Inneres Team: [Anleitung in 10 Schritten] zur Arbeit mit inneren Konflikten

Das innere Team ist ein Modell von Schulz-von-Thun, welches allgemein die inneren Anteile als Teammitglieder innerhalb einer Person begreift. Diese Teammitglieder können alles mögliche sein, z.B. die Ängstliche, der Hedonist, der Kümmerer, der Hurenbock etc. Jeder Mensch tendiert je nach Lebensphase und Situation dominierende innere Anteile zu haben, die sich dann in seinem Verhalten und in der Interaktion mit seinem sozialen Umfeld ausprägen. Diese typischen Anteile heißen Archetypen und sind z.B. von Carl Gustav Jung ausführlich beschrieben worden.

12 Archetypen nach Jung im inneren Team

  1. Der Weise
  2. Der Unschuldige
  3. Der Entdecker
  4. Der Herrscher
  5. Der Schöpfer
  6. Der Fürsorgliche
  7. Der Magier
  8. Der Held
  9. Der Rebell
  10. Der Liebende
  11. Der Narr
  12. Der Jedermann

Dass diese Archetypen immer wieder auftreten in menschlichem Verhalten deutet daraufhin, dass sie hard-coded sind und es eine neuro-biologische Grundlage im Homo Sapiens und seiner Entstehung gibt.

Meine Hypothese: Sie entstehen als Superposition aus zentralen neurologischen Prozessen und Rollen in sozialen Gemeinschaften.

Ich-Anteile in der Psychoanalyse

Auch die Ich-Anteile nach Freud können als Mitglieder des Inneren Teams gedeutet werden:

  • Ich
  • Es
  • Über-Ich

Das Falsche Selbst

Hat ein Mensch sich mehr nach den Erwartungen der Eltern und anderer Autoritäten ausgerichtet als nach seinen eigenen Vorstellungen, so entsteht auch das Selbst weniger nach eigenen, authentischen Bedürfnissen und Vorstellungen. Für dieses Phänomen, welches auch als ein Teil des inneren Teams angesehen werden kann, prägte Donald Winnicott den Begriff des falschen Selbst.

Dann entsteht ein falsches Selbst, hinter dem aber das
wahre Selbst prinzipiell weiterhin vorhanden ist.

Im Kundalini-Yoga steht das Mantra „Sat nam“ für das authentische Selbst.

Ich-Anteile in der Transaktionsanalyse

  • Eltern-Ich, unterteilt in fürsorgliches und kritisches Eltern-Ich
  • Erwachsenen-Ich … entspricht einem entspannten, ausgeglichenen, reflektierten Gleichgewichtszustand
  • Kind-Ich, unterteilt in angepasstesfreies und rebellisches Kind-Ich

Nutzen: Innere Konflikte verstehen mit dem inneren Team

Wofür genau brauchen wir das Modell des inneren Teams denn überhaupt?

Problemstellungen hinter dem Inneren Team: Das Modell des inneren Teams hilft uns immer dann, wenn wir uns…

  • nicht entscheiden können
  • innerlich zerrissen sind
  • uns in unsinnigen Verhaltensmustern wiederfinden
  • prokrastinieren
  • sinnvolles Verhalten vermeiden.

Denn dann hilft es uns, zu verstehen, welche inneren Anteile in uns arbeiten, miteinander ringen und nach Auflösung suchen.

Doch wie genau geht das?

Arbeit mit dem Inneren Team

Am Anfang steht ein Anliegen eines Klienten: der Klient kommt mit seinem Fall und weiß eventuell schon, was er will – oder eben nicht. Wenn in seinem Fall ein Anliegen ermittelt wird, welches auf eine der obigen Problemstellungen passt, dann können wir mit dem inneren Team zuschlagen!

Bei der Aufstellung des eigenen inneren Teams geht es dann um die Aufdeckung und Benennung von Unterstützern und Hinderern. Aus einer eher spirituellen Perspektive heißen sie auch Licht- und Schattenanteile.

Wir personifizieren damit die verschiedenen inneren Prozesse und Variablen: Bedürfnisse, Fragen, Ziele, Ideen, Träume, Ängste – eigentlich können es auch ganz kleine Informationen sein – wir befördern sie dennoch zu inneren Anteilen.

Wie stets bei menschlichen Herausforderungen können wir unterscheiden, ob wir uns im Problemraum oder Lösungsraum befinden. Das innere Team kann also genutzt werden,

  1. um das Problem und die Zusammenhänge besser zu verstehen
  2. um das Problem zu lösen, ein Ziel zu erreichen und Harmonie zu schaffen

Mit dem folgenden Arbeitsblatt kannst du beispielsweise dein inneres Team aufstellen:

Und so könnte es beispielsweise aussehen, wenn es ausgefüllt ist:

 

Voraussetzung für die Arbeit mit dem inneren Team

…ist die Kapazität für Reflexion und Analyse. Der Klient ist zumindest so sehr bei klarem Geiste, dass er fähig ist, die eigenen Bedürfnisse, Gefühle und Interessen zu reflektieren und zu unterscheiden.

 

Anwendungsbeispiel für die Arbeit mit dem Inneren Team

In diesem Beispielvideo erarbeitet Karl mit Natalia eine Aufstellung für ihr inneres Team:

Anleitung: Innere Team-Mitglieder miteinander verhandeln lassen

  1. Anhörung: Worum geht’s?
  2. Anliegen definieren (Erstmal Verstehen? Kann ein Ziel definiert werden? Wie belastet ist die Person? Besteht genug Raum für Reflexion?
  3. Entscheidung: Ist es möglich und sinnvoll, hier mit dem inneren Team, also mit den inneren Anteilen des Klienten zu arbeiten? Wenn ja, geh weiter. Wenn nicht, wende erst einmal eine andere, einfachere Coaching-Kommunikationstechnik an zur Unterstützung des Klienten.
  4. Sammeln der betroffenen inneren Anteile in Form von
    • inneren Stimmen und Glaubenssätzen
    • Gefühle
    • Bedürfnisse
    • Ziele
  5. Benenne die Anteile: Gib den unterschiedlichen Anteilen jeweils einen Namen („Ein kindlicher Anteil“, „Der Kritiker“, „Die Angst vorm Versagen“ etc. – hier gibt es keine Vorgaben, aber es sollte klar und prägnant sein.)
    Im besten Fall kann klar zugeordnet werden, welche konkreten Gedanken, Gefühle, Bedürfnisse und Ziele jeder konkrete Anteil hat.
    Es muss aber auch nicht so stark erarbeitet werden: es reicht zunächst auch, wenn die konkurrierenden Anteile benannt werden.
  6. Aufstellung der Anteile: Wie verhalten sich die Anteile zueinander? Gibt es eine Rangfolge? Wer arbeitet zusammen und wer gegeneinander? Wie stark sind sie?
  7. Befragung: Befrage die einzelnen inneren Anteile zum definierten Anliegen: Was ist dein Interesse? Wie siehst du den Konflikt? Was brauchst du? Wie kann für dich eine friedliche Lösung aussehen?
    Nun haben wir wirklich eine klare Arbeitsbasis – klasse!
  8. Verhandlung: Lass die wichtigsten, konkurrierenden Anteile Vorschläge machen für eine Einigung. Nur meckern ist nicht erlaubt.
    Im besten Fall kommen die Anteile zu einer kreativen gemeinsamen Lösung, die alle zufrieden stellt.
    Eventuell finden sie einen Kompromiss.
    Wenn nichts davon klappt, lass die inneren Anteile klare Vorschläge nennen und mache dazu eine Widerstandsabfrage: Es gewinnt der Vorschlag, gegen den der geringste Widerstand vorherrscht. Schau dann noch einmal, ob es wirklich eine gesunde Lösung ist.
  9. Fortschritt: Wenn eine Lösung gefunden wurde, setze sie sobald wie möglich um, damit sich eine positive Zukunft einstellen kann.
  10. Dank & Abschluss: Bedanke dich abschließend bei allen inneren Anteilen für ihre Mühe und Unterstützung des Prozesses. Sicherlich war es nicht immer leicht, aber nun können wir friedlich weitergehen. Schaue ggf. noch einmal, ob alle soweit stabil dabei bleiben.
    Finde dann einen klaren Abschluss und mach etwas Schönes!

 

Anleitung: Inneres Team aufstellen mit Digitaler Vorlage

[Die folgende Anleitung ist dem Online-Kurs »Creative Self« entnommen, indem diese Übung eingebettet ist einen Persönlichkeitsentwicklungs-Prozess und zur Findung der eigenen kreativen Mission.]

Das innere Team ermöglicht eine schöne Reflexions-Übung. Unsere Einladung an dich: Sei hier ganz ehrlich zu dir selbst. Nimm dir hierfür 15-20 Minuten Zeit, in der du ungestört bist.

      1. Öffne HIER das Template zum inneren Team.
      2. Füge eine neue Folie ein: Menü > Einfügen > Neue Folie. Oder durch die Tastenkombination Strg + M (Windows) bzw. Ctrl + M (iOS). Eine dritte Variante: letzte Folie anklicken und danach die Enter-Taste drücken.
      3. Rekapitualiere was du gerne ändern bzw. erreichen möchtest und rufe es dir vor dein inneres Auge.
      4. Überlege dir nun, welche deiner inneren Anteile du bereits benennen kannst und welche davon jetzt relevant sind. Welche „Rollen“ nimmst du häufig ein in Interaktion mit anderen? Bist du häufig neugierig, dominant, pessimistisch oder stets die Person, die es allen recht machen möchte? Welche Emotion steckt hinter deinem jeweiligen Verhalten?
      5. Notiere jeweils mind. drei Licht- und Schattenanteile auf deinem Template. Gebe deinem Teammitglied einen selbstgewählten Namen, wie z.B. „Der Partylöwe“, skizziere kurz seine Eigenschaften und lege ihm ein Zitat in den Mund, welches seine Einstellung offenlegt, z.B. „Spaß geht vor!„. Wichtig ist, dass du greifen kannst, inwiefern dieser Anteil dich unterstützt bzw. dich limitiert. Benenne nun die Emotion dahinter, wie Angst oder Freude.Deine Lichtanteile sind Teammitglieder, die dich in deinen Zielen unterstützen, dich stärken und dir als Ressourcen dienen.
        Beispiel: „Ich will Neues lernen!“ Dieser wissbegierige Anteil könnte dich darin unterstützen ein Ziel zu erreichen, bei dem fachliche Weiterbildung wichtig ist. Die Emotion dahinter könnte Neugierde sein.

Deine Schattenanteile sind Teammitglieder, die dich eher blockieren und von deinen Zielen abhalten.
Beispiel:Ich schaffe das allein„. Dieses Zitat könnte von deinem unabhängigkeitsliebenden Anteil stammen, der sich strikt weigert angebotene Hilfe von Außen anzunehmen. Die Emotion dahinter mag Stolz sein.Hinweis: Nicht alle Anteile können per se Licht oder Schatten zugeordnet werden. Achte hier darauf, ob du sie in deinem gewählten Kontext als Ressource nutzen kannst oder ob sie dein Vorhaben behindern, auch wenn sie in anderen Kontexten vielleicht eine große Hilfe wären.

Vertiefung und Einbettung für solche Übungen findest du im Online-Kurs „Creative Self“ und den weiterführenden Kursen.

Tiefer gehen:


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