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Utilisation – das kraftvolle Grundprinzip für jedes Coaching

blablabla… Definition Utilisation,
Hook zu psycholgischer Entwicklung
Ass im Ärmel für Coaches

Wer war Milton H. Erickson?

milton erickson
Der junge Milton Erickson 1922.

Milton H. Erickson ist einer der wichtigsten Begründer der Hypnotherapie und war auf zahlreiche Strömungen der Psychologie und des Coachings sehr einflussreich. So entwickelte sich aus Ericksons Ansätzen zum Beispiel das Neurolinguistische Programmieren (NLP) und wichtige Grundsätze für (systemisches) Coaching. Eines dieser wichtigen Grundsätze ist die Utilisation bzw. das Utilisationsprinzip.

Doch zuvor gehe ich kurz auf die Biografie von Erickson ein, da er im deutschsprachigen Raum nicht besonders bekannt ist. Er wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA geboren und hatte mit einigen schwierigen Lebensumständen zu kämpfen. So galt er in seiner Kindheit beispielsweise als Legastheniker und musste deswegen immer mit einem Wörterbuch lesen. Schwierige Buchstaben visualisierte Erickson vor dem geistigen Auge und erlernte sie auf diese Weise.

Mit 17 Jahren erlitt er einen schweren Fall von Kinderlähmung (Polio) und war daraufhin an den Stuhl gefesselt und konnte sich nicht bewegen. In dieser Zeit, so Erickson, beobachtete er sehr genau das Verhalten der Menschen in seiner Umgebung und entdeckte, wie komplex Kommunikation ist und das Menschen in dem was sie sagen und in Mimik und Gestik doppeldeutig sein können und Doppelbotschaften (double takes) oder sogar Dreifachbotschaften (triple takes) senden. Dabei beobachtete Erickson äußerst präzise, wieviele subtile Faktoren Kommunikation beeinflussen.

Erickson heilte sich selbst mental

Durch aktives Imaginieren gewann Erickson allmählich die Gesundheit zurück, sodass er nach einem Jahr wieder an Krücken laufen konnte. Dann entdeckte er die Hypnose und studierte sie gründlich. Er erwarb einen Abschluss in Psychologie und Medizin und wurde Facharzt für Psychiatrie.

Erickson hat die Hypnotherapie wieder stark gemacht und betonte stets die positive Rolle des Unbewussten, der wie ein Schatz die Lösung für alle Lebenssituationen enthält. Durch Hypnose und Therapie kann man diese Quellen anzapfen. Dafür ist es nicht einmal nötig die Ursachen, wie in der Psychoanalyse, auszuanalysieren, sondern man nimmt das Symptom so wie es ist und arbeitet mit ihm. Das nennt man Utilisation.

Das Utilisationsprinzip in Therapie und Beratung

Beispiele

Ein bekanntes Beispiel, das in dem hörenswerten Podcast zum Thema Erickson und Utilisation erwähnt ist, ist ein Fall einer Schizophrenie, in der sich der Betroffene für Jesus hielt. Vom Alltagsverstand würde man mit einem solchen Patienten vermutlich anfangen zu diskutieren, dass er nicht Jesus und verrückt sei. Bzw. würde ein normaler Psychiater schnell Antipsychotika verschreiben. Doch Erickson ging anders vor!

Utilisation des Jesus-WahnsEr fragte ihn schlicht: „Ich habe gehört, sie sind der Sohn eines Zimmermanns?“ Diese Frage bejahte der Patient. Daraufhin erklärte ihm Erickson, dass noch ein Bücherregal im Büro benötigt sei. Sicherlich musste er diese Aufgabe allein schon aus Nächstenliebe annehmen, also machte er einen Plan und besorgte alle Materialien und baute mit viel Akribie an dem Bücherregal. Diese Aufgabe nahm den Patienten so sehr ein, dass er seinen Jesus-Wahn allmählich vergaß. Das Erfolgserlebnis des gebauten Bücherregals war der Ausgangspunkt für eine erfolgreiche Therapie.

Die Geschichte von Ruth

Noch ein weiteres Beispiel: Erickson erzählt die Geschichte von Ruth, einem zwölfjährigen, sehr liebenswürdigem Mädchen in der Psychiatrie. Die alten Schwestern warnten die neuen Krankenschwestern stets vor ihr: sie reiße einem die Kleidung vom Leib oder bricht einen Arm oder einen Fuß. Und tatsächlich, nahm Ruth neue Schwestern schnell für sich ein und bat sie dann z.B. ein Eis zu holen. Sie nahm das Eis und bedankte sich, und trat dann aber zu, sprang auf den Fuß oder zerrte an der Kleidung. Für Ruth war das Normalität.

Erickson besprach sich mit dem Leiter der Anstalt, denn er hatte eine Idee, und holte sich grünes Licht für sein Vorhaben. Eines Tages kam ein Anruf: Ruth ist schon wieder am Durchdrehen. Erickson ging sofort in die Abteilung. Ruth hatte den Putz aus den Wänden gerissen und ihren Schlafanzug zerfetzt.

Erickson ging hin und half ihr, das Bett zu zerstören. Er schlug mit ihr Scheiben ein, sie verbogen Rohre und brachen alle möglichen Dinge ab. Alsbald sah Erickson sich im Raum um und sagte: „Ruth, hier im Raum gibt es nichts mehr, lass uns in einen anderen Raum gehen.“ Ruth sagte: „Sind sie sicher, dass Sie das tun dürfen, Dr. Erickson?“ „Klar, ist doch ein Riesen-Spaß, oder nicht?“

Als sie dann den Korridor entlang liefen, begegneten sie einer Schwester. Erickson riss ihr die Uniform vom Leibe, sodass sie nur noch in BH und Höschen da stand. Und Ruth sagte: „Dr. Erickson, sowas macht man nicht.“ Sie rannte in den Raum und holte Bettlaken und gab sie der Krankenschwester. Seitdem war Ruth ein liebes Mädchen. Die Krankenschwester war natürlich eingeweiht…

Ein weiteres interessante Geschichte findest du hier.

Die Macht der Utilisation

Die Therapiegeschichten von Erickson sind voll mit solchen Geschichten. Stets versuchte er, auf jeden Patienten individuell einzugehen und ihn mit all seinen „Macken“ und Symptomen zu nehmen, d.h. so wie er ist. Dann entwickelte er intuitiv kreative Zugänge zu seinen Patienten, wie in dem Fall mit Ruth. Statt ihr Verhalten zu verurteilen, geht er in Allianz mit ihr und macht einfach das gleiche, was sie macht und übertreibt es dabei. Weil Erickson ihr Verhalten spiegelt kann sie darin ihr eigenes Verhalten wie von außen sehen und entwickelt Mitgefühl für die Krankenschwester. Diese Lösung ist natürlich radikal, aber gerade deshalb vermutlich so effizient.

Im modernen Coaching hat sich dieser Ansatz, nämlich den Patienten als Ganzes anzunehmen, durchgesetzt. Auch der Gedanke, dass jedes Problem die Lösung schon in sich enthält, hat sich zu einer klassischen Idee in der Beratung entwickelt. Durch das Grundprinzip der Utilisation arbeitet man nicht gegen den Patienten, sondern mit ihm. Das stiftet natürlich auch Konfusion wie in dem Falle von Ruth. Die Konfusion, die durch die Utilisation ausgelöst wird, ist extrem wertvoll, weil sie die bewussten Widerstände des Patienten umgeht und weil sie die Basis für einen wirklichen Neuanfang schafft.

Reframing: Hinter jeder Schwäche steckt eine Ressource

Habe den Mut, dich deiner eigenen Schwächen zu bedienen.

Utilisation Sinnbild

Die Geschichten von Erickson inspirieren dazu, auch die eigenen Schwächen und Macken mit mehr Humor zu nehmen. Ein guter Coach kann sich selbst mitsamt seinen Mängeln akzeptieren und ist kein „Guru der Perfektion“ sondern eher eine Art „Chaosmagier“. Die eigenen Schwächen weisen immer auf ein Potenzial zu Wachstum und Erneuerung hin. Deswegen ist es von so großer Bedeutung, sich in Akzeptanz und Mitgefühl zu üben und der Wirklichkeit keine kraftraubenden Widerstände entgegenzusetzen. Probleme und psychische Symptome haben stets auch einen verborgenen Sinn, den es zu erkennen gilt. Aber dafür müssen sie erst einmal in ihrer vollen Tragweite und Dramatik (aber auch in ihrer Komik) angenommen werden. Dann fühlen sich Menschen gesehen und gehört und die therapeutische Allianz kann sich entfalten.

Ressourcenorientierung

Erickson nahm Schwächen und Krisen als Möglichkeit zu innerem Wachstum. Dafür orientierte er sich an den Ressourcen des Klienten und forderte sie zum Beispiel im hypnotherapeutischen Kontext dazu auf, sich an Lernerfolge aus der Kindheit zu erinnern. Milton wusste aufgrund seiner Kinderlähmung, wie viel Zeit, Mühe, Geduld und Frustrationstoleranz es braucht, um so etwas „selbstverständliches“ wie Laufen zu erlernen. Da die allermeisten von uns laufen können, haben wir unbewusste Erinnerungen an die helle Freude daran, etwas so Kompliziertes zu erlernen. Sich diesen Erfolgszustand wieder vor das geistige Auge zu holen, aktiviert früheste Ressourcen und Erfolgserlebnisse, die auch für gegenwärtige Problemsituationen ermutigend wirken können.

Aufgrund seiner langjährigen psychiatrischen Erfahrung, und seiner Erfahrung mit sich selbst, war Erickson sich gewiss, dass das Unbewusste nicht bloß ein Hort pathologischer Ursachenkomplexe ist, sondern vor allem ein Pool, in dem sich unzählige kreative Lösungen befinden. Psychogene Symptome waren für Erickson nie etwas zu Bekämpfendes, sondern der Versuch des Unbewussten zunächst einen funktionalen Zustand des Fließgleichgewichts aufrecht zu erhalten (Homöostase) und darüber hinaus immer schon eine versteckte Lösung bereitzustellen.

Meditation und Achtsamkeit als Weg zur Selbstakzeptanz

Oft ziehen wir mit uns selber in das Gericht, wenn wir Schwächen entdecken. Wir denken darüber nach und verurteilen uns, was das Problem allerdings eher verstärkt, als es zu lösen. Ein wirksames Mittel ist, in die innere Stille zu gehen und sich selbst und seine Identifizierungen mit sanfter Gelassenheit zu beobachten. Das hat erstens zur Folge, dass die Identifikation mit dem Problem sich allmählich lockert und man sich davon befreit (Stichwort: Nicht-Anhaften), und zweitens mehr Selbstfürsorge und -akzeptanz.

Dem meditativen Loslassen kann eine Ausrichtung auf und eine Reflektion über die positiven Ziele im Leben folgen, sodass wir uns in einen inneren Zustand der Kraft, Kreativität und Liebe begeben. So üben wir mentale Zustände, die uns dabei helfen, das Problem zu akzeptieren und darüber hinaus zu überwinden.

Kurze Utilisations-Übung: Finde deine Ressourcen hinter einer Schwäche

schaffe ein konzentriertes & entspanntes Setting für 15 min

  1. Benenne das Thema.
  2. Reframing: Sammle die Ressourcen, die hinter, trotz, neben, unabhängig, durch das Problem
  3. Dankbarkeit für Ressourcen

 

 

  1. Vorbereitung: schaffe ein konzentriertes & entspanntes Setting für 15 min
    Tipp zur Entspannung & inneren Klarheit: Zähle Deine Atemzüge bis 10 und achte auf die Körperempfindungen, die mit dem Atem einhergehen, z.B. das Heben und Senken der Bauchdecke oder die Empfindungen an den Nasenlöchern.
  2. Wenn Du Dich dann in einem ruhigen Zustand befindest, ist das die beste Gelegenheit, neue mentale Zustände zu trainieren. Wenn Du zum Beispiel ein Problem mit Selbsakzeptanz hast, kannst Du jetzt üben, Dich selbst anzunehmen. Schenke Dir ein Lächeln. Fühle Dich geborgen in Dir selbst. Wenn Du gerne erfolgreicher sein möchtest, stelle dir lebhaft Situationen vor, in denen Du Dich erfolgreich fühlst. Oder erinnere Dich an vergangene Erfolgssituationen: das wird den entsprechenden Bewusstseinszustand wiederherstellen und Dir dabei helfen, auch in der Gegenwart erfolgsorientierter zu agieren.
  3. Schön abrunden lässt sich so eine Meditation immer mit Dankbarkeit. Nimm Dir am Ende noch einmal Zeit, Dankbarkeit für Deine Existenz und all die zahlreichen Schätze die Du schon hast: einen lebendigen Körper, saubere Luft zum Atmen, sauberes Wasser, relativen Wohlstand und all die lieben Menschen in deinem Leben und sicher vieles mehr. Danke auch den Problemen in Deinem Leben: sie weisen Dir Deinen Weg. So kannst du sie in Treibstoff umwandeln. Wertschätzung wird Dir helfen, insgesamt gelassener zu werden. Atme noch einmal tief durch, dann ist die Meditation vorbei.