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Selbstbestimmungstheorie – die 3 Säulen der Motivation

Mit der Self-Determination Theory (SDT) oder Selbstbestimmungstheorie lässt sich die Größe Motivation für ein bestimmtes Handeln ganz leicht erklären. Ob Du oder Dein Gegenüber motiviert ist, hängt von der Wirksamkeit bestimmter menschlicher Grundbedürfnisse ab. Die Theorie wurde von Richard M. Ryan und Edward L. Deci in den USA entwickelt und gilt als die Motivationstheorie, die den Antrieb und das Interesse des Menschen sowohl inhalts- als auch prozessorientiert definiert. Richard M. Ryan und Edward L. Deci besagen in ihrer Theorie, dass folgende Grundbedürfnisse des Menschen ihr Verhalten bestimmen:
  • Kompetenz (Selbstwirksamkeit)
  • soziale Eingebundenheit
  • Autonomie

Der Mensch möchte so handeln und sich so verhalten, dass ihm und seinem Umfeld seine Selbstwirksamkeit bewusst wird. Dieses Verhalten möchte er gerne in einem sozialen Kontext erleben und er möchte zu jeder Zeit selbst bestimmt handeln. Je nach Befriedigung dieser drei Grundbedürfnisse wird die Motivation des Menschen für ein bestimmtes Verhalten positiv oder negativ beeinflusst. Die Ausprägung und Präsenz der drei Bedürfnisse äußern sich an bestimmten Parametern des menschlichen Handelns. Die Bedeutung der eigenen Kreativität, das Durchhaltevermögen und das gezielte Problemlöseverhalten zeigen das Maß der Befriedigung auf. In diesem Maße wird auch das allgemeine Wohlbefinden beeinflusst.

Mangelt es an der Befriedigung der drei Grundbedürfnisse werden wir zunehmend frustriert. Dies führt dazu, dass wir keine Lust mehr haben diesem Verhalten weiter nachzugehen. Die Folgen sind weitreichend: Verhaltensänderungen, Antriebslosigkeit oder Entwicklung von (meist negativ behafteten) Ersatzbedürfnissen.

→ Exkurs: Zusammenhang Selbstbestimmungstheorie und Flow-Theorie

Die Flow-Theorie von Mihály Csíkszentmihályi beschreibt die Erfahrung, voll und ganz in seinem eigenen Handeln aufzugehen und dieses mit großer Freude zu tun. Bei diesem Prototyp der SDT werden die Grundbedürfnisse des Menschen bestmöglich befriedigt. Wer wünscht sich eine solche Erfahrung nicht? Die Anforderungen einer Aufgabe entsprechen genau den eigenen Fähigkeiten, sodass man Spaß daran hat, den Auftrag konzentriert auszuführen. Die Motivation für diese Aufgabe ist intrinsischer Natur. Wird Flow erfahren, reicht dies allein schon aus, aus eigenem Interesse und Antrieb zu handeln. Darin stimmen SDT und die Flow-Theorie überein.

Aber wie können wir nun Flow und die drei Grundbedürfnisse zusammenbringen, damit die Motivation am Ende da ist und auch erhalten bleibt? Die Kenntnis darüber allein, reicht meist nicht aus…

Tipps für die eigene Motivation im Alltag ganz Sinne des Flows

Werde Dir darüber im Klaren, dass auch Du und dein Gehirn Deine Grundbedürfnisse befriedigt wissen müssen, um motiviert an eine Aufgabe heranzugehen. Mache dir Deine Selbstwirksamkeit, deine Kompetenz, klar, indem Du sie zum Beispiel schriftlich festhältst. Erstelle dir Deine persönliche „Ich-bin-äußerst-kompetent-Liste“ und schreibe nach jeder erfolgreichen Aufgabe auf, welchen Nutzen Sie für Dich und Andere hat. Binde dabei Dein soziales Umfeld mit ein, zum Beispiel indem Du dir Rückmeldung von Kollegen oder Vorgesetzten einholst. „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied!“ In diesem Sinne: Wähle Deine Tätigkeiten und Aufgaben selbstbestimmt.

Flow-Kanal - Achtsamkeit - Kreativität - Innovation

Im Flow bist du, wenn Du und Deine Aufgabe eine Einheit bilden. Du konzentrierst Dich nur auf Dein Handeln und wächst an jeder geschafften Aufgabe. Damit dir dein Gehirn ein Flow-Erlebnis ermöglicht, musst Du genaue Aspekte beachten:

  • Achte darauf, dass Deine Aufgaben zu Dir passen
  • Die Aufgaben müssen Deinen eigenen Fähigkeiten entsprechen
  • Vermeide Unter- oder Überforderung
  • Lass` Dich nicht ablenken

Nutzen der Selbstbestimmungstheorie für Schule

Die Vorteile um das Wissen der Beeinflussbarkeit der Motivation sind noch lange nicht ausgeschöpft. In der Schule bietet dies zahlreiche Möglichkeiten für effektives lernen. Es ist von großer Bedeutung, dass Kinder in Ihrer Persönlichkeitsentwicklung gestärkt werden. Dies geschieht, indem ihre Grundbedürfnisse befriedigt werden. Wird den Kindern ein Mitbestimmungsrecht bei Lerngebieten oder Aufgabenbereichen eingeräumt, führt dies langfristig zu einer produktiven Lernatmosphäre. In Teams und Gruppenarbeit zum Beispiel können Schüler in ihrem sozialen Umfeld und im Austausch mit Gleichaltrigen lernen. Werden sie angehalten, sich positives Feedback zu geben, weiß ein jeder Schüler um seine Fähigkeiten. So können Schüler Freude am lernen und Interesse an Unterrichtsinhalten entwickeln.

Selbstbestimmungstheorie in Unternehmen & Organisationen

Auch in Unternehmen ist die Passung der Aufgabe zum Mitarbeiter von immenser Bedeutung. Aufgaben müssen den Fähigkeiten des Mitarbeiters entsprechen. Nur dann kann effektiv gearbeitet werden. Beschäftigte in der Beratung können genau auf diese Bedürfnisse zurückgreifen, um zu einem positiven Verlauf mit ihren Klienten zu gelangen. Die Befriedigung der Grundbedürfnisse spielt bei Mitarbeitern und in der Führung eine große Rolle. Sowohl Chef als auch Angestellter muss autonom in seinem Netzwerk arbeiten können. Daher erfordert die Durchführung der Theorie oftmals ein gewisses Maß an Umdenken.

Quellen:

  • Edward L. Deci, & Richard M. Ryan (2008): Self-Determination Theory: A Macrotheory of Human Motivation, Development, and Health. In: Canadian Psychology 49, 182–185.
  • Richard M. Ryan, & Edward L. Deci (2000): Self-Determination Theory and the Facilitation of Intrinsic Motivation, Social Development, and Well-Being. In: American Psychologist 55, 68–78.