4 Reframing-Strategien für
Out-of-the-Box-Kreativität

„Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“
Albert Einstein

Reframing bedeutet, den Rahmen zu verändern, sodass neue Denkweisen möglich werden.
Dafür unterscheiden wir 4 mögliche Strategien:

  1. Kontext-Reframing: wir übertragen das Problem in einen analogen Kontext, in dem es leichter zu lösen ist, den wir uns leichter vorstellen können oder der uns mehr Inspiration spendet.
  2. Perspektiven-Reframing: Wir ändern den Ort, von dem wir “durch den Rahmen gucken”, zum Beispiel zu einer anderen Person oder aus einem anderen Zeitpunkt.
  3. Ressourcen-Stretching: die Rahmenbedingungen werden skaliert, um neue Möglichkeitsspielräume zu eröffnen.
  4. Level-Reframing: hier wechseln wir das Komplexitäts-Level und suchen dort nach Inspiration.

Kontext-Reframing

Reframing - Kontext

Beim Kontext-Reframing suchen wir in einem analogen Kontext nach Lösungen für unser Problem. Dafür müssen wir aber zunächst eine Abstraktion vornehmen: Was ist das zentrale Bedürfnis oder die technische Funktion, mit der wir nach Lösungen suchen?

Anleitung: Kontext-Reframing

  1. Benenne das aktuelle Anliegen.
  2. Nimm die dahinter liegende zentrale Funktion wahr,
    zumeist ist dies das stärkste Bedürfnis der zentralen Person bzw. Personengruppe.
  3. Finde einen Kontext, indem dieses Bedürfnis besonders prägnant zur Geltung kommt.
  4. Übertrage Elemente und Prinzipien aus der Analogie in das ursprüngliche Anliegen.

 

Beispiel: Warten am Flughafen

Eine Challenge in der Design Thinking – Ausbildung ist oft:
Verbessere das Erleben des Wartens am Flughafen am Gate auf den Abflug.

  1. Anliegen: Warten am Flughafen kann sehr unbequem und nervtötend sein. Mit wenig Gepäck, vielen Reizen und oft unbequemen Wartesälen hängen Reisende am Flughafen herum.
  2. Bedürfnis: die Zeit soll auf angenehme Art und Weise schnell vorbeigehen
  3. Mögliche Analogien: sich verlieben, Spaßbad, Kindergeburtstag, Entspannungs-Traumreise
  4. Übertragung: “Fragen zum Verlieben” für Wartende, Raum für sinnliche Unterhaltung, kleine Spiele zur geistigen Unterhaltung im Warteraum platzieren

 

Perspektiven-Reframing

Reframing - Perspektivenwechsel

…wie sähe es aus, wenn wir es einem kleinen Kind erklären? Oder die Erfindung auch für Oma funktionieren soll?

Die berühmteste Form des Perspektiven-Reframings ist der Perspektiven-Wechsel zu einer inspirierenden Vorbild-Person: Was würde wohl Superman tun? …oder je nach Fall Steve Jobs, Angela Merkel oder Mutter Theresa?

Anleitung: Vorbild-Reframing

  1. Benenne das Thema, entweder in Form des Problems oder bereits in Form einer lösungsorientierten Frage (zum Beispiel der WM-Frage).
    Beispiel: »Du steckt mit deiner Freiberuflichkeit fest. Es gibt viel Nachfrage, doch du kommst einfach nicht mehr hinterher, dich um alle Baustellen gleichzeitig zu kümmern.«
  2. Identifiziere ein Vorbild zu dem Thema, dies kann ein Mentor sein, ein Bekannter oder auch eine berühmte Person.
  3. Formuliere eine lösungsorientierte Frage aus der Perspektive dieses Vorbilds.
    »Wie würde deine unternehmerisch erfolgreiche Cousine an deine Situation herangehen?«
  4. Sammle Ideen aus der neuen Perspektive.

Natürlich können auch mehrere Perspektiven ausprobiert werden.

Spezialform: Reappraisal (Reattribution)

Hier geht es darum, eine angenehmere Sicht zu entwickeln. Wenn wir sowieso nichts mehr ändern können, ist es doch viel angenehmer, sich auf die positiven Perspektiven zu konzentrieren!

Ein zunächst unangenehmes Thema wird in eine Perspektive gerückt, in der es in einem positiveren Licht erscheint.
Das Märchen Hans im Glück ist die Extremform dieses Prinzips (Was hab ich nur wieder für ein Glück, dass ich die Last meines Besitzes verloren habe!).

Beispiel Verantwortung im Job:

A: „Puh, mein Chef kommt immer zu mir, wenn er möchte, dass sich jemand um diesen schrecklich schwierigen Kunden kümmert, der aber leider der entscheidendste ist.“
B: „Wow, dein Chef muss dir wirklich sehr vertrauen!“

 

Ressourcen-Stretching

Reframing - Ressourcen - Stretching - Randbedingungen

 

Hier behalten wir sowohl den Kontext als auch die Perspektive bei, vergrößern, verkleinern oder verschieben aber die Rahmenbedingungen.

Powers of Ten

Hier werden die zur Verfügung stehenden Ressourcen erweitert oder verknappt. Dafür springen wir ein paar Zehnerpotenzen nach oben oder unten (Powers of Ten heißt auf deutsch Zehnerpotenzen).

Beispiel: Wie könnten wir die Vision erreichen…

  • in 10 Tagen,
  • in 10 Jahren,
  • mit nur 1 Person,
  • als 100-köpfiges Unternehmen,
  • ohne weiteres Geld auszugeben,
  • mit 1 Million Euro Investitionskapital.

Anleitung: Powers of Ten

  1. Benenne die Herausforderung.
  2. Identifiziere die wesentlichen Ressourcen und Rahmenbedingungen.
  3. Identifiziere Größenordnungen für die Ressourcen, sodass sie zu neuen Ideen und Möglichkeiten inspirieren. Du kannst dafür sowohl hoch als auch runterskalieren.
  4. Formuliere die Herausforderung um mit variierten Rahmenbedingungen.
  5. Sammle Ideen.

 

Level-Reframing

Im Level-Reframing wird die Flughöhe verändert: Auf wieviel System und welches Level an Komplexität schauen wir?

Beispiel: Wenn es um Unzufriedenheit im Projektmanagement für ein Kundenprojekt geht, könnte stattdessen im größeren Level das ganze Unternehmen oder der ganze Markt betrachtet und aus dieser Ebene Lösungen hergeleitet werden. Im kleineren Maßstab könnte das tägliche Task-Management oder die Rollen-Koordination im Projekt gelöst werden.

Das Komplexitäts-Level kann unterschieden werden anhand der:

  • Größenordnung der Elemente im System
  • Größenordnung der Verbindungen zwischen den Elementen
  • Kompliziertheit der funktionalen Verbindung

Anleitung Level-Reframing:

  1. Benenne die Herausforderung
  2. Identifiziere die prominente Größenordnung:
    1. Um wie viele Personen / Elemente / Anteile / Beziehungen geht es?
    2. Benenne die unterschiedlichen Größenordnungen,
      z.B. individuell – Team – Abteilung – Unternehmen – Branche,
      oder: Emotionen – Gedanken – Verhalten – Individuation – Gruppendynamik
  3. Formuliere die Herausforderung um auf einem anderen Komplexitäts-Level.
  4. Sammle neue Ideen,

 

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