erstmal akzeptieren, denn es hat die Aufgabe, unser Selbstwertgefühl zu beschützen. Erst wenn wir vollständig akzeptieren, dass wir dieses Mindset haben, können wir uns …

2. Trigger-Punkte bewusst machen

Hier geht es darum, sich den inneren Kritiker bewusst zu machen, der einen beim Gedanken an eine neue Herausforderung glauben lässt, dass man die nötigen Eigenschaften gar nicht besäße. Es ist diese Stimme, die sagt, dass man es von vornherein lieber lassen bzw. aufgeben sollte, und man sich lieber etwas leichteres sucht. Oder wie ist es mit Menschen, die im selben Bereich tätig sind wie man selbst, darin aber viel besser sind. Was lösen solche Menschen bei Ihnen aus? Bewunderung und Wertschätzung oder doch eher Neid und Groll? Wie steht es mit Situationen, in denen Sie sich unter Druck befinden? Was ist mit Prokrastination und der Angst davor, sich zu bemühen?

3. Dem fixierten Mindset einen Namen geben

Ja, Sie haben richtig gehört. Wenn sie sich die Trigger-Punkte bewusst gemacht haben, können sie dieser Subpersönlichkeit bzw. Persona einen Namen geben, um sich von ihr zu distanzieren. Mein fixiertes Mindset bringt mich zum Beispiel dazu, mich in Prokrastination, Defätismus und Abwertungen zu ergehen und mich in eine Art inneren Panzer zurückzuziehen, in dem ich mich sicher fühle. Ich befinde mich dann in einer melancholischen und fast nihilistischen Stimmung und erkenne keinen Sinn mehr in meinem Leben. Vielleicht könnte man diese Persona mit dem Gedanken an Schopenhauer Arthur nennen.

4. Das Growth Mindset entwickeln

Schließlich führt kein Weg daran vorbei, sich in verschiedenen Situationen selbst zu prüfen und sich das fixierte Mindset immer wieder bewusst zu machen und zu überlegen, wie man anders agieren könnte. Das ist natürlich selbst ein Wachstumsprozess, an dem man mit dem Wachstums-Mindset herangehen sollte. Dwecks Forschungen zeigen aber, dass schon ein Workshop mit acht Sitzungen reicht, um die Einstellung nachweislich und langfristig zum Positiven zu verändern. Es ist also eine Entscheidung, die man trifft und wenn sie einmal getroffen ist, verändert sie das ganze Leben.

[1] Carol Dweck: Mindset. Changing The Way You think To Fulfil Your Potential.