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Kreativitätstechniken

Kreativitätstechniken gibt es fast so viele wie Seminare zum Thema Kreativität. Denn wenn Kreativitäts-Trainer selbst kreativ sind, erfinden sie auch ihre eigenen Methoden. Wenn sie nicht kreativ sind, taugen sie bestimmt trotzdem als Trainer, aber ein echtes Vorbild sind sie wohl nicht. Um Kreativitätstechniken wirklich zu verstehen, brauchst du das Wissen über die grundlegenden Prinzipien hinter den Techniken: die Kreativitäts-Heuristiken.

Viel wichtiger als die Methode ist die positive Haltung und Einstellung sowie die Fähigkeit, sich in ein komplexes Thema einzuarbeiten. Konventionen oder emotionale Blockaden hemmen Kreativität. Durch aufgelockerte Hierarchien und Zusammenhalt im Team wird Kreativität gefördert. Für die beste Kreativleistung ist ein entspannter Erregungszustand optimal. Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig. So entsteht Kreativität im Gehirn.

Für die Neugierigen gibt es hier eine kleine „Übersicht Kreativitätstechniken“ – mit handelsüblichen Techniken.

Morphologischer Kasten

Der morphologische Kasten ist Teil der analytischen Kreativitätstechniken, um komplizierte Probleme und Aufgabenbereiche ausführlich zu erfassen und möglichst viele Lösungen vorurteilslos zu betrachten. Aus der entstehenden morphologischen Matrix ergeben sich viele neue Kombinationsmöglichkeiten. So können neue Lösungen in bereits erkundeten Lösungsumgebungen gefunden werden.

Der Morphologischer Kasten beruht auf dem Prinzip der Zerlegung: Nimm das Thema, oder etwa ein konkretes Produkt wie einen Rasenmäher, auseinander und benenne dazu die einzelnen Parameter und Sub-Strukturen. Diese befüllst du dann mit möglichen Ausprägungen. So kannst du das bestehende Thema oder Produkt verändern, indem du an den kleineren Einheiten Veränderungen vornimmst.

Insbesondere bietet der morphologische Kasten Chancen bei:

Zum ausführlichen Artikel über den morphologischen Kasten.

Vorlage Morphologischer Kasten - Kreativitätstechniken - Zerlegung eines komplexen Problems in Sub-Strukturen

Kopfstand

Die Kopfstand-Methode ist eine der Kreativitätstechniken, um grob die Lösungsmöglichkeiten für ein Problem abzustecken. Mit ihr wird die ursprüngliche Fragestellung zunächst umgedreht, etwa so: Wie können wir unsere Kunden verjagen?

Der nächste Schritt ist das Sammeln von Lösungen für die umgekehrte Frage. Die formulierten Lösungen werden anschließend wieder auf den Kopf gestellt. So können aus den Ergebnissen neue echte Lösungsideen entwickelt werden.

Osborn-Checkliste

Die Osborn-Checkliste unterscheidet sich von anderen Kreativitätstechniken dadurch, dass sie eine Sammlung von Prinzipien der Heuristik, also der Wissenschaft zur Problemlösung ist. Die Technik stammt aus dem Jahr 1957 und hat das spielerische Modifizieren bestehender Produkte oder Themen zum Ziel. Sie beinhaltet zum Beispiel Perspektivwechsel, Inversion und Kombination. Ziel ist es, neue kreative Problemlösungen zu finden. Der Reihe nach werden mögliche Szenarien durchgespielt. Die Osborn-Checkliste kennt inzwischen über 50 verschiedene Ansätze, darunter:

  • Anders verwenden
  • Anpassen
  • Ändern
  • Vergrößern
  • Verkleinern
  • Ersetzen
  • Umstellen
  • Umkehren
  • Kombinieren
  • Transformieren

SCAMPER

Die Kreativitätstechnik SCAMPER ist eine Weiterentwicklung der Osborn-Checkliste. SCAMPER steht dabei für die Begriffe Substitute, Combine, Adapt, Modify, Put, Eliminate und Reverse. Die Technik konzentriert die Osborn-Checkliste auf das Wesentliche und ermöglicht dir schnell in der Situation, der du kreativ begegnen möchtest, Perspektiven von vielen verschiedenen Seiten einzunehmen. SCAMPER ist dabei sehr systematisch. So gewinnst du schnell tiefere Einsichten in das Problem. Die SCAMPER-Methode soll hier am Beispiel eines Taxis beschrieben werden:

Taxi der Zukunft - Kreativitätstechniken
Sieht so das Taxi der Zukunft aus?

1. Substitute – Ersetzen von Komponenten: Denke noch einmal an die Beispielfrage: „Wie sieht das Taxi 2025 aus?“ Was könnte man hieran ersetzen oder austauschen? Muss es zum Beispiel ein Auto sein, wären nicht auch andere Gefährte denkbar? Kann das Taxi vielleicht fliegen?

2. Combine – Kombinieren von Elementen: Das Taxi 2025 könnte man mit Unterhaltungszwecken verbinden. Der Innenraum eines Autos ist ein geschützter Raum, in denen viele Sachen stattfinden könnten: Verkostungen, Vorführungen von Musik oder ein Quiz beispielsweise.

3. Adapt – Abänderungen von Funktionen: Muss man den Gast wirklich an sein Fahrziel bringen, kann man ihn nicht auch wo anders hinfahren lassen? Vielleicht ein Taxi, das zum Erlebnisurlaub fährt?

4. Modify – Steigern oder Vermindern von Größe und Quantität, Gestaltveränderungen und Modifizierung von Attributen: Wie groß kann ein Taxi sein? Kann es vielleicht 10, 50 oder 1000 Leute aufnehmen? Könnte man einen Zug als Taxi mieten? Was ist das kleinste vorstellbare Taxi? Eine Art Tandem?

5. Put – „Put to another use“, weitere Verwendungen finden und neue Kontexte: Gibt es andere Situationen, in denen ein Taxi sinnvoll sein könnte? Zum Beispiel bei Großveranstaltungen?

6. Eliminate – Entfernen von Komponenten: Wie könnte ein Taxi ohne Gefährt aussehen? Eine Art Begleitdienst zu Fuß?

7. Reverse – Umkehren von Zusammenhängen: Könnte es auch ein Taxi geben, wo der Fahrer bezahlt, um den Gast herumfahren zu dürfen?

Kreativitätstechnik 6-3-5

Das Ziel der Kreativitätstechnik 6-3-5 ist, auf den Ideen der anderen aufzubauen. Hierzu erhält jeder Teilnehmer ein Arbeitsblatt, auf das er oben drei Ideen schreibt. Anschließend werden diese Ideen an den nächsten weitergegeben, der diese Ideen aufgreifen, ergänzen und weiterentwickeln soll.

6-3-5-Kreativitätstechnik-Ideenfindung-Kreativitätsmethode-Brainstorming-Ideen finden

Eine vergleichbare Methode arbeitet mit 3×3-Post-Its, die im Raum verteilt werden. Anders als bei der Arbeitblatt-Methode werden die Notizen nicht weitergegeben, sondern die Teilnehmer wandern von einer Post-It-Station zur nächsten. Die beiden Kreativitätstechniken sind weitgehend gleich: Über jedes Post-It-Paket kommt eine Fragestellung. In der ersten Reihe werden Ideen notiert. Nach unten werden die obigen Ideen erweitert, abgewandelt, verformt, vergrößert etc.

3x3-Brainstorming-Kreativitätstechnik

Framing: WM-Frage

Eine Kreativitätstechnik besteht in der Formulierung einer sogenannten WM-Frage: “Welche Möglichkeiten habe ich?” Mit dieser Frage können Herausforderungen fokussiert und neu eingerahmt werden. Auf eine Frage sucht das Gehirn automatisch Antworten. Es ist wichtig, die naheliegendsten Antworten erst einmal auszublenden. Es besteht ansonsten die Gefahr, bereits eine Lösung mitzudenken, wenn die Frage formuliert wird.

  1. Positive Formulierung.
  2. Offen für neue Gestaltung.
  3. Nicht zu Offen! – Nenne die Rahmenbedingungen.

Es geht dabei darum, eine klare und inspirierende WM-Frage zu stellen. So kannst du Ideen und Kreativität in eine sinnvolle Richtung lenken.

Dabei geht es nicht darum, schon eine Lösung für aktuelle Herausforderungen zu finden. Es wird lediglich eine Frage formuliert, die folgendes konkretisiert (nicht beantwortet!):

Welche Möglichkeiten habe ich, um …

  • “ein bestimmtes Problem zu lösen?”
  • “eine bestimmte Herausforderung zu bewältigen?”
  • “ein bestimmtes Bedürfnis zu befriedigen?”
  • “ein bestimmtes Ziel zu erreichen?”
  • “von vorne anzufangen?”
  • “etwas ganz neues zu schaffen?”

Zum ausführlichen Artikel über die WM-Frage

Leinwand-Technik

Mit der Kreativitätstechnik „Leinwand“ nutzt du deine Vorstellungskraft. Bilder, Assoziationen und Metaphern können entweder vor einer „inneren Leinwand“ auftauchen, wie bei einer Hypnose, oder du verwendest Stifte und Papier.

  1. Nimm dir ein weißes Blatt Papier und lege dir bunte Stifte bereit.
  2. Nun lies dir deine Fragestellung aufmerksam durch. Du kannst sie auch laut aussprechen und überprüfen, wie sie auf deine Sinne wirkt, wie sie dir schmeckt, aussieht oder sich anfühlt.
  3. Lass nun Bilder kommen, die du damit verbindest. Metaphern, Assoziationen, Erinnerungen, Ideen, Wünsche, Träume – alles ist jetzt erlaubt und nichts wird in diesem Moment bewertet. Wenn du möchtest, schließe hierfür gerne die Augen und lehne dich zurück.
  4. Sobald du bereit bist, nimm die Buntstifte zur Hand und halte diese Bilder fest. Wenn dir beim Malen eine neue Eingebung kommt, verarbeite auch diese.

Natürlich kannst du deine inneren Bilder auch aufschreiben. Doch das Gehirn verknüpft Bilder schneller als Worte, denn Bilder sind intuitiv. Das Malen ist somit die bessere Variante der Leinwand-Technik.

Inspirationskarten

Die Idee hinter diesen Kreativitätstechniken ist der Perspektivwechsel. Inspirationskarten sind ein Eisbrecher, wenn du bei der Ideenfindung feststeckst. Im Design Thinking gibt es die Brainstorming-Constraints. Sie funktionieren ähnlich.

Es gibt vier Varianten solcher Karten. Im Grunde kann man sie weitgehend selbst entwickeln.

  1. Ressourcen: Die Karten beschränken oder steigern verfügbare Ressourcen. Die extremste ist: Du hast alles Geld der Welt, was würdest du damit machen?
  2. Weltveränderer: Physikalische Gesetze werden aufgehoben, gesellschaftliche Normen über Bord geworfen. Wir erfinden ein Stück Science-Fiction.
  3. Rollenkarten: Du bist ein Kind, du hast eine Behinderung, du bist Superman. Was verändert sich durch den Perspektivwechsel?
  4. Nightmare: Welche Veränderung würde die Probleme deiner Zielgruppe drastisch verschlimmern? Wie müsste dein Produkt aussehen, damit es niemand kauft?

Wenn du diese erzwungenen Perspektivwechsel an ein Produkt, einen Markt oder eine Gesellschaft anlegst, ergeben sich häufig ganz neue Fragestellungen. Darin versteckt sich die nächste Produktinnovation oder gar ein ganzes Geschäftsmodell. Zwear ist eine Inspiration-Card wie „So viel Geld zur Verfügung, wie man will“ sehr absurd. Doch die Ideen sind nur Zwischenstufen auf dem Weg zu umsetzbaren Lösungen.

Ein Beispiel: Wie sieht das Taxi im Jahr 2025 aus? Die Inspiration-Card, die ihr zieht, lautet „unendlich viel Geld“. Ein Teilnehmer beschreibt, dass er extrem luxuriöse Autos kostenlos anbieten würde. Geht von diesem Extrem zurück in die Realität – dann kommt ihr zu der Frage, wie sich das Gewerbe dann monetarisiert. Und die Antwort darauf ist gar nicht weit hergeholt: durch Werbung. Aus dieser Erkenntnis heraus könnte man auf die Idee kommen: Wer wären spannende Werbepartner? Und schon ist man im Hier und Jetzt.

Betrachte alle Methoden spielerisch. Es gibt keine falschen Antworten oder Ergebnisse. Im Gegenteil: die Inspiration-Cards helfen, andere Rollen einzunehmen und somit unbefangener Ideen äußern kann.

Walt-Disney-Methode

Wie der Name schon sagt, ist dies eher vergleichbar mit einer Methode als mit einer der vorgestellten Kreativitätstechniken. Wenn du dich fragst, was der Unterschied ist zwischen Kreativitäts-Methoden und Techniken, klicke hier. Die Walt-Disney-Methode beruht auf dem Prinzip des Perspektivwechsels zwischen den drei Rollen Träumer, Kritiker, Pragmatiker. Die Methode kann sowohl allein durchgeführt werden (hintereinander alle Rollen selbst einnehmen), oder als Rollenspiel mit 3 Personen. Die Methode wurde wohl von Walt Disney verwendet. Benannt und geprägt hat sie allerdings Robert Dilts. Dilts ist ein US-Amerikanischer Trainer und Berater und hat die Neurolinguistische Programmierung (NLP) mitentwickelt. Dilts schrieb Walt Disney drei Persönlichkeitstypen zu, die wohl Grundlage seines unternehmerischen Erfolgs wurden.

3 Rollen der Walt-Disney-Methode

  • Der Träumer ist enthusiastisch, inspiriert und assoziativ.
    Fragen: Was wäre die ideale Situation? Was ist mein Traum dazu? Was fällt mir Verrücktes und Ausgefallenes dazu ein?
  • Der Pragmatiker denkt Voraussetzungen und nächste Schritte zur Umsetzung der Träumer-Ideen durch.
    Fragen: Was wird für die Umsetzung benötigt (Material, Menschen, Wissen, Techniken etc.)? Welche Grundlagen sind schon vorhanden? Kann der Ansatz getestet werden?
  • Der Kritiker versucht alle möglichen Hindernisse zu benennen und aufzudecken.
    Fragen: Kann das realisiert werden? Was kann gar nicht funktionieren? Welches sind Risiken? Was wurde übersehen? Was spricht dagegen?

Aktivierung des Kreativen Selbstvertrauens

„Sei mal kreativ“ ist wohl eine der schwierigsten Anforderungen im Privatleben und im Beruf. Wie lässt sich aus dem nichts für eine Herausfoderung eine kreative Lösung finden? Was nutzen all die Kreativitätstechniken, wenn sich die Kreativität in wichtigen Momenten nicht einstellt und mir vielleicht nicht einmal eine einzige der hier genannten Techniken einfallen.

Doch auch hierfür gibt es einen Trick. Er basiert darauf, die innere Haltung und Einstellung zur Kreativität zu überdenken. Ich zeige dir eine Mögliochkeit, wie du deine Kreativität jederzeit nutzen kannst, egal in welcher Situation du bist.

Eine Methode für mehr kreatives Selbstbewusstsein ist der Kreativitätsschalter. Es ist ein Gedankenspiel, auf das du bei Bedarf zurückgreifen kannst, um deine Kreativität zu erhöhen.

  • Sammle hierfür zuerst Situationen, in denen du in der Vergangenheit oft kreativ warst.
  • Gehe die Kreativitäts-Situationen im Kopf durch und notiere dabei, was für Bilder und Assoziationen kommen.
  • Mach es dir bequem und bereite dich auf eine kurze Traumreise vor.
  • Wenn du ganz entspannt sitzt, gehe noch einmal durch deine Notizen und lasse sie für 5 Minuten auf dich wirken. Versuche, sie so stark und hell wie möglich in deinem inneren Auge werden zu lassen.
  • Definiere eine Fingergeste (z.B. Zeigefinger und Daumen aneinanderdrücken). Halte diese Geste und gehe dabei in Gedanken die stärksten Bilder durch.
  • Möchtest du deine Kreativität aktivieren, mache die eingeprägte Geste und hole deine Kreativ-Bilder aus deinem Gedächtnis hervor. Mit diesem Mindset machst du dich an die Arbeit.

Möchtest du noch mehr über Kreativitätstechniken wissen? Dann starte doch den Kurs „Creative Self“ mit mir noch heute.

Vorlagen & Übersicht Kreativitätstechniken

Nutzen: Anwendungen von Kreativitätstechniken

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