[Gewaltfreie Kommunikation] 4 Schritte als Geheimwaffe für gute Beziehungen?

Gewaltfreie Kommunikation (GFK) ermöglicht empathische und bedürfnisorientierte Kommunikation. GFK ist ein Handlungskonzept, das  Marshall B. Rosenberg entwickelt hat, und das zu mehr gegenseitigem Verständnis und zu einem wertschätzenden Umgang miteinander führen soll. Ziel ist letztlich, Konflikte emotional nachhaltig zu lösen. Zentrale Grundannahme der GFK ist, dass der Mensch ein empathisches Wesen ist, das nach Harmonie sucht. Es ist eine Schlüsselfähigkeit für das 21. Jahrhundert, menschlich authentisch zu kommunizieren – GFK ist ein klarer Ansatz zur Orientierung.

 

Wie Gewaltfreie Kommunikation funktioniert

GFK arbeitet mit Ich-Botschaften: der oder die gewaltfrei Kommunizierende verzichtet darauf, dem anderen Vorwürfe zu machen. Stattdessen versucht der- bzw. diejenige ihre eigenen Wahrnehmungen, Gefühle und Bedürfnisse möglichst neutral, als Bitte zu formulieren und vertraut darauf, dass das wertschätzende Akzeptanz findet. Wichtigste Prämisse hierbei ist, dass jedes zugrundeliegende Bedürfnis anerkennenswert ist (z.B. das Bedürfnis gesehen zu werden, geliebt zu werden oder auch seine Ruhe zu haben).

Gerade in Teamprozessen ist ein gutes Konfliktmanagement essenziell. GFK bietet hierfür eine extrem kraftvolle wie einfache Methode, die am besten in einem Workshop gemeinsam eingeübt werden sollte. Dann erzielt man die besten Resultate, weil dann alle die Regeln des Spiels kennen. Ohne in einen starren Formalismus zu verfallen, kann man sich an folgenden vier Schritten orientieren:

Gewaltfreie Kommunikation in vier Schritten

  1. Wertfreie Beschreibung einer konkreten Situation oder Handlung, die man beobachtet hat
  2. Gefühle in Ich-Botschaften ausdrücken
  3. Bedürfnisse formulieren, die hinter den Gefühlen stehen
  4. Bitte um konkrete Handlung, ehrlich und in einem angemessenen Tonfall

In einer anderen Formulierung kann der GFK 4-Schritt bezeichnet werden als die 4 B’s: Beobachtung, Befinden, Bedürfnis, Bitte.

Hier ein Video von Rosenberg persönlich, in welchem er mit zwei Puppen ein typisches Kommunikationsproblem darstellt und dessen gewaltfreie Lösung.

Vorteile von einem Training Gewaltfreier Kommunikation

  • Das Erlernen der Grundlagen gewaltfreier Kommunikation hat eine sehr steile Lernkurve. In wenigen Sitzungen kann so eine neue Kommunikationsbasis für das gesamte Team geschaffen werden.
  • Die Methode von Rosenberg hat sich gerade bei Konfliktsituationen als solides und sicheres Kommunikationswerkzeug bewährt.
  • Die Prinzipien von GfK haben nicht nur Auswirkungen innerhalb des Teams, sondern können die Kommunikation nach außen und im privaten Bereich ebenfalls entscheidend verbessern.

Gewaltfreie Kommunikation lernen

  1. Setze dir ein Lernziel: Was möchtest du erreichen, indem du Gewaltfreie Kommunikation erlernst? Möchtest du es für dich persönlich lernen, oder um anderen damit zu helfen? Willst du Lehrer dafür werden…oder einfach ein weiserer, souveräner Mensch im 21. Jahrhundert sein?
  2. Speed-Research: Nimm dir einen begrenzten Zeitrahmen, z.B. 45 Minuten und »scanne« das Thema. Sauge alles auf, was du in kurzer Zeit dazu finden kannst: Zeitungsartikel, Wikipedia, Anleitungen, Methodenübersichten, Social Media Diskussionen. Finde Experten, Forschungsfragen, berühmte TED Talks dazu oder inspirierende Filme und Bücher.
    Hast du ein Vorbild für dich gefunden, welche die Kompetenz besonders ausgeprägt hat?
  3. Chunking: Finde die wichtigsten Bausteine der Kompetenz, welche du repetitiv einüben kannst.
    Insbesondere solltest du ein Repertoire an Vokabeln und Formulierungen anlegen, um Bedürfnisse und Emotionen benennen zu können.
  4. Training: Übe die wichtigsten Chunks ein. Hierbei zählt vor allem die Menge an Wiederholungen und die Erhöhung der Zeit zwischen den Übungen. Dieses Prinzip nennt sich Spaced Repetition [4,5].
    Beispiel: Versuche in jedem Treffen mit einem anderen Menschen, einmal das GFK-Schema anzuwenden und eine passende Emotion und ein passendes Bedürfnis zu benennen.
  5. Fließen lassen: Entwickle ein Growth Mindset, indem du das Lernen zum Bestandteil deines Alltags machst. Baue etwas schönes mit deinem Wissen oder vermittle es weiter an andere. Suche oder baue dir einen Job, indem du deine GFK-Fähigkeiten nutzen und weiterentwickeln kannst.

Speed Learning - Lernen lernen - Lernen will gelernt sein - Lernkompetenz

Zuhören mit GFK

Gewaltfreie Kommunikation ist nicht nur ein Schema, um sich mitzuteilen, sondern auch, um beim Gegenüber zu hören / verstehen / erfühlen, worum es wirklich geht. Dafür nutze die vier Schritte, um zu erhorchen:

  1. Um welches konkrete Verhalten / um welche Situation geht es meinem Gegenüber?
  2. Welche Emotionen und Gefühle tauchten dazu auf?
  3. Welche Bedürfnisse stecken dahinter?
  4. Welcher Wunsch taucht darin auf?

Vorlage: Gewaltfreie Kommunikation Arbeitsblatt

Am Anfang hilft es für das Erlernen von Gewaltfreie Kommunikation Arbeisblätter zu verwenden und sich damit in Ruhe auf ein schwieriges Gespräch vorzubereiten. Ich habe dafür folgende einfache Variante entwickelt:

Gewaltfreie Kommunikation - Team Canvas - Team Building - Teamentwicklung - Template - Vorlage - Arbeitsblatt

Ziele von Gewaltfreier Kommunikation

  • Klare und authentische Kommunikation über das persönliche Empfinden
  • Unterscheiden von Wahrnehmungen, Interpretationen und individuellen inneren Reaktionen
  • „Im Kontakt sein“ und Verbundenheit mit sich selbst und den Mitmenschen
  • Bewusstsein über die inneren und persönlichen Vorgänge
  • Achtsamkeit für Emotionen und Bedürfnisse
  • Mitgefühl entwickeln
  • liebevoller Umgang

Bedürfnisse hinter Gewaltfreier Kommunikation

Warum ist GFK so beliebt? Welche Probleme löst es und welche Bedürfnisse stecken hinter der Praxis von GFK?

  • mit anderen Menschen in Verbindung bleiben können trotz Spannungen, Konflikten und Widersprüchen
  • schwierige Situationen im Miteinander entlasten durch eine sichere Sprache darüber
  • Selbstwirksamkeit durch die Fähigkeit, sich mitzuteilen über die eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Gefühle
  • wahrgenommen werden
  • Anerkennung
  • Akzeptanz

Welche Bedürfnisse und Gefühle gibt es?

Um sich klar mitteilen zu können, hilft ein gutes Vokabular und eine geschulte Wahrnehmung von Bedürfnissen und Emotionen. Dafür hier eine Liste zu den beiden zentralen Variablen von Gewaltfreier Kommunikation (GFK):

Bedürfnisse (siehe Maslow-Pyramide)Emotionen und Gefühle
  • Überleben
  • Schutz / physische Sicherheit
  • Flüssigkeit
  • Nahrung
  • Schlaf
  • Ruhe
  • soziale Akzeptanz
  • Zugehörigkeit zu einer Gruppe
  • Autonomie
  • Sexualität
  • Durchsetzung
  • Macht
  • Besitz
  • Status
  • Anerkennung
  • Erfolg
  • Wertschätzung
  • Selbstwirksamkeit
  • Gemeinschaft
  • Freundschaft
  • Liebe
  • Glück
  • Dankbarkeit
  • Kreativität
  • Selbstverwirklichung
  • Transzendenz, Einssein mit der Existenz der Schöpfung und des Universums
  • Wut
  • Freude
  • Ärger
  • Traurigkeit
  • Ekel
  • Überraschung
  • Langeweile
  • Aufregung
  • Zorn
  • Hass
  • Liebe
  • Verbundenheit
  • Mitgefühl
  • Einsamkeit
  • Erleichterung
  • Mitleid
  • Weltschmerz
  • Anziehung
  • sexuelle Erregung
  • Stolz
  • Dankbarkeit
  • Ehre
  • Zufriedenheit
  • Ruhe
  • Gelassenheit
  • Entspannung
  • Enttäuschung

Worträtsel Bedürfnisse für GFK

Im folgenden Worträtsel sind Bedürfnisse versteckt. Finde die Begriffe, die unter dem Puzzle stehen. Markiere jeweils den Anfangs- und Endbuchstaben. Als Belohnung bekommst du einen Gutscheincode.


Select Level:
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{{cell.letter}}

Feedback geben und nehmen nach GFK

Wenn wir die 4 Schritte der Gewaltfreien Kommunikation als Orientierung nehmen, können wir danach definieren, was

  • Orientierung an konkret beobachtetem Verhalten
  • Verstärkung der sachlichen Botschaft anhand der dazu auftretenden Emotionen
  • Nennung der erfüllten oder unerfüllten Bedürfnisse
  • Vorschlag oder „Wunsch für noch mehr Erfolg“, um dem Feedback-Empfänger zu helfen, sein Potenzial zu entfalten

Streng genommen: Feedback wird nicht einfach so gegeben, denn es könnte sein, dass die empfangende Person gerade gar keine Kapazität dafür hat. Der lernende Empfänger ist also selbst verantwortlich dafür, Feedback zu bekommen – dies gilt wahrscheinlich nur, solange die Person nicht an die Grenzen anderer Menschen stößt mit ihrem Verhalten.

Workshop GFK Berlin: Ab Herbst 2021 bieten wir auch Workshops in Gewaltfreier Kommunikation in Berlin und Leipzig an.


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