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Die purpurne Ebene von Spiral Dynamics: Stämme, Geister & Mythen

„Der Egoismus ist etwas Spätes und immer noch Seltenes. Die Herden-Gefühle sind mächtiger und älter.“ – Friedrich Nietzsche

Der Wert:

Nach Spiral Dynamics wächst der Mensch mit dem Emergieren von Purpur über das reine Überleben hinaus. Dadurch, dass der Mensch nun aus dem afrikanischen Kontinent in kältere Erdteile auszieht, wird ein höheres Maß an Zusammenarbeit und Koordination erforderlich. Durch technische Innovationen wie das Feuer, das Rad, den Pflug und Hausbau ist der Mensch nun in der Lage, sesshaft zu werden. Eine komplexe Sprache entsteht, die den Menschen befähigen, Geschichten zu erzählen und Wissen weiterzugeben.

Stonehenge Gruppe Rituale
Über den Zweck von Stonehenge wird nach wie vor diskutiert, aber sehr wahrscheinlich fanden hier religiöse Kulthandlungen statt.

Die Harmonisierung mit den Kräften bzw. Geistern der Natur und der Ahnen und ihre Beeinflussung über magische Gruppenrituale spielen eine starke Rolle. Über den Stamm mit seinen Bräuchen, Rollenverhältnissen und Schamanen etc. wird zum ersten mal Wissen tradiert. Für Purpur sind die Pflanzen und Tiere, die Sonne, der Mond und die Sterne lebendige, mächtige Wesenheiten, die einen eigenen Willen und eine eigene Weisheit besitzen. Der Wunsch mit diesen Kräften in guter Verbindung zu sein, bringt religiöse Rituale und Kunst, Sprache und Musik entscheidend vorwärts. Das ist der Beginn der menschlichen Zivilisation.

Der Schatten

Für Spiral Dynamics ist der größte Schatten von Purpur das „abergläubische“ Weltbild. Dieses kann das Individuum in zwecklose Verhaltensvorschriften zwängen, da der Gruppendruck bei Purpur sehr hoch ist. Weil der Mensch ein soziales Wesen ist, tendiert er dazu, die eigenen Ansprüche oder die eigene Vernunft zugunsten der sozialen Regeln fallen zu lassen. Denn sonst wird man aus dem Stamm verstoßen. Grassierende Irrationalität und starke Feindschaften, sowohl innerhalb der Gruppe als auch nach außen, können bei Purpur schnell entstehen.

Historisch betrachtet war der Gruppenkult wichtiger als das Individuum. Das führte zu Menschenopfern und einer Art Proto-Justiz , die bereit war, dem oder der Einzelnen zugunsten des Regelbestands grausame Strafen anzutun. In moderner Form kann man solch eine Form der Irrationalität nach wie vor bei Sekten und weltanschaulichen Ideologien erkennen. Es gilt: „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.“

Erscheinungsformen in der Organisation:

  • Gemeinsame Rituale, die den Zusammenhalt stärken
  • Hohes Commitment der Mitarbeitenden zum Wohl der Organisation
  • Klare, eingespielte Abläufe in Kommunikation und Entscheidungsfindung
  • Negative Erscheinungsformen: Ausgrenzung, irrationales Festhalten an traditionellen Abläufen, ausgeprägte “Wir-gegen-Die-Mentalität” (auch innerhalb der Organisation), ideologische Borniertheit

Führung:

  • Klassischerweise übernimmt der oder die Älteste bzw. derjenige mit der meisten Erfahrung die Führung
  • Die Führung muss Glaubenssätze, identitätsstiftende Elemente und Heilsversprechen benutzen, an denen sich die Gruppe orientieren kann

Entwicklungsmöglichkeiten zu Rot:

  • Entwicklung der Menschheit: Einzelne setzen sich über die Macht der Ältesten und der Ahnen hinweg
  • Die Notwendigkeit kriegerischer Verteidigung gegenüber anderen Stämmen entsteht
  • Die Differenzierung von Selbst und Welt wird allmählich schärfer
  • Da das Sicherheitsbedürfnis weitgehend befriedigt ist, entsteht das Bedürfnis nach Expansion, Reichtümern und Abenteuer
  • Zunehmend verbesserte Techniken des Hausbaus, der Transportmöglichkeiten, Domestizierung von Tieren etc.
  • Entwicklung der Organisation: Charismatische Anführerpersönlichkeiten sammeln genügend Anhänger*innen hinter sich
  • Etablierung einer eher pragmatischen Dominanzhierarchie
  • Intrigen und Machtspiele nehmen eine größere Rolle ein

Autor: Timotheus Böhme

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