Managementkybernetik

Die Management-Kybernetik befasst sich mit den Prozessen, die in von Menschen geschaffenen Organisationen stattfinden. Die Frage nach Steuerung und Lenkung in diesen Systemen steht im Vordergrund. Das Ziel ist, komplexe organische und kognitive Prozesse beschreiben und erklären zu können.

Der Grundgedanke der Kybernetik
Kybernetik kommt aus dem Altgriechischen und bezeichnet den Steuermann oder den Kapitän eines Schiffes, also den, der ein Schiff vom Hafen durch die Unwägbarkeiten der See zum Zielort bringt. Darin sind die Grundgedanken vom Lenken, Führen und Regulieren enthalten.

Kybernetik ist die Lehre von der Steuerung und Regelung in dynamischen Systemen. Sie nimmt menschliche Systeme genau unter die Lupe und überprüft sie auf die Mechanismen, die diese zur Steuerung und Regelung anwenden. Mit Systemen sind alle mechanischen, alle lebenden und alle menschlichen Systeme gemeint.

1948 gründete Norbert Wiener, ein amerikanischer Mathematiker und Philosoph die Kybernetik als interdisziplinäre Wissenschaft. Wiener fand heraus, dass in allen Systemen identische Wirkweisen ablaufen, die sogar mathematisch berechenbar sind.

Kybernetische Systeme sind dynamische Systeme. Sie finden sich
• in der Technik
• in der Biologie
• in der Physiologie
• in der kognitiven Psychologie

Kybernetik stellt Fragen
• Wie läuft die Informationsverarbeitung in dynamischen Systemen?
• Wie steuern und lenken sich diese Systeme?

Für die Bildung ihrer Modelle beschäftigen sich Wissenschaftler mit den Fragen:
• Wie sind die Systeme strukturiert?
• Wo sind die Systemgrenzen?
• Wie sehen einzelne Systemelemente aus?
• Wie sehen Teilsysteme und ihre Elemente aus?
• Wie hängen die einzelnen Teile voneinander ab?

Ihr Ziel ist, komplexe organische und kognitive Prozesse zu beschreiben und zu erklären. Somit ist die Kybernetik auch die Lehre vom menschlichen Denken, Kommunizieren, Handeln und Wirken und Bewirken.

Kybernetik zweiter Ordnung
Die Kybernetik zweiter Ordnung meint die Beobachtung der Beobachtung. Praktisch heißt das, dass biologische und strukturelle Systeme einmal als solche wahrgenommen werden. Gleichzeitig wird festgestellt, wie diese Systeme sich selbst beobachten und welche Auswirkungen das auf das System hat.

Management-Kybernetik als konkrete Weiterführung der Kybernetik
Die Management-Kybernetik untersucht jede vom Menschen geschaffene Organisation. Gemeint sind damit:

• Wirtschaftsunternehmen jeder Größenordnung
• Gruppierungen im öffentlichen Bereich
• Vereine, Verbände und Parteien
• Private Vereinigungen

Der Begründer der Management-Kybernetik ist der britische Kybernetiker Stafford Beer. Er studierte Philosophie und Psychologie an der Londoner Universität und machte sich einen Namen mit sehr praxisorientierten Untersuchungen. Management-Kybernetik ist für ihn „Wissenschaft von der effektiven Organisation“. Er hat damit praktikable Regeln geschaffen, die das Management von Institutionen und Organisationen effektiver gestalten.

Das Naturgesetz der Lebensfähigkeit
Alle biologischen und sozialen Systeme unterliegen dem Gesetz der Lebensfähigkeit. Stafford Beer hat diese Lebensfähigkeit so definiert:
• Systeme können Informationen aus der Umgebung aufnehmen
• Sie können diese Informationen verwerten
• Sie können sich an ihre Umgebung anpassen
• Sie bewahren ihre Identität
• Sie sind lernfähig

Kybernetik zur Verbesserung von Lebensqualität
Das Grundproblem aller Systeme, seien es mechanische oder menschliche, ist –nach Stafford Beer-immer gleich. Es geht um Regulierung, Lenkung und um Kommunikation und das alles so effektiv wie möglich. Um das zu bewerkstelligen, müssen die Gesetze der Kybernetik zum Einsatz kommen.
Grundlegende Erkenntnis ist, dass sich größere Gebilde aus jeweils kleineren, den Fraktalen, zusammensetzen, die den größeren ähnlich sind. Es genügt, diese Fraktale hinreichend zu kennen, um mit dem größeren System umgehen zu können.
Das Systemdenken hat seine Wurzeln in der Kybernetik.

Aus der Kybernetik sind bedeutende Errungenschaften hervorgegangen.
• Auf mechanischem Gebiet: Automaten
Computer
die heutige Informationstheorie
Maschinenbau

• im Bereich Medizin
• in der Psychotherapie
• in der Pädagogik
• in der Soziologie

Letztlich hat das Systemdenken seine Wurzeln u.a. in der Kybernetik.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Die Modelle aus der Management-Kybernetik dienen den Zielen:

• die Komplexität in menschlichen Systemen in den Griff zu bekommen
• möglichst optimale Ergebnisse erzielen
• arbeiten so effektiv wie möglich

Beispiele aus der Praxis:

• Mit Design Thinking zum Kundenwunsch
Das Design Thinking in Unternehmen befasst sich mit Lösungen komplexer Probleme und fragt dabei vom Kunden her: Ist die Lösung wirtschaftlich, machbar und erwünscht?
• Mehr Agilität in Unternehmen
Agilität meint die Fähigkeit einzelner oder Gruppen, z.B. Unternehmen, auf neue Anforderungen oder veränderte Bedingungen einzugehen, ohne dass die Qualität der Arbeit leidet.
• Kognitive Verzerrungen sind Denk- und Wahrnehmungsfehler, die regelmäßig auftreten und unbewusst ablaufen. Sie beeinflussen z.B. auch die Kaufentscheidung für ein bestimmtes Produkt. Wenn sich Marktforschung und Verkaufspsychologie mit dem Thema befasst, kann sie sich das zunutze machen.