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Law of Attraction – nützlicher Schwindel – 5 psychologische Effekte zur Enttarnung

Das Law of attraction wird auf Deutsch meist als das Gesetz der Anziehung oder Resonanzgesetz verbreitet. Vereinfacht ausgedrückt behauptet es:

„Wenn du Erfolg haben, ein Ziel erreichen möchtest,
brauchst du es dir nur ausreichend oft bildlich vorzustellen und so zu tun, als ob es bereits Wirklichkeit wäre,
und dann wird dein Wunsch Wirklichkeit werden“.

oder

„If you can dream it, you can do it“

Beispiel: Du möchtest Führungskraft auf Arbeit sein oder Millionär werden oder die Liebe deines Lebens kennenlernen? Kein Problem: Stell es dir einfach jeden Morgen 10 min lang ganz detailliert vor und freu dich jeden Tag darauf, und eines Tages wird es Wirklichkeit sein.

Im Neurolinguistischen Programieren (NLP) ist das Law of Attraction eine behauptete Wirkungsgrundlage, „Programmiere dich auf Erfolg, indem du das gewünschte Resultat visualisierst, fühlst, es dir mental einprogrammierst!“ Leider steckst es voller Vereinfachungen und psychologischer Verzerrungen.

Gute selektive Wahrnehmung, schlechte selektive Wahrnehmung

Das wichtigste Prinzip hinter dem Law of Attraction ist die selektive Wahrnehmung – ein Grundeffekt der menschlichen Aufmerksamkeit, der dazu führt, dass wenige relevante Informationen ins Bewusstsein kommen und sehr viele Informationen drumherum ausgeblendet werden. Ein klassisches Beispiel ist der Cocktail-Party-Effekt: lauter Menschen sprechen über alles mögliche, davon dringt weniges zu deinen Ohren. Aber wenn dein eigener Name irgendwo genannt wird, hörst du plötzlich auf, auch unter dem diffusen Gebrabbel der Masse. Die selektive Wahrnehmung filtert das meiste heraus und lässt nur die Reize durch, die wahrscheinlich für dich relevant sind. Das ist sehr natürlich und gesund, denn schließlich könnten wir niemals alle Reize um uns herum gänzlich verarbeiten.

Selektive Wahrnehmung und Selbsterfüllende Prophezeihungen als Grundlage für das Law of Attraction

Selektive Wahrnehmung ist eine gute Grundlage für Selbsterfüllende Prophezeihungen: aus der Erwartung, dass ein bestimmtes Ereignis eintritt, entsteht eine Rückkopplung an das Verhalten. Das Verhalten führt dann ggf. das erwartete Resultat herbei.

Ein negatives Beispiel habe ich oft im Mathematik-Unterricht erlebt: „Ich kann einfach kein Mathe, meine Eltern konnten auch schon kein Mathe und als Mädchen werde ich es auch nie lernen“… womit dieser Glaubenssatz verhindern kann, dass sich das Kind überhaupt erst darum bemüht, Hilfe annimmt oder weitere Lernschritte unternimmt.

Positives Beispiel für eine selbsterfüllende Prophezeihung: Weil ich erwarte, dass ich gesund und fit bis ins hohe Alter bin (Wunsch), ernähre ich mich gesund (Verhalten) und genieße meine sportlichen Fähigkeiten (verstärkende emotionale Emotion), wodurch ich gesund und fit werde oder bleibe (erwartetes Resultat).

Sofern das Ereignis (z.B. schlechte Noten in Mathe) tatsächlich eintreten kann und beeinflussbar ist durch das individuelle Verhalten (Mathe üben oder nicht Mathe üben), wird dann die Erwartung daran („ich werde schlechte Noten in Mathe bekommen“) zum Wirkfaktor für das Resultat. Dies wird insbesondere begünstigt durch folgende Effekte:

5 Positive psychologische Effekte hinter dem Law of Attraction

Popularität ist noch lange kein Garant für Wahrheit: auch wenn die Mehrheit der christlichen Welt im Mittelalter überzeugt war – die Erde ist nicht das Zentrum des Sonnensystems. Und nur weil ein paar Promis, Gurus und Millionäre das behaupten, kann das Gesetz der Anziehung nicht die Statistik und Naturwissenschaft aushebeln. Dennoch gibt es ein paar nützliche psychologische Effekte, die mit der Praxis des Law of Attraction einhergehen:

  1. Focusing: das wesentliche, bedeutsame Ziel wird zum Zentrum der Aufmerksamkeit und möglichst ganzheitlich im Nervensystem bearbeitet. Dabei können bisher übersehene Möglichkeiten zu Tage kommen, Widerstände aufgelöst werden, neue Haltungen erfahren werden.
  2. Growth Mindset: Ich sehe die Chance, mein Ziel zu erreichen und dabei als Mensch, Persönlichkeit und Geist zu wachsen
  3. Placebo-Effekt: es tritt eine positive Wirkung auf, die nicht aufgrund spezifischer Tätigkeiten / Methoden hervorgerufen wird, sondern aufgrund allgemeiner, statistischer Faktoren… Regression zur Mitte, zufällige Begegnungen, emergentes Zusammenkommen bisher angesammelter Ressourcen, oder eben durch die selbsterfüllende Prophezeihung. Da der Mensch ein komplexes System ist, gibt es Spielraum für Emergenz neuer Zustände.
  4. Überwindung der Trägheit / Inertia-Effekt: Durch negative Erfahrungen in der Vergangenheit, den inneren Schweinehund und eingefahrene Gewohnheiten kann sich eine lähmende Trägheit einstellen, im Extremfall ein durch ein Trauma hervorgerufener Freeze-Zustand. Dann ist es hilfreich, in irgendeine Aktion mit der Intention des Ziels zu kommen. Allein dadurch, dass ich überhaupt irgendetwas in die gezielte Richtung unternehme, lerne ich, bekomme Feedback, sammle evtl. neue Ressourcen – anstatt in jammernder Opferhaltung zu verharren.
    Aber Achtung, es gibt auch den Action Bias: der Action Bias ist eine unnötige oder unnütze Handlung, die keine oder sogar eine negative Wirkung hat und z.B. auch aufgrund eines getriggerten Sympatikus entstehen kann, also eher der Fight-or-Flight-Zustand, auch z.B. durch frühere Traumen.
  5. Positiver Halo-Effekt: Aufgrund der Überzeugung einer Sache entsteht eventuell schon ein gesteigertes Selbstbewusstsein, positive Haltungen und Verhaltensweisen. Durch das überzeugende Auftreten schließen andere Menschen womöglich auf positive Kompetenzen und Erwartungen, dass du deine Ziele auch erreichst und bieten Unterstützung.

Torheiten & kognitive Verzerrungen im Law of Attraction:

Confirmation Bias: Informationen werden so ausgewählt, dass sie die eigene Erwartung oder Hoffnung erfüllen, auch wenn sie gänzlich anders zu deuten wären. „Das hab ich ja schon immer gewusst“ ist dann eine typische Aussage.

Attributionsfehler: ein Erfolg wird oftmals lieber den Persönlichkeitsmerkmalen einer Person zugeschriebn anstatt den variablen Umweltbedingungen. Im Falle des Laws-of-Atrraction wird ein eventuell zufälliges positives Ereignis der „Vorstellungskraft“ zugeschrieben, auch wenn dieses Ereignis genauso wahrscheinlich eingetreten wie eh und je. Dies ist eine illusorische Korrelation. 

Recall Bias: Besonders leicht funktioniert dies im Rückblick, wenn vergangene Erfahrungen verklärt oder falsch zusammengefügt werden (natürliche Schwäche des menschlihen Gehirns).

Manchmal hilft auch ein Horoskop, eine Wahrsagerin oder Schamane, dann setzt der Horoskop-Effekt ein (auch Barnum-Effekt / Barnum-Aussagen / Forer-Effekt). Dieser besagt, dass allgemeine, schwammige Aussagen über eine Person meist als wahr und stimmig angenommen werden, eben wie in den Horoskop-Texten in der Zetiung.

Manipulationen und kognitive Verzerrungen bei der Bewerbung des Law of Attraction:

Selection Bias: Wie oft bei der Bewerbung und Anpreisung von Produkten / Ideen / Modellen, werden vor allem positive Beispiele ausgewählt und keine statisch repräsentative Auswahl.

Emotionale Beweisführung: Weil es sich gut anfühlt, muss das Law-of-Attraction wahr sein. Allein die Imagination fühlt sich eventuell gut an und all die schönen Geschichten.

Quelle: