DIE 5 Moderationstechniken + 10 hippe Schrippen

Keine Sorge, ich zeige dir gleich die tollsten und effektivsten Moderationstechniken. Doch davor ist es wirklich wichtig das allerwichtigste Grundprinzip für gute Moderation zu wissen: form follows function. Das heißt, dass die Agenda, die Struktur, die Methoden und Moderationstechniken sich allesamt nach dem Ziel der Veranstaltung sowie den Bedürfnissen der Menschen richten – und das liegt seltenst an den tollsten Methoden, sondern an einem funktionalen Ablauf und einem herzlichen Moderator, der flexibel auf die Bedürfnisse der Gruppe eingehen kann. Dafür braucht es Beziehungskompetenz und Kreativität. Aber natürlich braucht es auch das Moderationshandwerk.

Also, wie versprochen bekommst du für dieses Handwerk hier die wichtigsten Moderationstechniken.

Nur 5 Moderationstechniken?

95 % aller Moderationsaufträge sollten sich mit den folgenden 5 Moderationstechniken verwirklichen lassen. Dabei ist der erste Punkt der allerwichtigste und liegt allen weiteren Methoden zu Grunde: ein klarer Arbeitsauftrag. Denn jede noch so coole Methode kann ohne klaren Auftrag zum Rohrkrepierer werden. Die weiteren 4 sind eigentlich schon konkrete Ausformungen davon, dass zunächst ein klarer Gesprächsauftrag mit klaren Randbedingungen steht.

  1. Klaren Arbeitsauftrag formulieren: Gib den Teilnehmenden (TN) eine klare Ansage, was sie tun sollen und welche Art von Antwort oder Ergebnis erwartet wird. Dafür helfen eindeutige Operatoren wie sie in Abiturprüfungen benutzt werden …mehr zu Operatoren. Im klarsten Fall ist der Auftrag für alle lesbar verschriftlicht und bietet damit Rückversicherung. Ein klarer Auftrag besteht aus:
    • Operator (Erzähle, Vergleiche, Beschreibe, Nenne, Gestalte, Sammle Ideen, Bewege, …)
    • Zeit für die Bearbeitung
    • Sozialform: alleine, zu zweit, zu dritt, in selbstgeformten Gruppen
    • Kommunikations-Medium: z.B. Sprache, Papier & Stift, digitale Kanäle, darstellendes Spiel …
    • Ggf. gewünschte Form des Ergebnisses
  2. Nonverbale Impulse: Menschen sind Säugetiere und kommunizieren über Körperhaltung, Bewegung und Mimik mehr als über Worte. Koordiniere daher deine Aufträge mit klaren nonverbalen Impulsen.
    Ich habe auch schon Workshops moderiert ohne Stimme (weil ich erkältet war), letztlich nur über klare Aufträge, Körpersprache und Gestik. Zum Beispiel ermutigt eine einladende Hand- und Armbewegung zum Sprechen oder zum Weitergeben des Wortes an eine andere Person.
    Auch ein Bild auf einer Leinwand oder ein Arbeitsblatt kann ein zum klaren Impuls werden, wenn sie durch deine Körpersprache unterstützt werden.
  3. Think-Pair-Share: wenn ich nur eine Moderationstechnik benutzen dürfte, wäre es diese. Geheimtipp: Think-Pair-Share kann in Ausnahmen auch genutzt werden, wenn du als Moderator mal die Orientierung verlierst, denn du lagerst mit Think-Pair-Share die gedankliche Arbeit an die TN aus, kannst dir damit Zeit verschaffen und aus den dann gesammelten Erkenntnissen lernen.
    1. Think: Gib den teilnehmenden (TN) Zeit zum individuellen Nachdenken,
    2. Pair: die TN gehen paarweise zusammen und tauschen sich über ihre Ergebnisse aus,
    3. Share: im Plenum werden die wichtigsten Ergebnisse und Erkenntnisse geteilt.
  4. Redekette: eine Person fängt an, zu dem Gesprächsimpuls eine Antwort zu geben, und gibt dann das Wort an eine selbstgewählte andere Person weiter. Dies kann auch durch einen Gegenstand unterstützt werden (Redestab).
  5. Feedback geben: formuliere ehrliche und wertschätzende Worte zu den von dir wahrgenommenen Worten und Verhaltensweisen der TN. Auch Kritik kann gewertschätzt werden bzw. die dahinterliegenden Bemühungen der Personen, für die eigenen oder kollektiven Bedürfnisse zu sorgen. Somit kannst du auch dein Gegenüber einladen, Feedback zu geben.

Wenn die 1. Moderationstechnik, ein klarer Gesprächsauftrag, die grundlegendste ist, dann ist die zweite die nötige Ergänzung, um Menschen ganzheitlich anzusprechen. Dafür kannst du neben deiner Körpersprache auch andere Personen oder visuelle Medien nutzen. Mit den anderen 3 Moderationstechniken, Think-Pair-Share, Redekette und Feedback, kannst du dann schon viele gute und abwechslungsreiche Gesprächsflüsse strukturieren.

Die wichtigste Qualität kommt weniger durch noch hippere Moderationstechniken als durch die funktionale Ausgestaltung und vor allem durch die Persönlichkeit des Moderators selbst. Dafür schauen wir uns im nächsten Abschnitt die Spannung an aus vorbereiteter Inszenierung und intuitiver Präsenz.

Wenn du nun enttäuscht bist, dass es das schon gewesen sein soll mit 5 Moderationstechniken:
Na gut, unten liste ich 10 weitere auf.

Vorbereitung vs. Intuition

A Um ein Ass aus dem Ärmel zu zaubern, musst du vorher eins hineinstecken

Eine perfekte Moderation müssen Zauberkünstler und Mentalisten liefern. Sie proben ihre Bewegungen und Worte hunderte Male und verzaubern so die Aufmerksamkeit ihrer Zuschauer. Wenn du ein perfektes Moderationserlebnis willst, solltest du deine wichtigsten Kommunikations-Techniken also auch dutzende oder hunderte Male üben.

Im Überblicksartikel Kommunikationstechniken habe ich eine Sammlung an den wichtigsten Techniken in der Gesprächsführung gesammelt. Bestücke deinen Werkzeugkoffer und Zauberumhang damit so gut du kannst.

Zu der richtigen Vorbereitung zählt auch die Inszenierung durch dein Outfit, den Raum, die Beleuchtung, Geräuschkulisse, visuellen Medien, funktionale Arbeitsmaterialien, die Einladungstexte und die Auswahl der Teilnehmenden.

B Präsenz ist alles

Anekdote: Der berühmte buddhistische Lehrer Ajahn Chah gab seinen Schülern nur ein Prinzip mit auf den Weg, um sie darin zu schulen, jede Art von Veranstaltung und Gespräch zu führen:

Du darfst dich nicht vorbereiten.

…auch wenn dies am Anfang schwer und unangenehm ist, vor allem auch für das Publikum, war das seine Art und Weise, die Intuition und Präsenz und das unbewusste kreative Wachstum seiner Schüler zu stärken. Mit der Zeit sollten sie so lernen, in jeder Situation präsent & empathisch für das Gegenüber zu sein und aus dem Moment heraus einen sinnvollen Impuls zu finden, und sei es das herzliche, stille Zuhören oder das offene Teilen der eigenen Gedanken. Natürlich gab er dazu einige Lektionen an Achtsamkeits-Psychologie. Er scheute auch nicht davor zurück, das Publikum dabei zu quälen, indem er einen Anfänger nicht nach 2 schrecklichen Stunden langweiligen Vortrags eine weitere Stunde reden ließ.

Persönliche Reflexion: Tatsächlich habe ich ein paar meiner besten Supervisionen oder Teamentwicklungs-Workshops komplett unvorbereitet gegeben, einfach aus dem Moment heraus, vollkommen verbunden und eingeschwungen auf mein Gegenüber. Ok – ich konnte zu diesen Zeitpunkten bereits zurückgreifen auf dutzende oder gar hunderte vorherige Erfahrungen, eintrainierte Methoden und Impulse, die ich aus dem Ärmel schütteln konnte. Aber besonders gut wurden die Workshops dann vor allem dadurch, dass ich niemanden durch einen unpassenden Ablauf gequetscht habe, sondern vollkommen präsent für mein Gegenüber und so entspannt und herzlich wie möglich das Gespräch so geführt habe, wie es sich gerade für die Gruppe sinnvoll angefühlt hat.

Sichere Improvisation

Wir suchen also immer die Brücke aus:

  1. strukturierten Methoden aus klar hergeleiteten Zielen auf der einen Seite, sowie
  2. flexibler Intuition, die aus dem Moment heraus die passenden Impulse und Interventionen nutzt.

 

Übergänge elegant moderieren

Übergänge fließen und sind pointiert! Ausgehend von einer vorhergehenden Phase oder Moderation leite ich werthaltige Übergänge ein über:

  • Sinn benennen, 
  • Knackpunkt unterstreichen, 
  • Kompliment machen 

…daraus folgt dann eine inhaltliche Überleitung zum nächsten Punkt. Darauf reicht ein verbindendes Wort oder eine Formulierung wie: „und so kommen wir von einem XY Thema zum nächsten“.

 

7+3 = 10 weitere hippe Moderationstechniken

  1. Diaden (z.B. 5 Minuten für Person A + 3 Minuten Feedback durch Person B, dann wechseln) sind perfekt als save Spaces, um ein Thema tiefer zu erkunden und eine achtsame und empathische Gesprächsatmosphäre zu schaffen,
  2. Rollenspiele können sehr viel Spaß machen, brauchen aber etwas Mut und Einfallsreichtum bei den TN, zum Beispiel mit Hilfe der …
  3. Walt-Disney Methodeum ein komplexes Thema spielerisch auszuleuchten und danach unterschiedliche Teamrollen zu reflektieren.
  4. Reframing-Strategien ermöglichen auch Out-of-the-Box Ideen,
  5. 3×3 Brainstorming sorgt für besonders schöne kreative Gruppenphasen.
  6. Prototyping macht Spaß, wenn davor bereits eine kreative Atmosphäre geschaffen wurde.
  7. 3 Minuten Präsentation + 2 Minuten Gruppen-Feedback, für die Vorstellung von Arbeitsergebnissen

3 Moderationstechniken als spezielle Gruppenformate

  1. Kugellager: die TN werden eingeteilt in 2 gleichgroße Gruppen und bilden damit einen Aus- und einen Innenkreis, welche sich Gesicht zu Gesicht gegenüber stehen.
    Es gibt nur 1 Gesprächsimpuls für die Paare, die sich nun gegenüber stehen,
    dazu reden alle Personen im Innenkreis für X
    dann alle gegenüber im Außenkreis,
    nach X Minuten wird
  2. World Cafe – war mal in den 70ern oder 80ern cool, aber geht bestimmt auch heute noch:
    an vielen unterschiedlichen Tischen liegen unterschiedliche Gesprächsaufträge,
    alle X Minuten dürfen die TN den Tisch wechseln,
    1 Person pro Tisch darf nicht wechseln, sondern trägt die Ergebnisse weiter in die nächste Runde.
  3. Fishbowl: in der Mitte sind 2-4 Stühle, drumherum so viele wie weitere TN,
    in der Mitte darf diskutiert werden, drumherum nur zugehört,
    Die Personen in der Mitte dürfen durch anstupsen ausgetauscht werden oder selbst zurück in den größeren Kreis wechseln.

 

 

Simplicity is the ultimate sophistication

Die letztlich mächtigste Moderationstechnik ist es, inne zu halten, um präsent und authentisch einen Schritt in Richtung des höheren Ziels der Veranstaltung zu gehen.

Aber natürlich überlassen Profis diese Momente nicht dem Zufall, sondern haben vorher einen klaren, wenn auch manchmal groben Plan, für den Ablauf – und davor auch einen klaren Auftrag erarbeitet.

…mehr zur Crux mit den Moderationsaufträgen.