Speed Learning – So brauchst du nie wieder eine Weiterbildung

So funktioniert Speed Learning

  1. Setze dir ein Lernziel
    Beispiel Kreativität: »Ich möchte Kreativität praktisch und wissenschaftlich durchdringen, sodass ich an Hochschulen Seminare über Kreativität geben kann.«
    Definiere:

    1. Welche Kompetenz möchtest du erlernen?
    2. Wie gut möchtest du eine bestimmte Kompetenz erlernen?
    3. Was möchtest du damit erreichen?
    4. Möchtest du sie für dich persönlich lernen, oder um anderen damit zu helfen?
    5. Willst du Lehrer dafür sein oder ein berühmter Experte? …oder einfach ein weiserer, souveräner Mensch im 21. Jahrhundert sein? …oder suchst du nur ein Zertifikat für deinen Lebenslauf?
  2. Speed-Research: Nimm dir einen begrenzten Zeitrahmen, z.B. 45 Minuten und »scanne« das Thema. Sauge alles auf, was du in kurzer Zeit dazu finden kannst: Zeitungsartikel, Wikipedia, Anleitungen, Methodenübersichten, Social Media Diskussionen. Finde Experten, Forschungsfragen, berühmte TED Talks dazu oder inspirierende Filme und Bücher.
    Hast du ein Vorbild für dich gefunden, welche die Kompetenz besonders ausgeprägt hat? Dann sauge Videos, Interviews und Texte von dieser Person auf.
    Beispiel Kreativität: Schaue 3 TED-Talks, lerne, wie Kreativität im Gehirn entsteht, überblicke Kreativitätsmethoden und Kreativitätsprinzipien. Probiere eine Technik davon aus, um deine nächste Aufgabe neu anzugehen.
  3. Chunking: Finde die wichtigsten Bausteine der Kompetenz, welche du repetitiv einüben kannst.
    Beispiel Kreativität: Nimm 2-3 Kreaitivitätstechniken, die dich ansprechen und die du immer mal wieder anwenden kannst, z.B. Walt-Disney-MethodeWM-FrageMorphologische Matrix. Skizziere dazu ein Schema, um für dich Kreativität zu erklären, z.b. die Heuristiken oder die Gehirn-Perspektive.
  4. Training: Übe die wichtigsten Chunks ein.
    Beispiel Kreativität: Benutze für die anstehenden Probleme stets eine der Kreativitätstechniken, um eine Lösung zu entwickeln, egal ob es beim Abendessen ist oder zur Konzeption eines beruflichen Projektes. Mache dies am Anfang mehrfach hintereinander, dann jeden Tag für eine Woche, dann einmal pro Woche, dann einmal im Monat…
    Trainings-Prinzipien:

    1. Spaced Repetition: Es zählt vor allem die Anzahl an Wiederholungen und die Erhöhung der Zeit zwischen den Übungen [1,2]. Die Dauer einer Lerneinheit ist weniger entscheidend.
    2. Soziale Unterstützung: Suche dir einen Trainingspartner. Oder bitte zumindest eine Person, dich an das Training zu erinnern oder regelmäßig zu fragen, ob du es auch getan hast.
    3. Konditionierung: Belohne dich für jede Trainingseinheit, egal mit was, vielleicht einfach durch eine kurze Entspannungspause oder einen gesunden Snack.
    4. Visualisiere deinen Fortschritt, in einer Tracking-App oder einfach auf einem Blatt Papier, auf dem du für jede Wiederholung einen Haken setzt.
  5. Fließen lassen: Entwickle ein Growth Mindset und mache das Weiterlernen zum Bestandteil deines Alltags. Baue etwas schönes mit deinem Wissen oder vermittle es weiter an andere. Suche oder baue dir einen Job, indem du deine Fähigkeiten nutzen und weiterentwickeln kannst. Mache vor der Ausübung und Veröffentlichung unbedingt einen Ökocheck!

Speed Learning - Lernen lernen - Lernen will gelernt sein - Lernkompetenz

So brauchst du dank Speed Learning nie wieder eine Weiterbildung

Als normal intelligenter Mensch kannst du sehr viel lernen, wenn du möchtest. Wenn du eine berufliche Tätigkeit ausüben möchtest, müssen wir dabei unterscheiden:

  1. rechtlich eingeschränkte Berufe (z.B. Arzt, Psychotherapeut, Patentanwalt) – und
  2. dennoch freie Kompetenzen.

Beispiel Psychotherapie

Rechtlich eingeschränkter Beruf: Du bräuchtest ein Studium über mehrere Jahre und eine mehrjährige – für die Psychologen bis dato demütigende – Ausbildung, um Psychotherapeut zu werden [3].
Freie Kompetenzen: Allerdings kannst du fast alle Kompetenzen rund um Gesprächsführung, Verhaltensänderung, Konditionierung, Psychologie etc. durch Speed Learning und Praktika dir dennoch selbst aneignen – und dann als Heilpraktiker oder Coach eine ähnliche Arbeit machen, solange du die gesetzlichen Grenzen dabei einhältst. Im Gegensatz zum „Psychotherapeuten“ ist der allgemeine Begriff „Therapeut“ nicht geschützt – und du kannst dich prinzipiell zum „Therapeut für XY“ selbst ernennen und zertifizieren. Mache dabei stets einen Ökocheck!

Beispiel Bundeskanzler

Rechtlich eingeschränkter Beruf: Es gibt in Deutschland nur einen Bundeskanzler. Der braucht gar keine Ausbildung, aber dafür eine erfolgreich bestandene Bundestagswahl. Dass du für den Beruf Bundeskanzler keine Ausbildung brauchst, ist zwar gut – deiner Karriere dahin steht also formell nichts im Wege, wenn du deutscher Staatsbürger und ohne Vorstrafen bist. Dennoch ist die Chance eher gering – was dich hoffentlich von deinem Traum nicht abbringt.
Freie Kompetenzen: Als Bundeskanzler musst du vor allem überzeugen können, netzwerken, Entscheidungen herbeiführen und die richtigen Teams zusammenstellen. Dies kannst du ohne größere Aufwände tun, wenn du für einen gemeinnützigen Zweck einen Verein gründest oder einem beitrittst. Dies erklärt allerdings auch, warum in einigen NGOs viel mehr alberne Machtspiele gespielt werden als in jedem Großkonzern.

Der geschützte Beruf und die Ersatzlösung sind natürlich nicht das gleiche. Aber du kannst mit genug Einfallsreichtum und Initiative in fast jedem Beruf, den du dir vorstellen kannst, Karriere machen.

Nachdem ich zunächst mit viel Mühe offizielle Zertifikate gesammelt habe als Physiker, Gymnasiallehrer, Kurslehrer für Autogenes Training, Meditation, Hypnose,
bin ich seitdem auch noch (ohne Zertifikate) Trainer und Berater für Design Thinking, Teamentwicklung, Führungskräftetraining, Kommunikation, Kreativitätstechniken, Innovationsmethoden, Change Management, Business Development, Marketing, Schulentwicklung und 21st Century Skills.

Durch Speed Learning konnte ich bereits fließend Spanisch sprechen, mir 100-stellige Zahlen merken, Webdesign, SEO und Online-Kurs-Entwicklung lernen und als Berater unternehmerisch erfolgreich sein.

Und wenn ich dennoch ein Zertifikat haben möchte?

Nun, dann gibt es folgende Möglichkeiten, um dein Lernergebnis aus Autodidaktik und Speed Learning mit einem hübschen Zettel zu besiegeln:

  1. Suche nach dem günstigsten Angebot und dem direktesten Weg zur Zertifizierung.
    • Zum Beispiel kostet die Prüfung zum Scrum Master bei der direkten Akkreditierung wenige hundert Euro, während aber gleichzeitig Ausbildungen für 2000 € oder mehr angeboten werden.
    • Die Zulassung zum Heilpraktiker für Psychotherapie kostet ca. 300 € beim Gesundheitsamt und erfordert formell keine Ausbildung, während gleichzeitig 2-jährige Ausbildungen für einige Tausend Euro auf dem Markt üblich sind.
  2. Die Karl-Methode: Freunde dich mit einer Person an, die dir die nötige Bescheinigung ausstellen kann. (Ökocheck!)
    • Für ein Erasmus-Semester und mein Master-Studium brauchte ich einmal einen offiziellen, geprüften Nachweis über meine Englisch-Sprachkompetenzen. Die kosteten normalerweise ca. 100 €. Ich habe aber stattdessen einen Englisch-Professor gefunden, der mir netterweise direkt einen Test abgenommen hat in seiner Sprechstunde für 0 €.
    • Man durfte als Zuhörer an der FU während meiner Studienzeit keine offiziellen Scheine oder Punkte für die Psychologie-Vorlesungen bekommen, damit man sich nicht etwa später in ein höheres Semester mogele, vorbei an den NC-Schranken. Ich habe auch hier ein paar nette Professoren gefunden, die nach einem netten Plausch es sinnvoll fanden, mir dennoch einen Schein auszustellen.
  3. Stelle dir selbst ein Zertifikat aus, falls rechtlich nichts dagegen spricht (Ökocheck machen!).
    • Als ich anfing, Meditationskurse im Hochschulsport der HU Berlin zu geben, wollte die Verwaltung ein Zertifikat dafür. Ich habe dann letztlich einen nepalesischen Freund gefragt, ob er unter einer von mir erfundenen Marke und eines von mir erfundenen Klosters mir netterweise ein Zertifikat über meine Meditations-Kursleiter-Fähigkeiten, wie sie in Nepal gelehrt werden, unterschreiben könnte. Alle waren am Ende zufrieden.

 

Ökocheck durchführen, um dir und anderen nicht zu schaden

Der Ökocheck ist sehr einfach. Er funktioniert, indem du dich fragst und so gründlich wie möglich herausfindest:

Spricht etwas dagegen – für mich oder die Umwelt – dass ich die gelernte Kompetenz lerne, anwende, lehre oder verkaufe?

Insbesondere solltest du abchecken, bevor die gelernte Kompetenz anwendest:

Schade ich mir oder anderen Lebewesen damit physisch, psychisch oder rechtlich?

Oft findet man hilfreiche Informationen dazu im Internet. Im Zweifelsfall solltest du dafür aber tatsächlich eine offizielle Autorität, wie zum Beispiel eine offizielle Auskunft, einen Arzt oder Rechtsanwalt konsultieren, um dir sicher zu sein.

Workarounds finden, um Schaden für dich und andere zu vermeiden

Wenn du im Ökocheck kritische Punkte gefunden hast, wie rechtliche oder gesundheitliche Risiken, dann suche nach einem Workaround.

Beispiele für Workarounds:

  1. Wenn du dir eine therapeutische Kompetenz angeeignet hast, zum Beispiel Hypnosetherapie, dann kannst du Menschen damit helfen – aber wenn du seelisches oder physisches Leiden dabei übersiehst, könntest du Menschen Schaden zufügen. Daher solltest du also auch noch lernen, welche Kontraindikationen es gibt und wie du kritische Fälle erkennst.
    Workaround: Konzentriere dich nur auf gesunde Menschen, die ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit von einem Arzt haben abklären lassen.
  2. Wenn du eine Kampftechnik lernst, um dich selbst zu verteidigen, zum Beispiel Krav Maga, könntest du von nun an anderen Menschen ernsthaften Schaden zufügen, wenn du in einer Kneipe einen Konflikt durch Krafteinsatz lösen möchtest.
    Workaround: Suche nur nach schonenden Selbstverteidigungs-Lösungen. Übe dich zusätzlich in gewaltfreier Kommunikation und Deeskalation, um Gewalt möglichst gänzlich zu vermeiden.

 

Für Fortgeschrittene: Lerne Speed Learning und wende es auf sich selbst an

  1. Folge deiner Neugier und wähle ein paar Themen, die dich interessieren. Wähle für den Anfang ein Thema, für das du möglichst alle nötigen Informationen frei im Internet finden kannst.
  2. Fange mit einem Thema an und durchlaufe den obigen Speed-Learning Zyklus.
  3. Meta-Chunking: Danach, oder wenn längere Pausen zwischen den Trainings-Einheiten entstehen, beginne mit der nächsten Tätigkeit. Baue dir daraus ein eigenes Kompetenz-Gerüst: Welche Kompetenz bringst du auf welches Level?
  4. Trainiere und optimiere dein Trainings selbst, benutze dafür Gamification. Erfinde am besten daraus deine eigene Kompetenz.
  5. Meistere die Kompetenzen, indem du sie lehrst, als Dienstleistung anbietest oder darüber schreibst. Kombiniere mehrere Kompetenzen zu neuen Fähigkeiten und Angeboten (z.B. Yoga + Design Thinking = Yoga Thinking).

 

Quellen:

[1] Spitzer, H. F. (1939). Studies in retention. Journal of Educational Psychology, 30, 641–657.

[2] Melton, A. W. (1970). The situation with respect to the spacing of repetitions and memory. Journal of Verbal Learning and Verbal Behavior, 9, 596–606.

[3] https://www.gesetze-im-internet.de/psychthg_2020/BJNR160410019.html