Konfliktlösung in 5 Phasen

In diesem Artikel zeige ich ein paar Ansätze zur Konfliktlösung auf. Am klarsten ist der Mediationsprozess, daher fangen wir damit an. Und um zu verstehen, was da eigentlich alles los ist, zeige ich die 9 Eskalationsstufen nach Glasl auf. Da es nicht immer möglich ist, dass beide Parteien miteinander ihren Konflikt lösen, hilft für den seelischen Frieden oft auch die Arbeit mit sich selbst. Daher zeigen ich zwei Konfliktlösungs-Methoden auf, die jeder Mensch mit sich selbst durchführen kann.

Mediations-Prozess: Die 5 Kernphasen der Mediation

I Kontakt | Bereitschaft | Vertrauensrahmen schaffen
Prinzipien: 1. Vertraulich. 2. Zuhören 3. Nicht unterbrechen 4. Ich-Botschaften

II Fakten | Sachlage & Standpunkte | Perspektiven einsammeln
Konfliktfelder – Wahrnehmungen – Sichtweisen – Interessen

III Beziehung | Bedürfnisse & Wünsche | Gefühle benennen
Tiefere Ebenen – Subjektive Wahrheiten des Konfliktes – Verständnis

IV Optionen | Handlungsweisen | Lösungsansätze kreieren
Kriterien für eine Lösung – zukunftsorientiertes Sammeln – Realisierbarkeit überprüfen

V Übereinkunft | Ausgestaltung einer Lösung | Vereinbarung umsetzen
Verabredung – Widerstände – Konsequenzen

Wie schlimm ist es? 9 Eskalationsstufen nach Glasl

In diesem Bild findest du die 9 Eskalationsstufen nach Glasl,

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Bild: 9 Eskalationsstufen nach Glasl, WikiCommons, Sampi, Glasl, 1994, S. 216, 218-219.
  1. Verhärtung
  2. Polarisation & Debatte
  3. Taten statt Worte!
  4. Sorge um Image und Koalition
  5. Gesichtsverlust
  6. Drohstrategien
  7. Begrenze Vernichtungsschläge
  8. Zersplitterung
  9. Gemeinsam in den Abgrund

Wie schlimm kann es werden? Neun Eskalationsstufen (Glasl)

  • Stufen 1–3 „win-win“: Die Streitparteien meinen, dass eine Lösung noch für beide Seiten vorteilhaft wäre. z.B. Zusammenarbeiten bringt uns voran, neue Ideen, mehr Ressourcen etc.
  • Stufen 4–6 „win-lose“: Die Konfliktparteien meinen subjektiv, dass eine Partei nur auf Kosten der anderen etwas gewinnen könne – auch wenn objektiv gesehen noch „win-win“ möglich wäre.
    z.B. Zusammenarbeiten bedeutet Kompromisse machen, einstecken etc.
  • Stufen 7–9 „lose-lose“: Die Kämpfenden sind sich dessen bewusst, dass keine Seite mehr etwas gewinnen könne, sondern auf jeden Fall Verluste in Kauf nehmen müssen. Als Betroffene gilt nicht mehr „wir haben einen Konflikt“, sondern „der Konflikt hat uns“.
    z.B. Um zusammenzuarbeiten, müssten wir beide investieren, vor Gericht etc.

Eskalationstreiber – zu vermeiden!

  • Projektion (Misstrauen, Feindbilder),
  • Lawinen (Kettenreaktionen),
  • Verbale und Emotionale Eimer auskippen (Seitenlange Emails, emotionalen Ballast & Frust abladen),
  • Vorwürfe, Simplifizierung, Personifizierung,
  • Pessimismus,
  • Teufelskreise
  • Vergeltung, „Wie du mir, so ich dir“

Präventive Ansätze zur Konfliktlösung

  • Achtsame und Wertschätzende Kommunikation, Gewaltfreie Kommunikation
  • Eigene Grenzen kennen und mitteilen – und Grenzen der anderen kennen und respektieren
  • Konsent herbeiführen (Handlungsoptionen, die über niemandes Grenzen gehen und Einvernehmlichkeit ermöglichen)
  • „Ich bin ok, du bist ok“ – Reflexion über die Verschiedenheiten von Persönlichkeits-Typen, z.B. mit Belbin oder Big Five
  • Stress-Management, z.B. mit Achtsamkeit, Autogenem Training oder Hypnose
  • Team Building
  • Psychoedukation, z.B. über innere Anteile und Transaktionsanalyse (oft stecken hinter Konflikten versteckte Belohnungen für die Akteure)

Methoden Konfliktlösung

Die klarste Methode ist natürlich eine professionelle Mediation. Doch nicht immer passt die Mediation zur Realität. Manchmal kann sich eine Person nicht auf einen Mediationsprozess einlassen – oder es wurden schon mehrere erfolglos probiert. Manchmal traut sich noch keine Partei, überhaupt anzusprechen, dass es den Konflikt gibt und dass es schön wäre, ihn zu lösen.

Dann kann es helfen, verschiedene Konfliktlösungs-Methoden mit sich selbst auszuprobieren. Wenn du für dich Klarheit und etwas persönlichen Frieden gefunden hast, dann steigt die Chance, dass du damit auch den Gesamtkonflikt entspannst. Leider erkennen wir oft gar nicht, wie wir durch unser Verhalten einen Konflikt aufrecht erhalten. Die folgenden beiden Methoden fand ich immer wieder hilfreich:

3-2-1-Methode zur Selbst-Klärung in Konflikten

Dies ist eine Methode, die eine vom Konflikt betroffene Person mit sich selbst oder einer beratenden, neutralen Person durchführen kann, um sich innerlich zu klären und zu einer konstruktiven Haltung zurückzufinden. Die rhetorische Grundlage bietet Gewaltfreie Kommunikation. Jedoch berücksichtigt die 321-Methode, dass GFK Reflektiertheit erfordert, die in Konfliktsituationen selten gegeben ist.

! Es ist wichtig, zunächst die eigenen Emotionen und Bedürfnisse anzunehmen (3) und das Gegenüber klar wahrzunehmen (2), um eine konstruktive Botschaft formulieren zu können (1)!

Um sie durchzuführen, stellst du dir vor, du würdest mit deinem „Gegner“ reden.

  1. Stell dir dein Gegenüber vor und rede Tacheles. Frust & Ballast zulassen & rauslassen, auskotzen (in sicherer Umgebung!), Kernbotschaft formulieren! (egal wie, darf hier auch beleidigend sein, aber möglichst ehrlich und mit eigener Offenbarung)
    z.B. „Ich bin verletzt und hasst dich und habe jegliches Vertrauen verloren.
  2. Rollenwechsel. Wechsle räumlich die Position, schlüpfe in die Haut deines „Gegners“, der mit Dir redet und wiederhole (3.) mit getauschter Position.
    Formuliere auch hier wieder eine Kernbotschaft mit einer Offenbarung (wenn möglich mit Emotion, Bedürfnis, Wunsch)
  3. Gewaltfreie Herzensbotschaft von dir an dein Gegenüber. 
    Nimm die Position deines Gegenübers zur Kenntnis und entwickle Mitgefühl für sie. Nimm die Emotionen und Bedürfnisse wahr (Vertrauen? Wertschätzung? Kontrolle? Respekt? …)
    Formuliere nun eine klare Botschaft, wenn möglich mit Emotion, Bedürfnis, Wunsch (siehe GFK).

In emotional besonders verstrickten und verfahrenen Situationen kann es helfen, 3 und 2 ein paar mal zu wiederholen oder eine neutrale Person zur Reflexion hinzuzuholen. In besonders verzwickten Situationen helfen Mediatoren, Therapeuten, Coaches, Supervisoren – denn in Phasen starker emotionaler Belastung kann das »Selbstcoaching« überfordernd sein, dann sollte lieber eine andere Person durch die 3,2,1-Methode führen.

Somatische Konfliktlösung – Versöhnungsprozess mit sich selbst durchführen

Wenn Konflikte erstmal ihre Dynamik entfalten, beansprochen sie oft alle Ebenen des Erlebens: Gedanken, Emotionen, körperliches Empfinden. Es ist daher manchmal nützlich, auch auf allen Ebenen den Konflikt zu lösen. Im Folgenden findest du ein Schema, um einen aktiven oder alten Konflikt aufzulösen. Es empfiehlt sich, den Prozess zunächst mit sich selbst oder mit einem Coach / Therapeuten durchzuführen, da der 2. Schritt sehr intensiv sein und neue Verletzungen hervorrufen kann.

  1. Raum für Verarbeitung schaffen. Der Prozess ist intensiv und braucht daher eine gewisse emotionale Ausdauer. Stelle dich darauf ein, unangenehme Emotionen zu- und rauszulassen.
  2. Katharsis: Angestaute Emotionen fühlen und rauslassen… egal, welche: Wut, Verletztheit, Neid, Angst, Trauer, Scham, Hass, Ekel. Fühle und zeig die Emotionen so lebendig du kannst. Schrei sie raus, gib alles. Ein Bild der anderen Person hilft, die Emotionen lebendig zu fühlen.
  3. Entschuldigen:
    Komm zunächst wieder zur Ruhe, durch Bauchatmung und Loslassen. Mach dir klar, dass du die andere Person vermutlich genauso verletzt hast, wie du dich verletzt fühlst. Entschuldige dich dafür, um das Wechselspiel zu beenden:
    3 x deutlich „Es tut mir leid, dass ich dich verletzt habe.“
  4. Wertschätzung für den anderen und die gemeinsame Zeit aufbringen.
    Im Idealfall kannst du deine Wertschätzung wie ein demütiges Gebet an die andere Person formulieren. Manche Kulturen, zum Beispiel die Tibeter, praktizieren dafür aktiv die Niederwerfung.
  5. Geständnis: Erzähle Person alles, was du bisher noch verheimlicht oder beschönigt hast. 
  6. Frieden. Meditiere für 10-15 min über den Prozess, gehe dabei möglichst nicht mehr auf Emotionen oder Gedanken ein, nimm nur noch wahr, was jetzt in dir geschieht. Lass damit los, so gut du kannst. Je klarer du zuvor deine Emotionen spüren und ausdrücken konntest, desto leichter kann der Frieden und die Freiheit werden.

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