[Anleitung in 7 Schritten] Inneres Team

Das innere Team sammelt die psychologischen Anteile als Teammitglieder innerhalb einer Person. Diese Teammitglieder können alles mögliche sein und werden typischer Weise als Personen benannt,  z.B. die Ängstliche, das innere Kind, der Narr, die Hure, der König etc.

Biologisch gesehen sind innere Anteile nichts anderes als Gehirnnetzwerke: ein Zusammenspielen von Nervenbahnen und einzelnen Hirnregionen, die versuchen für die Person eine (soziale) Situation erfolgreich zu bewältigen. So ist zum Beispiel der Narr derjenige, der in einer Gruppe für Unterhaltung und Entspannung sorgt, oder die Hure die Menge an Nervenbahnen, die nach sexueller Befriedigung streben.

Jeder Mensch hat je nach Lebensphase und Situation dominierende innere Anteile, die sich dann in seinem Verhalten und in der Interaktion mit seinem sozialen Umfeld ausprägen.

Einführungs-Video: Was ist das innere Team?

Zur Einführung ist das folgende Video aus der Traumapädagogik sehr hilfreich:

 

12 Archetypen nach Jung im inneren Team

  1. Der Weise
  2. Der Unschuldige
  3. Der Entdecker
  4. Der Herrscher
  5. Der Schöpfer
  6. Der Fürsorgliche
  7. Der Magier
  8. Der Held
  9. Der Rebell
  10. Der Liebende
  11. Der Narr
  12. Der Jedermann

Diese typischen Anteile heißen Archetypen und sind von Carl Gustav Jung gefunden ausführlich beschrieben worden.

Dass diese Archetypen immer wieder auftreten in menschlichem Verhalten deutet daraufhin, dass sie hard-coded sind und es eine neuro-biologische Grundlage im Homo Sapiens und seiner Entstehung gibt.

 

Ich-Anteile in der Psychoanalyse

Auch die Ich-Anteile nach Freud können als Mitglieder des Inneren Teams gedeutet werden:

  • Ich – der entspannte, bewusste Anteil des eigenen Geistes, mit Hauptsitz im präfrontalen Korte,
  • Es – damit sind die Triebe und Instinkte gemeint, der animalische Anteil in uns, vor in Form der älteren Gehirn-Anteile (limbisches System, Amygdala, Stammhirn…) – insbesondere damit auch sexuelle und Aggressive Anteile
  • Über-Ich – steht für Moral und Konventionen, an denen das eigene Denken und Verhalten ausgerichtet ist. Man könnte es dem Salience-Network zuschreiben, welches Gedanken bewertet und filtert.

Das Falsche Selbst

Manchmal hat ein Mensch sich mehr nach den Erwartungen der Eltern und anderer Autoritäten ausgerichtet als nach seinen eigenen Bedürfnissen & Vorstellungen – dann formt sich die eigene Seele weniger im Dienste seiner Selbst als mehr nach äußeren, für sich selbst dann eventuell falschen Formen. Für dieses Phänomen, welches auch als ein Teil des inneren Teams angesehen werden kann, prägte Donald Winnicott den Begriff des falschen Selbst.

Dann entsteht ein falsches Selbst, hinter dem aber das
wahre Selbst prinzipiell weiterhin vorhanden ist.

Im Kundalini-Yoga steht das Mantra „Sat nam“ für das authentische Selbst.

 

Ich-Anteile in der Transaktionsanalyse

Transaktionsanalyse - Teamentwicklung - IKIGAI - Das innere Team - Systemisch - Spiral Dynamics - Heldenreise

  • Eltern-Ich, unterteilt in
    1. fürsorgliches Eltern-Ich
    2. klares, führendes Eltern-Ich und
    3. kritisches Eltern-Ich
  • Erwachsenen-Ich … entspricht einem entspannten, ausgeglichenen, reflektierten Gleichgewichtszustand… der Homöostase
  • Kind-Ich, unterteilt in
    1. angepasstes Kind-Ich
    2. freies, entspanntes Kind-Ich
    3. rebellisches Kind-Ich

 

Nutzen: Innere Konflikte verstehen mit dem inneren Team

Wofür genau brauchen wir das Modell des inneren Teams denn überhaupt?

Problemstellungen hinter dem Inneren Team: Das Modell des inneren Teams hilft uns immer dann, wenn wir uns…

  • nicht entscheiden können
  • innerlich zerrissen sind
  • uns in unsinnigen Verhaltensmustern wiederfinden
  • prokrastinieren
  • sinnvolles Verhalten vermeiden.

Denn dann hilft es uns, zu verstehen, welche inneren Anteile in uns arbeiten, miteinander ringen und nach Auflösung suchen.

Doch wie genau geht das?

 

Anleitung: Innere Team-Mitglieder miteinander eine Lösung finden lassen

  1. Anhörung: Worum geht’s?
  2. Anliegen definieren
    (Erstmal Verstehen? Kann ein Ziel definiert werden? Wie belastet ist die Person? Besteht genug Raum für Reflexion?)
  3. Entscheidung: Ist es möglich und sinnvoll, hier mit dem inneren Team, also mit den inneren Anteilen zu arbeiten? Wenn ja, geh weiter.
    Wenn nicht, wende erst einmal eine andere, vielleicht einfachere Coaching-Kommunikationstechnik an zur Unterstützung des Klienten.
  4. Sammeln der betroffenen inneren Anteile in Form von inneren Stimmen und Glaubenssätzen, Gefühle, Bedürfnisse,Ziele
    1. Benenne die Anteile: Gib den unterschiedlichen Anteilen jeweils einen Namen („Ein kindlicher Anteil“, „Der Kritiker“, „Die Angst vorm Versagen“ etc. – hier gibt es keine Vorgaben, aber es sollte klar und prägnant sein.)
      Im besten Fall kann klar zugeordnet werden, welche konkreten Gedanken, Gefühle, Bedürfnisse oder Ziele jeder konkrete Anteil hat.
    2. Aufstellung der Anteile: Wie verhalten sich die Anteile zueinander? Gibt es eine Rangfolge? Wer arbeitet zusammen und wer gegeneinander? Wie stark sind sie?
      (…mehr zu Aufstellungen)
    3. Befragung: Befrage die einzelnen inneren Anteile zum definierten Anliegen. Bitte keine langen Analysen, sondern einfache intuitive Antworten: Wie geht’t dir hier? Was ist deine Kernbotschaft?
      (Zum Beispiel: „Ich brauche Ruhe“ – „Der Perfektionist nervt mich“ – „Ich sehne mich nach Liebe.“)
      Nun haben wir eine klare Arbeitsbasis – klasse!
  5. Verhandlung: Lass die wichtigsten, konkurrierenden Anteile Vorschläge machen für eine Einigung. Nur meckern ist nicht erlaubt.
    Im besten Fall kommen die Anteile zu einer kreativen gemeinsamen Lösung, die alle zufrieden stellt.
    Eventuell finden sie einen Kompromiss.
    Wenn nichts davon klappt, lass die inneren Anteile klare Vorschläge nennen und mache dazu eine Widerstandsabfrage: Es gewinnt der Vorschlag, gegen den der geringste Widerstand vorherrscht. Schau dann noch einmal, ob es wirklich eine gesunde Lösung ist.
  6. Fortschritt: Wenn eine Lösung gefunden wurde, setze sie sobald wie möglich um, damit sich eine positive Zukunft einstellen kann.
    Kleine Schritte oder auch nur klare Worte sind besser als große Pläne!
  7. Dank & Abschluss: Bedanke dich abschließend bei allen inneren Anteilen für ihre Mühe und Unterstützung des Prozesses. Sicherlich war es nicht immer leicht, aber nun können wir friedlich weitergehen. Schaue ggf. noch einmal, ob alle soweit stabil dabei bleiben.
    Finde dann einen klaren Abschluss und mach etwas Schönes!

Die Arbeit mit dem Inneren Team wird auch Teile-Arbeit genannt.

 

Teile-Arbeit: mit dem Inneren Team kooperieren

Am Anfang steht ein Anliegen eines Klienten: der Klient kommt mit seinem Fall und weiß eventuell schon, was er will – oder eben nicht. Wenn in seinem Fall ein Anliegen ermittelt wird, welches auf eine der obigen Problemstellungen passt, dann können wir mit dem inneren Team zuschlagen!

Bei der Aufstellung des eigenen inneren Teams geht es dann um die Aufdeckung und Benennung von Unterstützern und Hinderern. Aus einer eher spirituellen Perspektive heißen sie auch Licht- und Schattenanteile.

Wir personifizieren damit die verschiedenen inneren Prozesse und Variablen: Bedürfnisse, Fragen, Ziele, Ideen, Träume, Ängste – eigentlich können es auch ganz kleine Informationen sein – wir befördern sie dennoch zu inneren Anteilen.

Wie stets bei menschlichen Herausforderungen können wir unterscheiden, ob wir uns im Problemraum oder Lösungsraum befinden. Das innere Team kann also genutzt werden,

  1. um das Problem und die Zusammenhänge besser zu verstehen
  2. um das Problem zu lösen, ein Ziel zu erreichen und Harmonie zu schaffen

Mit dem folgenden Arbeitsblatt als Vorlage kannst du ein inneres Team strukturieren:

Und so könnte es beispielsweise aussehen, wenn es ausgefüllt ist:

 

Voraussetzung für die Arbeit mit dem inneren Team

…ist die Kapazität für Reflexion und Analyse. Der Klient ist zumindest so sehr bei klarem Geiste, dass er fähig ist, die eigenen Bedürfnisse, Gefühle und Interessen zu reflektieren und zu unterscheiden.

 

Anwendungsbeispiel für die Arbeit mit dem Inneren Team

In diesem Beispielvideo erarbeitet Karl mit Natalia eine Aufstellung für ihr inneres Team:

 

Anleitung: Inneres Team aufstellen mit Digitaler Vorlage

[Die folgende Anleitung ist dem Online-Kurs »Creative Self« entnommen, indem diese Übung eingebettet ist einen Persönlichkeitsentwicklungs-Prozess und zur Findung der eigenen kreativen Mission.]

Das innere Team ermöglicht eine schöne Reflexions-Übung. Unsere Einladung an dich: Sei hier ganz ehrlich zu dir selbst. Nimm dir hierfür 15-20 Minuten Zeit, in der du ungestört bist.

      1. Öffne HIER das Template zum inneren Team.
      2. Füge eine neue Folie ein: Menü > Einfügen > Neue Folie. Oder durch die Tastenkombination Strg + M (Windows) bzw. Ctrl + M (iOS). Eine dritte Variante: letzte Folie anklicken und danach die Enter-Taste drücken.
      3. Rekapitualiere was du gerne ändern bzw. erreichen möchtest und rufe es dir vor dein inneres Auge.
      4. Überlege dir nun, welche deiner inneren Anteile du bereits benennen kannst und welche davon jetzt relevant sind. Welche „Rollen“ nimmst du häufig ein in Interaktion mit anderen? Bist du häufig neugierig, dominant, pessimistisch oder stets die Person, die es allen recht machen möchte? Welche Emotion steckt hinter deinem jeweiligen Verhalten?
      5. Notiere jeweils mind. drei Licht- und Schattenanteile auf deinem Template. Gebe deinem Teammitglied einen selbstgewählten Namen, wie z.B. „Der Partylöwe“, skizziere kurz seine Eigenschaften und lege ihm ein Zitat in den Mund, welches seine Einstellung offenlegt, z.B. „Spaß geht vor!„. Wichtig ist, dass du greifen kannst, inwiefern dieser Anteil dich unterstützt bzw. dich limitiert. Benenne nun die Emotion dahinter, wie Angst oder Freude.Deine Lichtanteile sind Teammitglieder, die dich in deinen Zielen unterstützen, dich stärken und dir als Ressourcen dienen.
        Beispiel: „Ich will Neues lernen!“ Dieser wissbegierige Anteil könnte dich darin unterstützen ein Ziel zu erreichen, bei dem fachliche Weiterbildung wichtig ist. Die Emotion dahinter könnte Neugierde sein.

Deine Schattenanteile sind Teammitglieder, die dich eher blockieren und von deinen Zielen abhalten.
Beispiel:Ich schaffe das allein„. Dieses Zitat könnte von deinem unabhängigkeitsliebenden Anteil stammen, der sich strikt weigert angebotene Hilfe von Außen anzunehmen. Die Emotion dahinter mag Stolz sein.Hinweis: Nicht alle Anteile können per se Licht oder Schatten zugeordnet werden. Achte hier darauf, ob du sie in deinem gewählten Kontext als Ressource nutzen kannst oder ob sie dein Vorhaben behindern, auch wenn sie in anderen Kontexten vielleicht eine große Hilfe wären.

Vertiefung und Einbettung für solche Übungen findest du im Online-Kurs „Creative Self“ und den weiterführenden Kursen.

Tiefer gehen:


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