Lernlog

Das Lernlog ist ein strukturiertes Werkzeug zur didaktischen Analyse eines Themengebiets und dient damit der Konzeption von Lernprozessen. Es beschreibt den gewünschten Erfolgszustand eines Lernprozesses, dieser wird strukturiert über mehrere Dimensionen:

  1. Inhalte: Die wichtigsten Modelle, Theorien, Methoden, Prinzipien, Studien oder Konzepte.
  2. Ausrüstung: Modelle, Methoden und Heuristiken, die genutzt werden können zur effizienten Anwendung des Themengebiets auf neue Fälle
  3. Probleme: Typische Problemstellungen, Anwendungsfälle und Aufgabenformate
  4. Erfahrungen: Erlebnisse oder Lernaktivitäten, durch die die Lernenden die Inhalte „verkörpern“ und die Kompetenzen spür- und anwendbar machen. Diese sorgen für nachhaltige, erinnerbare Lernmomente.
  5. Kompetenzen: Konkrete Fähigkeiten, formuliert als „Ich kann …“-Sätze. Diese bilden den messbaren Lernerfolg ab und werden in drei Anforderungsbereiche übersetzt (Grundverständnis, Anwendung, Transfer).
  6. Storytelling: historische Entwicklungen, Anekdoten, Alltagsbezüge, populäre Anwendungsbeispiele, berühmte Persönlichkeiten
  7. Illustrationen: Schaubilder, Infografiken, Diagramme, Tafelbilder, Zeichnungen, Arbeitsblätter

 

Für wen ist das Lernlog?

Der Lernlog richtet sich an alle, die ein Thema für andere ganzheitlich aufbereiten wollen: Trainer, Berater und Coaches ebenso wie Hochschul-Lehrende und Schullehrer. Der gemeinsame Nenner ist nicht die Zielgruppe, sondern der Anspruch: ein Themengebiet nutzer-zentriert und auf intrinsische Motivation hin zu denken, statt nur Stoff zu wälzen.

Theorie & Haltung

Orientierungspunkte hinter dem Lernlog sind:

  1. Selbstbestimmungstheorie nach Deci & Ryan: Menschen lernen nachhaltiger, wenn ein Thema drei Lernbedürfnisse anspricht, statt nur von außen über Noten, Pflichten und Prüfungen genötigt zu werden:
    1. Autonomie,
    2. Kompetenzerleben und
    3. soziale Eingebundenheit.
  2. Gamification, welches eine klare Struktur voraussetzt.

Nutzen des Lernlogs

  1. Zielorientierung: Der Lernlog zeigt, wohin der Lernprozess führen soll
  2. Ganzheitliches Lernen: Durch die Kombination von Wissen (Inhalte), Können (Kompetenzen) und Erleben (Erfahrungen) entsteht nachhaltiges Lernen.
  3. Strukturierte Lernplanung: Lehrende können Lernsettings, Übungen, Methoden und Materialien gezielt entwickeln, weil klar ist, welche Erfahrungen notwendig sind.
  4. Transparenz für Lernende: Der Lernlog macht den Lernweg nachvollziehbar und zeigt den Lernenden genau, worauf sie hinarbeiten.
  5. Reflexion & Überprüfung: Mit einem Lernlog können Lernende und Lernbegleitende jederzeit überprüfen: Was wurde schon erreicht? Was fehlt noch? Auf welche Erfahrungen kann ich zurückblicken?
  6. Anpassbar für jedes Thema: Von Mathematik bis Persönlichkeitsentwicklung – der Lernlog kann für jedes Fach oder Lernsetting eingesetzt werden.

Anleitung: Wie funktioniert ein Lernlog?

Wir gehen davon aus, dass du ein Themengebiet hast, für welches du einen Lernprozess entwickeln möchtest. Dann erarbeite den Zielzustand mit Hilfe des Lernlogs entlang der Kategorien. Es ist egal, bei welcher Kategorie du anfängst… fülle lieber zu viele Möglichkeiten ein als zu wenig. Markiere die wichtigsten Elemente.

Mache danach weiter mit der Lern-Heldenreise.

Didaktische Reduktion: die Kunst der Auswahl

Die Inhalte- und Ausrüstung-Felder im Lernlog verleiten dazu, alles aufzuschreiben, was zu einem Thema irgendwie dazugehört. Genau das ist die Falle. Didaktische Reduktion bedeutet, komplexe Inhalte auf das für Zielgruppe, Lernziel und Zeitbudget Wesentliche zu verdichten – auf die 3 Z: Zielgruppe, Ziel, Zeit.
Erweitern könnte man es noch um die Lernumgebung, das 4. Z für Zetting 😉

Zwei Richtungen sind dabei zu unterscheiden:

  1. Horizontale Reduktion vereinfacht über Analogien und Metaphern, ohne den Geltungsbereich der Aussage zu verändern.
  2. Vertikale Reduktion schränkt den Geltungsbereich bewusst ein – man sagt weniger, aber das Gesagte stimmt uneingeschränkt.

Die Kritikalitätsmatrix sortiert die Elemente nach kritisch, wesentlich, optional und unbedeutend – nur die ersten beiden Kategorien gehören in das Lernlog.

Drei Prinzipien unterstützen bei der Auswahl:

  1. fachliche Richtigkeit (auch die reduzierte Aussage muss stimmen),
  2. fachliche Ausbaufähigkeit (Lernende müssen später vertiefen können, ohne umzulernen) und
  3. Angemessenheit (die Reduktion passt zur Zielgruppe).

Begriffsabgrenzung

Den Begriff Lernlog nutze ich seit ca. 2020 für die didaktische Vorbereitung eines Lernsettings. Bei der Internetrecherche sind zwei Verwechslungen möglich:

  • Kein Lerntagebuch: Ein Lerntagebuch ist ein eigenständiges didaktisches Instrument zur Unterstützung individuellen, selbstgesteuerten Lernens in Ausbildungen – Lernlog dagegen analysiert ein Themengebiet, bevor überhaupt Lernmaterial entsteht.
  • Keine Software. Wer „Lernlog“ sucht, landet häufig bei einem gleichnamigen Tool eines Klinik-/Ausbildungsanbieters (Helios). Das hat mit dieser Methode nichts zu tun.