Design Thinking [Überblick] – Prozess, Methode & Mindset

Design Thinking ist der Goldstandard für Innovationen. Es ist ein strukturierter Kreativitäts-Prozess, der dich vom Dunkel ins Licht der kreativen Problemlösung bringt! Im Zentrum steht dabei der Mensch mit seinen Bedürfnissen, Ängsten, Träumen, Hoffnungen und Sehnsüchten… Design Thinking öffnet den Geist für kreative Ideen. So entsteht Mut zu Experimenten und der Wille, alle Entscheidungen und Prozesse darauf auszurichten, eine wertvolle Lösung zu entwickeln.

Für wen ist Design Thinking?

Design Thinking ist ein sehr populärer Ansatz für Agilität & New Work in Organisationen. Diese Methoden imitieren die Arbeitsweise erfolgreicher Start-Ups. Sie werden von vielen kleinen wie großen Unternehmen gelebt und sind aus der neuen Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken. Die erfolgreiche digitale Transformation der Wirtschaft, Bildung und Verwaltung erfordert an allen Ecken und Enden neue Prozesse, neue nutzer-freundliche Interfaces, Softwares, Dienstleistungen, Lernprozesse und Denkweisen. Design Thinking ist ein nützlicher Kompass für die Neugestaltung der Organisationswelt.

Kompetenzen im Design Thinking

Design Thinking schult drei Kompetenzbereiche: Kreatives Selbstvertrauen, Agilität und Beziehungskultur.

Design Thinking Kompetenzen - unternehmen-produktentwicklung-organisationsentwicklung-marketing

Kreatives Selbstvertrauen bedeutet Mut, um neue Wege auszuprobieren und die Kompetenz, diesen Mut auch in eine innovative Lösung umzuwandeln. Die Grundlage dafür ist das richtige Mindset, insbesondere das Growth Mindset. Durch die Erfahrung, wirklich etwas bewegen zu können, vergrößert sich das Selbstbewusstsein, auch zukünftig neue Lösungen zu erwägen. Für all das steht dir ein großer Methodenkoffer zur Verfügung, angefüllt mit Kreativitätstechniken, Blaupausen für kreative Prozesse, Innovationsmethoden und Erfolgsgeschichten. Kreativitäts-Heuristiken sind die Asse, die du stets im Ärmel haben solltest, um sie im komplexen Prozess aus dem Ärmel zu schütteln.

Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten. – Albert Einstein

Agilität schafft Effektivität: Entwickle Prototypen statt Jahrespläne und arbeite in Sprints und hole regelmäßig Feedback ein, um nah an den Bedürfnissen der Nutzer zu bleiben.
Vieles muss nicht bis zum Ende perfekt ausgetüftelt werden. Es genügt, einen funktionierenden Prototypen zu haben, bei dem Fehler vorhanden sind. Die Fehler lassen sich in dem iterativen Prozess (Trial & Error) ausfindig machen und optimieren.

Design Thinking stärkt die Beziehungskultur, da in der Empathie-Phase bewusst Raum geschaffen wird für das Zwischenmenschliche und der kreative Prozess alle Persönlichkeiten und Kompetenzen einbezieht. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ist für einen kreativen Prozess elementar. Menschen-zugewandte Kommunikation, z.B. durch gewaltfreie Kommunikation, Mediation und Führungskompetenz, hilft einem gesunden und kreativen Miteinander.
>> mehr zu Beziehungskompetenz

Design Thinking Mindset

Der bedeutendste Faktor für Innovation ist weniger die Methode, sondern das richtige Mindset. Übersetzt bedeutet Mindset so etwas wie Denkweise, Geisteshaltung, die richtige Einstellung. Es geht hier also um Psychologie. Es gibt eine ganze Reihe moderner Mindsets, die sehr kompatibel miteinander sind, darunter das Creative Mindset, das Entrepreneurial Mindset, das Mindful Mindset und das Design Thinking Mindset. Die folgende Umfrage in einem Workshop mit Agilitäts-Experten zeigt gut, welches Mindset die Menschen mit Design Thinking verbinden:

Design Thinking ist mehr als eine Sammlung von Methoden oder als ein Prozessschema. Es ist eine Haltung! Die Design-Thinking Mentalität soll Kreativität und Teamgeist zur Entwicklung neuer Lösungen fördern. Dieses Mindset im Team zu etablieren, ist mindestens so wertvoll wie die Methoden. Ein einfacher, zentraler Bestandteil ist die Offenheit für Veränderung und die Möglichkeit, Freude und Neugier am Lernen zu erfahren, anstatt sich der Veränderung zu verweigern.

Haltung Kreativität Design Thinking Mindset

Design Thinking Prozess

Es finden sich verschiedene Definitionen des Design Thinking Prozesses mit 4-7 Phasen. Da ich Design Thinking als Blaupause für sehr unterschiedliche Prozesse benutze, finde ich es gut, zunächst die abstrakte Form des Double Diamonds mit Problemraum und Lösungsraum zu betrachten:

In dem jeweiligen Problem- und Lösungsraum können alle möglichen Methoden einsortiert werden, sodass sich für die konkrete Herausforderung und die relevanten Akteure ein eleganter und schöner Prozess ergibt. Für den idealen Innovations-Prozess wird dann quasi Design Thinking auf sich selbst angewandt, um den Nutzern der Methode, den Design-Thinking-Coaches/-Anwendern und -Teilnehmern ein möglichst effektives Arbeitserlebnis zu bieten.

Für die meisten Fälle hilft die kanonische Form, die am häufigsten verwendet wird und z.B. von der School of Design Thinking in Potsdam gelehrt wird. In diesem „Standardmodell“ gibt es 6 Phasen, je 3 im Problem- und Lösungsraum:

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Das Schaubild stellt den Design Thinking Prozess in 6 Schritten dar. Es gibt aber auch Formen, die 5 oder 7 Schritte enthalten. Mit der Darstellung in 6 Schritten sortiert in die beiden Schritte: Der Problemraum und der Lösungsraum.

Alle Überlegungen starten beim Nutzer, Anwender, Kunden oder Seminarteilnehmer und seinen Bedürfnissen.

Design Thinking Methoden im Prozess mit 6 Phasen

  1. Verstehen des Systems: Der aktuelle Zustand, die Stakeholder-Struktur, das soziale Kraftfeld, werden in den wichtigsten Zusammenhänge von den Anwendern des Design-Thinking-Prozesses verstanden. Experten können Einblick in das Thema geben.
  2. Empathie aufbauen für die menschlichen Anteile: Das Bedürfnis der Menschen nach Veränderung soll erkannt werden, ihre Probleme ernst genommen werden. Eine Orientierung für menschliche Bedürfnisse bietet die bekannte Maslow-Pyramide.
  3. Synthese: Zusammenfassung und Reduktion der Informationen auf die wichtigsten Gestaltungsspielräume (engl. Fields of Innovation). Aus der Analyse der Ausgangslage und der Betrachtung der menschlichen Bedürfnisse wird eine Schlussfolgerung nach relevanten Bedarfen gezogen. Oft wird ein POV (Point-of-View) definiert mit: Kontext, Persona, Bedürfnis.
  4. Ideen entwickeln: Für den festgestellten Problemsituation wird eine Lösungsidee entwickelt. Hier kommen Kreativitätstechniken zum Einsatz, um die Kreativität zu entfesseln und in die richtigen Bahnen zu lenken.
  5. Prototyping: Die Idee wird in einem ersten funktionierenden Prototypen umgesetzt, z.B. mit Lego, Rollenspielen oder einfach Papier und Stift.
  6. Testen: Der Protoyp wird getestet, Rückmeldungen von den Testläufen werden gesammelt. Dies gibt den Ausgangspunkt für die weitere Strategie und darin z.B. die weitere iterative Konzeptentwicklung: der Prototyp wird verändert, erneut gibt es Rückmeldungen, usw.

Nach dem ersten 6-phasigen Sprint beginnt ein agiler, iterativer Prozess, der das Feedback der Nutzer einfließen lässt in die Verbesserung der Zielgruppen-Analyse und der Prototypen-Gestaltung. Vorlage dafür sind das japanische Konzept Kaizen, welches einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) anstrebt zur Optimierung der entstehenden, designten Werke.

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Im Idealfall wird aus einer Fülle an Lösungsmöglichkeiten in einer sich wiederholenden Form von Intuition, Versuch und Irrtum die beste Lösungsvariante gewählt. Am Ende steht ein auf das Nutzerbedürfnis passendes Lösungskonzept.

Design Thinking entfaltet seine größte Kraft, wenn es allen Beteiligten gelingt, in allen Phasen offen und kreativ mit dem Prozess umzugehen. Dabei kann die Beachtung der zehn Gebote und der sechs Prinzipien des Design Thinking helfen.

Brainstorming & Ideation im Design Thinking – Prozess

Besonders stark mit Design Thinking wird die kreative Phase assoziiert, in der neue Ideen und Lösungswege entwickelt werden. Die zugrunde liegenden Kreativitätstechniken existierten natürlich auch unabhängig von Design Thinking. Sie spielen eine wichtige Rolle, denn der Flaschenhals unserer Kultur ist nicht das analytische und psychologische Denken, sondern die geistige und emotionale Flexibilität, sich auf radikal neuartige und unkonventionelle Ideen einzulassen. Deswegen sprechen die Design-Thinking-Prinzipien, sowie die allgemeinen Prinzipien der Kreativität eine klare Sprache der Ermutigung: Traue dich, ungewöhnlich zu denken, rumzuspinnen und wilde Ideen auch bei anderen zuzulassen!

Design Thinking Prinzipien Schule & Schulentwicklung

Hindernis: In der Kognitionspsychologie gibt es den „Inertia-Effekt“, der die Trägheit des menschlichen Geistes beschreibt. Unser Gehirn entwickelt mit der Zeit stark ausgebaute Gewohnheitsmuster, neuronale Autobahnen, sodass wir zu alten Verhaltensweisen immer wieder zurückkehren. In Organisationen kommen dann Aussagen wie das haben wir schon immer so gemacht, das geht nicht anders“ oder „das ist historisch gewachsen“. Das sind Kreativitätsblockaden, die man möglichst auflösen muss.

Wenn sich die Teilnehmenden einlassen auf den kreativen Prozess, kann ein gemeinsamer Flow entstehen, der schon an sich eine erfüllende und schöne Erfahrung ist. Hier ein Beispiel-Video aus dem Online-Kurs Creative Self:

In dem Video wird die Methode 3×3-Brainstorming angewandt, die besonders einfach gemeinsamen kreativen Gedankenfluss organisiert, sowohl für neue wilde Ideen als auch das Aufeinander-Aufbauen von neuen Lösungen.

Design Thinking Schritt-für-Schritt: Präsentation mit Templates

In der folgenden Präsentation findest du einen typischen Ablauf von Design-Thinking-Schritten durch den Prozess mit kurzen Anleitungen und Templates.

Hier finden folgende Methoden statt: Stakeholder-Map, Interviews mit systemischen Fragetechniken, Bedürfnis-Analyse, Persona, WM-Frage, Ideen-Matrix mit Kreativitäts-Heurisitiken, Ideen-Auswahl, Ideen-Skizze, Morphologischer Kasten als Vertiefungs-Option, Prototyping,  Testing mit Feedback Grid, Roadmap mit Meilensteinplanung und Implementierungs-Plan.

Anwendung & Nutzen: Das kannst du mit Design Thinking gestalten

Einer der größten Anwendungsbereiche für Design Thinking ist die Entwicklung neuer Produkte oder die Erschließung neuer Geschäftsfelder. Doch Design Thinking ist ein mächtiges Werkzeug für alle Innovations- und Veränderungsmomente. Im Berufsalltag kannst du damit Meetings gestalten oder Kommunikations- und Organisationsprozesse neu denken. Events und Veranstaltungen werden zu einer kreativen Erfahrung, oder du entwickelst in deiner Gruppe eine völlig neue Teamkultur: Team-Building– und Teamentwicklungs-Prozesse können wie Lernprozesse durch Design Thinking gestaltet werden.

Du kannst auch deine täglichen Herausforderungen wie Geburtstagsplanung, Einkauf oder Hausumbau damit lösen. Letztlich hilft Design Thinking bei allem, was für Menschen entwickelt wird!

Übersicht Anwendungsfelder Design Thinking: 4 Quadranten

Systemisches Design Thinking - 4 Quadranten Teamentwicklung Mindset

Individuell innen: Kultiviere dein Mindset und deine Glaubenssätze. Entwickle Visionen, Träume, Kompetenzen und Werte. Arbeite an inneren Orten & Welten sowie deiner Persönlichkeit. Probiere Selbstcoaching, Autogenes Training & Achtsamkeit.

Individuell außen: Pflege gesunde & kreativitätsfördernde Gewohnheiten und achte auf dein Auftreten, Image, Lebenslauf, Sprache und Sprachmuster.

Kollektiv außen: Entwickle sichtbare Marketing-Strategien, ein Netzwerk, arbeite an einer strategischen Ausrichtung der Organisation, entwickle Produkte & Services, Prozesse, Kommunikationsstrukturen, Gemeinschaften und Kulturen. Change Management kann gut mit Design Thinking moderiert werden.

Kollektiv innen: Lege für deine Gruppe Vision, Kultur, Werte sowie geteilte innere Bilder, Suggestionen fest. Schaffe eine veränderte User Experience. Kultiviere vertrauensvolle Beziehungen.

Design Thinking lernen

Um DT zu lernen, gibt es folgende Wege:

Video-Kurs Design Thinking

Im DT Video-Kurs wird der Design Thinking Prozess einmal Schritt-für-Schritt erklärt, im Kontext Bildung, Lehrerqualifizierung und Unterrichtsgestaltung. Hier findest du das erste Video und darunter die Links zu den 6 Folgen des Video-Kurses.

Zum Design Thinking Video-Kurs Übersicht

Yoga Thinking als ganzheitliche DT-Erweiterung

Yoga Thinking wurde seit 2015 von Galina Emelina, Jonas Fleischer, Lisa Günther, Julia Primavera, Anita Sehagic, Lea Feldhaus und mir begründet. Yoga Thinking hebt Design Thinking auf eine ganzheitlichere Ebene und berücksichtigt die körperlichen Bedürfnisse während der kreativen Kopfarbeit – denn ein Design Thinking Workshop macht zwar Spaß, aber kann auch ganz schön an den Kräften zehren im Laufe des Tages. Durch mehr Entspannungsphasen und Embodiment kann  mehr Tiefe in der Empathie- und Kreativitätsphase entstehen… Mehr zu Yoga Thinking.

Hier findest du eine einfache Übung zur Verbindung von Brainstorming und Yoga Asanas:

Und hier eine Impression aus unserem ersten Yoga Thinking Workshop (2016):

Noch tiefer einsteigen? Komm zum Systemischen Design Thinking!