Seelischer Schmerz: 5 Tore zur Lebendigkeit

Ich bin inspiriert von einem Buch von Francis Weller namens The wild edge of sorrow. Es geht um seelischen Schmerz, Kummer und den Umgang mit innerem Leiden.

Weller nennt 5 Tore des Schmerzes:

  1. Liebe wird zu Verlust
  2. Innere Anteile ohne Liebe
  3. Schmerz der Welt
  4. Unerfüllte Wünsche
  5. Schmerz unserer Vorfahren

Integration von Schmerz geschieht, wenn der Schmerz in einer dafür offenen und achtsamen Gemeinschaft mitgeteilt werden kann. Im besten Fall ist dies ein Ritual, indem alle Beteiligten einen seelischen Schmerz mitteilen, angehört werden die Leiden der anderen ebenso anhören. Durch das kollektive Mitgefühl und die Verbundenheit im Schmerze kann die dahinter liegende blockierte Energie sich wandeln in ein heilsames Erlebnis.

Weller empfiehlt eine 3-phasige »Bewegung« (moves) für die inneren Anteilen ohne Liebe (2.). Diese seien besonders vertrackt, da wir uns zunächst für sie schämen und sie geheimhalten wollen:

  1. Von „Ich bin wertlos“ zu „ich bin verwundet“
  2. Von Verachtung zu Mitgefühl
  3. Aus der Stille zum Mitteilen

Das Mitteilen sollte jedoch nur an dafür offene, weise Personen oder im Rahmen eines Rituals geschehen, wofür Weller Goethes Gedicht „Selige Sehnsucht“ zitiert (übersetzt von Robert Bly):

Selige Sehnsucht

Sag es niemand, nur den Weisen,
Weil die Menge gleich verhöhnet:
Das Lebendge will ich preisen,
Das nach Flammentod sich sehnet.

[…]

Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.

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Seelischer Schmerz als Schlüssel für Persönlichkeitsentwicklung

Gäbe es kein Leid und keine unerfüllten Sehnsüchte, gäbe es auch kaum eine Weiterentwicklung des Geistes und der Seele. Um den erlittenen seelischen Schmerz zu verstehen und zukünftig zu vermeiden, baut der Organismus mehr Ressourcen auf, um zukünftig besser gewappnet zu sein. So ähnlich wie Muskelaufbau: gerät der Körper an seine Grenzen beim Training, baut er systematisch Muskeln auf, um zukünftig stärker zu sein.

In der Psychoanalyse heißt dies Sublimierung: ein nicht ganz verarbeitetes Leiden wird sukzessive umgewandelt in einen kreativen Entwicklungsprozess. Dies kann in einer Karriere oder in künstlerischer Verarbeitung münden.

Milton Erickson prägte den Begriff der Utilisation: der seelische Schmerz wird genutzt für die positive Persönlichkeitsentwicklung des Klienten.

Die Kreativität eines Menschen wird also angetrieben,

  1. durch einen Geist und Körper, der genug Ressourcen hat, um etwas sinnvolles aus den Ressourcen zu machen
  2. durch seelischen Schmerz, der dazu antreibt, den Schmerz künftig zu vermeiden und daher neue Lösungen zu kreieren

Dazu gibt es Kreativitätstechniken, die die Kreativität in Bahnen lenken.



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