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Maslow’s Bedürfnispyramide – 5 menschliche Ebenen durch Mangel & Fülle

Die Bedürfnispyramide ist eine von Abraham Maslow erdachte Theorie, die menschliche Bedürfnisse und Motivationen hierarchisch beschreibt.

Fülle oder Mangel? Struktur in der Maslow-Pyramide

In der Maslow-Pyramide stehen unten überlebensnotwendige physiologische Bedürfnisse:

  • Essen, Trinken,
  • Schlafen,
  • Körperliche Unversehrtheit

Mangel-Bedürfnisse: Sind diese Bedürfnisse nicht erfüllt, leidet der Mensch unter einem Mangel. Dies gilt auch für einige soziale Bedürfnisse: Akzeptanz von der sozialen Gemeinschaft, körperliche Nähe

Ganz oben stehen sehr subtile Bedürfnisse der Transzendenz:

  • Träume verwirklichen
  • das eigene Potenzial entfalten
  • Verbundenheit
  • Ganzheit, Sinn
  • Glück

Diese Fülle-Bedürfnisse entstehen nicht direkt aus einem Leiden oder Mangel heraus, sondern zeugen von der Kreativität des menschlichen Geistes. Sie greifen ungenutztes Potenzial auf, verarbeiten Spannungen und Bedürfnisse, unter denen der Mensch nicht direkt leidet, welche aber zukünftig das Leben reicher, schöner & erfüllter machen. Sie schaffen zusätzlich Glück, Freude und Liebe oder verarbeiten Leid, welches in der Vergangenheit auftrat… so verarbeiten viele Kunstwerke Leid der Vergangenheit, z.B. die Bilder Frida Kahlo’s oder das Holocaust-Mahnmal in Berlin. Hier zeigt sich, dass Kreativität per se ein Verarbeiten von kognitiven Spannungen ist.

Entstehung der Bedürfnis-Ebenen in der Pyramide nach Maslow

Die Einteilung im Original bei Maslow ist etwas anders als im Titelbild dargestellt, Individualität & soziale Bedürfnisse sind dort in umgekehrter Reihenfolge. Wir haben uns auf die höheren sozialen Bedürfnisse konzentriert wie Gemeinschaft, Freundschaft und Liebe im Gegensatz zu den basaleren Bedürfnissen wie Zugehörigkeit und Akzeptanz, die nach persönlicher Erfahrung ein sehr viel Grundlegenderes Thema darstellen. Außerdem unterscheiden sich die Prioritäten oberhalb der Überlebensnotwendigkeit zwischen Menschen. Je nach frühkindlicher Prägung, Erziehung und Kultur gibt es unterschiedliche Defizite und Wertigkeiten, die die Hierarchie beeinflussen.

Persönliche Entwicklung mit der Maslow Pyramide

Die Maslow’sche Bedürfnispyramide ist ein erklärendes Modell: es gibt verschiedene menschliche Bedürfnisse, und diese sind hierarchisch sortiert, von basal bis transzendent.

Aber wir können die Maslow-Pyramide auch als Anleitung nehmen: so entfalten wir möglichst viel Glück & Erfüllung und schaffen Raum für die höchsten Bedürfnisse. Dafür funktionieren beide Wege: Top-Down als auch Bottm-Up (und natürlich auch Queerbeet, aber schauen wir zunächst auf die grundsätzlichen Strategien).

Bottom-Up oder Top-Down in der Maslow’schen Bedürfnispyramide

Wenn es ums Überleben geht, ist es klar: Bedürfnisse aus den oberen Ebene können erst erfüllt werden, wenn der Organismus ausreicht sicher & satt ist und nicht unter zu starkem Stress steht. Wer gerade übermüdet ist, um sein Leben rennt und verdurstet, gründet kein gemeinnütziges Start-Up.

Sobald das Überleben gesichert ist, gibt es noch die subjektive, gefühlte Sicherheit… viele Menschen in der westlichen Welt leben ständig auch in Stress, obwohl sie materiell im Überfluss leben. Dennoch sind soziale Sicherheitsbedürfnisse auch hier dominant: Es muss bspw. erst die Arbeitsplatzsicherheit erfüllt sein, bevor das Individualbedürfnis nach Erfolg und Selbstausdruck gefühlt wird.

Diese Notwendigkeiten beschreiben eine Bottom-Up-Entwicklung des Menschen.
Diese basalen Überlebensfunktionen können auch genutzt werden, um verworrene Geisteszustände zu entwirren: Wer sich die eigene Sterblichkeit bewusst macht, kann tief dankbar sein für alle schönen Ressourcen. Ein Beispiel findest du in dieser Geschichte einer Exorzierung.

Für Menschen, die nicht gerade vor einem Tiger weglaufen oder akute Schocktrauma verarbeiten, funktioniert aber auch das Gegenteil:

Top-Down: Inspiration und Auflösung von Neurosen

Die alltäglichen kleinen Kämpfe und Anerkennung, Gerechtigkeit, Genugtuung, Begehrtwerden können auch mal ganz klein und nichtig werden,
wenn Inspiration aus einem puren Fülle-Bedürfnis auftaucht:
Das Verwirklichen eines Musikstücks, eine faszinierende Reise, das Eintauchen in die Naturwissenschaft, das ästhetische Erblühen der Seele – durch das Eintauchen in die Wunderwerke der Natur und der Kunst können sich auch viele kognitive Spannungen lösen.

Abraham Maslow beschreibt Neurosen als ein Feststecken in der eigenen Entwicklung, als ein Scheitern der Persönlichkeitsentfaltung, z.B. aufgrund mangelnder Inspiration oder gesellschaflicher Blockaden [1]. Diese können sich manchmal dadurch lösen, dass der Fokus auf die feineren Bedürfnisse nach Glück, Kreativität, Transzendenz oder künstlerlischer Ausdruck gerichtet wird.

Ein weiteres Beispiel für Top-Down-Entwicklung ist der Overview-Effekt: Beim Anblick der Erde als Ganzes, aus Sicht des Weltalls, beschrieben viele Raumfahrer ein Gefühl tiefer Demut und Verbundenheit.

Auflistung der Bedürfnisse in der Pyramide á la Maslow von Überlebensnotwendig bis ErleuchtungSpirale-Persönlichkeitsentwicklung-Persönlichkeit-Kreativität

  • Überleben
  • Schutz / physische Sicherheit
  • Flüssigkeit
  • Nahrung
  • Schlaf
  • Ruhe
  • soziale Akzeptanz
  • Zugehörigkeit zu einer Gruppe
  • Autonomie
  • Sexualität
  • Durchsetzung
  • Macht
  • Besitz
  • Status
  • Anerkennung
  • Erfolg
  • Selbstwirksamkeit
  • Gemeinschaft
  • Freundschaft
  • Liebe
  • Glück
  • Kreativität
  • Selbstverwirklichung
  • Transzendenz, Einssein mit der Existenz der Schöpfung und des Universums

Maslow-Pyramide in der Praxis

Bedürfnisse als Quellen menschlicher Dynamik

Für das Verstehen von Menschen hilft oft ein Blick auf die Ursprünge des Verhaltens: Bedürfnisse sind die Quellen menschlicher Dynamik. Aus ihnen folgen Strategien, um die Bedürfnisse zu erfüllen. Für reife Persönlichkeiten reichen oft ein paar klare, direkte Worte an ihre Umwelt. Viele Menschen arbeiten aber stattdessen umständliche Umwege aus und hoffen heimlich auf Genugtuung, Erfüllung und Befriedigung. Das liegt an inneren Blockaden, Ängsten und Traumata.

Maslow’sche Bedürfnispyramide: Anwendung in Organisationen & Teamentwicklung

Anhand der Maslow-Pyramide lassen sich komplexe menschliche Probleme genauer analysieren und strukturieren. Z.B. in einem Team-Konflikt in einem Unternehmen hilft ein Blick auf die unerfüllten Bedürfnisse, um deren Intention & Handeln zu verstehen. Eine schlechte Arbeitsatmosphäre oder Stimmung im Team verweist meist auf die Ebene der sozialen Bedürfnisse, rund um Anerkennung, Wertschätzung, Rang, Zugehörigkeit und Status.

Maslow-Pyramide: Individuelle Bedürfnisse & Embodiment

Der Mensch ist ein biologisches Wesen. Unser Geist, unser Fühlen und Denken fußt letztlich auf neuronalen Prozessen, Hormonen und evolutionär konditioniertem Verhalten mit Trieben, Reflexen und Kulturen.

Oft hilft ein Blick auf das körperliche Empfinden, um eine verworrene Situation klarer zu sehen. Welche Körperempfindungen, welche Reize, Emotionen, Spannungen etc. tauchen wo im Körper auf, wenn es um eine bestimmte Spannung geht? Die Theorie dahinter ist Embodiment und beschreibt die relativ junge Idee der Kognitionswissenschaft, dass man geistigen & emotionalen Prozessen stets ein physiologisches Korrelat zuordnen kann. Dieses Prinzip bewährt sich insbesondere in der Trauma-Therapie und dient generell der Schulung der Selbstwahrnehmung.

Wenn zu einem bestimmten Gedanken, Gefühl oder Bedürfnis eine körperliche Resonanz gefunden wird, steigt die Chance auf eine ganzheitliche Verwirklichung.

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Quellen:

[1] MASLOW, Abraham H. Some basic propositions of a growth and self-actualization psychology. Perceiving, behaving, becoming: A new focus for education, 1962, S. 34-49.

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