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Flow

Als der amerikanische Psychologieprofessor mit europäischen Wurzeln, Mihály Csíkszentmihályi, das Prinzip des Flow postulierte, begannen weltweit Unternehmen, Spitzensportler und Künstler das Verhältnis von Leistungsdruck versus Lustempfindung neu zu überdenken. Denn in diesem Zustand der völligen Vertiefung in eine Aufgabe wird die Umgebung ebenso ausgeblendet, wie die Eigenwahrnehmung. Im Schaffensrausch entsteht ein Glücksgefühl, das nichts anderes möchte, als diesen Flow-Zustand beizubehalten. Hier, wo Überforderung und Langeweile gleich weit vom Akteur entfernt sind, wird Leistung zum Selbstzweck. Nicht das Ziel steht im Vordergrund, sondern der aktuelle Moment auf dem Weg dorthin.
Csíkszentmihályi hat diesen Zustand ebensowenig erfunden, wie andere vor ihm, denn er ist im menschlichen Gehirn vorgesehen. Das hier entstehende Glücksgefühl wird unter anderem durch die Ausschüttung von Endorphinen und Dopaminen hervorgerufen, die Gehirnwellen bewegen sich im entspannten Frequenzbereich zwischen Alpha- und Theta-Wellen. Einen Menschen, der sich selbst leicht in diesen Zustand versetzen kann, bezeichnet Csíkszentmihályi als autotelische Persönlichkeit. Autotelie ist die Fähigkeit, eine Tätigkeit als innere Bereicherung zu empfinden und sie so zum lustvollen Selbstzweck werden zu lassen. Die gute Nachricht: So gut wie alles, was wir tun, kann zu einem Flow-Erlebnis werden.

Auf dem Weg zum Flow

Während kleine Kinder, im Spiel versunken, ganz leicht in diesen Zustand geraten, wird es beim Lernen für die Schule bereits kritisch. Druck und Freiheitsbeschränkung erzielen nämlich das genaue Gegenteil. Die Freude an der Aufgabe bleibt auf der Strecke, denn wer sich einem eng gefassten Regelwerk unterwerfen muss, verliert seine natürliche Anlage zur Selbstwirksamkeit. Die menschliche Kreativität ist durchaus imstande, gezielten Einfluss auf die Entwicklungen des Lebens zu nehmen. Dass dies auch dazu führen kann, überholte Ordnungen aufzubrechen und in Eigenverantwortung zu handeln, scheint in herrschenden Strukturen ein gewissen Unwohlsein zu erzeugen. Zukunftsorientierte Unternehmen allerdings haben längst erkannt, dass die Produktivität ihrer Mitarbeiter enorm gesteigert werden kann, und zwar durch:

So wurden Hierarchien erfolgreich aufgelöst und durch Formen kollegialer Führung ersetzt (mehr dazu unter Reinventing Organizations). Umfassende Beratung in dieser Richtung verhalf diesen Unternehmen nicht nur zu gesteigerter Produktivität, sondern förderte damit auch die Persönlichkeitsentwicklung der Mitarbeiter.

Der Zustand der absoluten Hingabe und des Aufgehens in einer Tätigkeit wird seit Menschen gedenken zelebriert. Ob im Handwerk, der Kunst oder einfachen Alltagshandlungen zeigt sich, dass alle Aktivitäten, die im Flow-Zustand durchgeführt werden, eines gemeinsam haben: Das Gehirn entwickelt kreative Schaffenskraft, die sich in diesem Zustand einstellt und zu erhöhter Leistung und vor allem zu ungeahnter Leistungsbereitschaft führt. Das jeweilige Individuum erfährt eine neue Form der Realität, eine Art Trance oder bewusstseinserweiternde Wahrnehmung, ohne Drogen genommen oder eine Hypnose absolviert zu haben. Das Bewusstsein ist jederzeit imstande, sich selbst wahrzunehmen, zu beurteilen und die psychische Energie zu kanalisieren. Ob es dies in positiver Richtung tut und das Flow-Gefühl beibehält, oder aus diesem Zustand kippt, indem Zweifel, Langeweile oder Überforderung eintreten, bleibt letztendlich jedem selbst überlassen.

Wie erreicht man Flow in Arbeit und Alltagsleben?

Die so genannte „optimale Erfahrung“, die diesem Zustand zugrunde liegt, entsteht aus dem Gefühl, die zu absolvierende Tätigkeit auch optimal erfüllen zu können. Die Konzentration auf diese Tätigkeit ist so hoch, dass kein Raum oder keine Zeit für abschweifende Gedanken bleibt. Gelegentlich kann dieses Flow-Gefühl zufällig eintreten, doch es ist auch willentlich herbeizuführen. Natürlich gibt es Tätigkeiten, die diesen Zustand von Natur aus begünstigen, wie es oft beim Musizieren, Tanzen oder bei sportlichen Aktivitäten zu beobachten ist. Doch wie lässt er sich im Alltag oder Berufsleben erleben? Im Grunde ist es gar nicht schwierig – benötigt werden dazu lediglich:

  • Konzentration
  • nutzbare Kompetenzen & Ressourcen
  • Freude am Tun

Wer zudem den Willen hat, seine eigenen Möglichkeiten auszuweiten, sei es, indem die Geschwindigkeit der ausgeführten Tätigkeit erhöht wird, oder die auszuführenden Bewegungen ein erhöhtes Maß an Leichtigkeit und Eleganz gewinnen, wird seine helle Freude an der Optimierung haben und somit immer wieder in diesen Zustand zurückkehren wollen.

Flow-Gefühl generieren im Allgemeinen

Eine wunderbare Empfehlung von Mihály Csíkszentmihályi lautet in etwa so: Es ist zielführend, die Grenzen des menschlichen Willens anzuerkennen. Es ist sinnvoll, statt einer beherrschenden, eine kooperative Stellung im Miteinander einzunehmen, um den kollektiven Flow wahrnehmen zu können. Das Sinn-Problem wird sich von alleine lösen, wenn die individuellen Ziele einzelner mit dem Kollektiv-Flow verschmelzen.

Quelle: Mihály Csíkszentmihályi. Flow – the Psychology of Optimal Experience. Harper&Row 1990.