[Anleitung] Klares Feedback geben …kann Leben retten

Feedback geben ist eine kleine Kunst für sich – und eine große Gefahrenquelle für das Miteinander.
Für deine Lernkurve als Coach gilt: viel Feedback hilft viel.

Feedback geben ist quasi wie Coaching, denn du möchtest dem Empfänger helfen, ein Ziel zu erreichen und in seiner Kompetenz zu wachsen. Wir orientieren uns für das Geben und Nehmen von Feedback an dem Modell der Gewaltfreien Kommunikation.

Feedback geben: Beispielsätze

Im Zentrum deines Feedbacks stecken Feedback-Botschaften. Im Text haben wir Schlüsselformulierungen fett markiert, da diese oft hilfreich sind, um als Ich-Botschaft Feedback mitzuteilen.

  • „Mein Kollege Franz hat mich bereits 5 mal gefragt, wann er für den Firmensport angemeldet wird. Ich ärgere mich darüber, denn du hast mir schon vor 2 Wochen gesagt, dass du ihn freischaltest. Mir ist Verbindlichkeit in der Zusammenarbeit sehr wichtig.
    Bitte gib mir eine verbindliche Zusage, bis zu welchem Tag in der kommenden Woche er freigeschalten ist.“
  • Mir ist aufgefallen, dass im Gespräch mit deiner Schwester nicht gefragt hast, wie sie sich fühlt. Ich habe den Eindruck, Du scheust dich davor, emotionale Themen anzusprechen. Mein Vorschlag: Frage in Zukunft mehr nach Emotionen.”
  • “In der letzten Woche hatten wir 3 Streitgespräche. Mir kommt der Gedanke, wir sind kein gutes Team mehr. Ich möchte dafür eine Lösung finden und sehe 3 Optionen: Lasst und gezielt daran arbeiten oder uns Hilfe dafür suchen oder uns trennen.”

Gewaltfreies Feedback nach GFK

Wenn wir die 4 Schritte der Gewaltfreien Kommunikation als Orientierung nehmen, können wir definieren, wie wertschätzendes und konstruktives Feedback formuliert wird:

  1. Orientierung an konkret beobachtetem Verhalten
  2. Verstärkung der sachlichen Botschaft anhand der dazu auftretenden Emotionen
  3. Nennung der erfüllten oder unerfüllten Bedürfnisse
  4. Vorschlag oder “Wunsch für noch mehr Erfolg”, um dem Feedback-Empfänger zu helfen, sein Potenzial zu entfalten

4 Ebenen einer Feedback-Botschaft

Die vier Ebenen einer Feedback-Botschaft können mit Hilfe dem Modell der Gewaltfreien Kommunikation definiert werden. Wir nutzen das erste Beispiel von oben mit Franz‘ Firmensport.

  1. Sachbotschaft auf Grundlage einer konkreten Beobachtung: “Franz hat 5 mal nachgefragt, wann er für den Firmensport freigeschalten ist.”
  2. Eigenes Befinden dazu mitteilen: “Ich bin enttäuscht”, “Ich ärgere mich” …zum obigen Beispiel.
    Weitere Beispiel-Formulierungen: “Ich habe das Vertrauen verloren”, “Ich möchte Spaß mit dir haben beim Arbeiten”, „Ich bewundere dich“
  3. Bedürfnis formulieren: „Ich brauche Verbindlichkeit in der Zusammenarbeit“,
    …mehr zu Bedürfnissen in der Maslow-Pyramide.
  4. Vorschlag formulieren: “
    Weitere typische Formulierungen: “Mehr davon”, “Bitte weniger davon”, “Tu dies”, “Lass das”

Im einfachsten Fall kann eine klare, ehrliche Feedback-Botschaft vom Sender zum Empfänger gegeben werden. Dafür sind folgende Faktoren hilfreich:

  • Es besteht eine Vertrauensbasis zwischen Sender und Empfänger, dies zeigt sich in einer emotionalen Sicherheit und Entspanntheit zwischen beiden Personen.
  • Der Empfänger ist aufnahmefähig für das Feedback.
  • Die Botschaft ist inhaltlich klar.

 

Die Direktheits-Skala

Betrachten wir an 2 Situationen, Klettern und Supervision, wie direkt oder indirekt Feedback gegeben werden kann.

  1. Direkte Aufforderung
    Kletter: “Klemme das Seil ein.”
    Supervision: “Gib deinem Coachee mehr Anerkennung”
  2. Vollständige Feedback-Botschaft
    “Dein Seil hängt lose. Klemme es ein.”
    “Dein Coachee hat wiederholt persönliche Unsicherheit gezeigt, er bittet heimlich um Wertschätzung. Gib deinem Coachee mehr Anerkennung für sein Verhalten und Bemühen.”
  3. Show don’t tell
    “Schau, so klemmst du das Seil ein.”
    “Chris, ich fand dein Coaching schon richtig gut. Du kannst deinem Coachee sicherlich wunderschöne Anerkennung geben. Dadurch wirst du noch erfolgreicher sein und dein Coachee noch dankbarer, so einen tollen Coach wie dich zu haben.”
  4. Höfliche Feedback-Botschaft
    “Das Seil hängt lose, dadurch könnte dein Kletterpartner fallen und sterben. Bitte klemm es lieber ein.”
    “Dein Coachee hat wiederholt persönliche Unsicherheit gezeigt. Ich glaube, er würde sich über mehr anerkennende Worte von dir freuen. Wenn du ihm mehr Anerkennung geben könntest, würde er vielleicht in Zukunft sicherer auftreten können, was ja sein Ziel ist. Wie siehst du das?”
  5. Durch Systemische Fragetechniken
    “Stell dir mal vor, dein Kletterpartner fällt jetzt und stirbt. Was kannst du tun, um einen schweren Unfall zu verhindern?”
    “Versetz dich mal in die Rolle deines Coachees, wie geht es dir da? Wonach sehnst du dich?”
  6. Durch Selbsterfahrung die Erkenntnis ermöglichen
    “Komm, wir testen mal mit einem Sandsack, was passiert, wenn er von der dortigen Höhe wie dein Kletterpartner fällt”
    “Wir machen nun eine Improtheater-Aufstellung über euren Coaching-Fall”

 

Prinzipien fürs Feedback-Geben & -Nehmen

Weiterhin gelten ein paar einfache Regeln:

  • Konsens: Überprüfe, ob dein Gegenüber offen ist für Feedback und genug Kapazität dafür hat
  • KISS: Keep it simple, stupid!
  • Form follows function: finde die passende Form des Feedbacks, sodass sie deinem Ziel und dem deines Gegenübers dient… egal ob Sandwich, Grußkarte, GIF, Regentanz oder in Verslyrik.


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