Was ist Kreativität?

Kreativität ist gefragt, um komplexe Herausforderungen zu lösen. Doch was ist Kreativität überhaupt? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, betrachten wir verschiedene Disziplinen der Wissenschaft: Wirtschaft, Sozialwissenschaften und Psychologie, Kognitionswissenschaft und Neurobiologie.

Kreativität aus Sicht der Wirtschaft

Aus wirtschaftlicher Sicht bietet Kreativität ein Wettbewerbsvorteil: für die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen ebenso wie für die Entscheidungsfindung, Problemlösung. Die erfolgreiche kreative Zerstörung führt zu einer Innovation. Für Unternehmen, die ihre Position im Markt halten und stärken wollen, ist Innovation ein großes Thema in der Beratungsindustrie geworden. Denn die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts erfordern hohe Kompetenzen sowie ständig neue Problemlösungen und Produkte für aufkommende Bedürfnisse. Innovationsmethoden wie Design Thinking haben sich dafür entwickelt. Kreativität wird zu einer wichtigen Ressource in Unternehmen und für die Personal- und Persönlichkeitsentwicklung von Mitarbeitenden. Ein neuer Trend in der Wirtschaft ist Agilität: eine Kultur, die flexibel Innovationen hervorbringen kann.
Schumpeter beschreibt in seinem Werk „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“ das Wechselspiel aus Innovation und Imitation als treibende Kraft für den Wettbewerb. In diesem Buch prägt er auch den Begriff „schöpferische Zerstörung“. Eine Unternehmenskultur, die Kreativität fördert, ist deshalb aus wirtschaftlicher Sichtweise eine lohnende Investition. Umgesetzt werden kann dies beispielsweise, indem man den Mitarbeitenden Freiräume bietet und diese so bezahlt. Auf diese Weise haben sie den Kopf frei, um kreativ werden können.

„Die Eröffnung neuer, fremder oder einheimischer Märkte und die organisatorische Entwicklung vom Handwerksbetrieb und der Fabrik zu solchen Konzernen wie dem U.S.-Steel illustrieren den gleichen Prozess einer industriellen Mutation – wenn ich diesen biologischen Ausdruck verwenden darf –, der unaufhörlich die Wirtschaftsstruktur von innen heraus revolutioniert², unaufhörlich die alte Struktur zerstört und unaufhörlich eine neue schafft.

Dieser Prozess der „schöpferischen Zerstörung“ ist das für den Kapitalismus wesentliche Faktum. Darin besteht der Kapitalismus und darin muß auch jedes kapitalistische Gebilde leben.“

Joseph Schumpeter

In der Praxis: Kreativitätstechniken

Kreativität fördern im Unternehmen:

  • eine kreative Atmosphäre schaffen: angstfrei, wertschätzend, motivierend, mit spielerischen Freiräumen
  • Schulung von Kreativitätstechniken
  • Raum schaffen für Networking, Weiterbildung, Experimentieren und Fehler machen

Sozialwissenschaftliche Betrachtung

Die Sozialwissenschaft betrachtet gesellschaftliche und soziale Umstände, unter denen Kreativität gefördert wird [3]. So sind Angst, Ausgrenzung und Diskriminierung Hindernisse für Kreativität. Weitere Blockaden sind starre Dogmen & Konventionen sowie eine Kultur der Bewertung. Typische Aussagen sind: „Das haben wir schon immer so gemacht“ oder „das ist historisch gewachsen“.
Das positive Gegenteil ist ein positives, kreatives Klima oder kreatives Milieu: dort herrscht eine möglichst angstfreie Atmosphäre, Raum für Neugier & Forschung. Neue Ideen werden willkommen geheißen und es entsteht Mut zum Experimentieren und Fehler machen.

Psychologie und Kreativität

Was ist Kreativität aus Sicht der Psychologie? Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass Forschung dazu erst ab 1950 ins Rollen kam. Bis dahin gab es erst wenig Forschung zu diesem Bereich. Guilfords Behauptung, jeder Mensch sei kreativ, liegt ein neues Menschenbild zugrunde. Das vorherrschende Paradigma zu Hochbegabten wurde abgelöst durch ein breites Kreativitätsverständnis. Guilford war es auch, der Kreativität mit divergentem Denken in Verbindung brachte. Hierbei handelt es sich um die Art des Denkens bei unklaren Problemstellungen mit mehreren möglichen Lösungen.

Heuristiken – kreative Strategien

Neurobiologie: Was ist Kreativität und wie entsteht sie im Gehirn?

Kreativität ist eine Fähigkeit lebender Systeme. Der Mensch kann sie bewusst nutzen, um sein Überleben zu sichern, aber auch um Wissenschaft und Theater zu schaffen. Dafür vollbringt das Gehirn eine Höchstleistung. Um sie zu verstehen, schauen wir auf vier Ebenen des Nervensystems:
  1. das Zusammenspiel von Gehirn-Regionen und Netzwerken
  2. viele Neuronen interagieren durch Erregung und Hemmung
  3. das Hormonsystem und emotionale Zustände
  4. die elektrische Aktivität des Gehirns, gemessen mit Elektroenzephalographie (EEG)

Kreativität ist eine emergente Funktion komplexer Systeme. Denn eine einzelne Nervenzelle kann nicht kreativ sein, erst der Mensch als Ganzes, durch das Zusammenwirken seiner Teile mit der Umgebung. Finde heraus, wie genau das Gehirn Kreativität ermöglicht in dem ausführlichen Artikel zur Neurobiologie der Kreativität.

Kreativität aus Sicht der Kognitionswissenschaft

Kreativität ist nur ein kleiner Bereich der Kognitionswissenschaft, aber es ist ein Bereich, in dem die Fragmentiertheit dieser Disziplin
sehr deutlich wird. Viele einzelne Prozesse werden unabhängig voneinander von Kognitionswissenschaftlern untersucht:

  • Aufmerksamkeit,
  • mentale Repräsentation,
  • Emotion,
  • Gedächtnis
  • Intuition
  • kognitive Verzerrungen
  • Wissen

Diese kognitiven Prozesse kommen im kreativen Denken zusammen. Um zu verstehen, wie ein Koch ein neues Rezept erfindet, wie eine Handwerkerin ein neues Problem löst, oder wie ein Musiker den Schmerz einer Trennung in einem Musikstück ausdrückt, müssen wir Wahrnehmung, mentale Modelle und Emotionen nicht länger trennen.

Eine Erklärung, wie solche kreativen Ideen und Produkte entstehen, beinhaltet die Synthese mehrerer kognitiver Prozesse. Die Verknüpfung verschiedener Prozesse wird beschrieben durch die Integrated Information Theory. Um damit Kreativität zu erklären, brauchen wir aber noch einen tieferen Blick in das menschliche System anhand von psychologischer Entropie (mehr dazu).

Unterschiede der Disziplinen

Die Wirtschaftswissenschaften untersuchen die Folgen kreativen Handelns auf die Wirtschaft. Bei den Sozialwissenschaften geht es mehr um die ganze Gesellschaft und welche Vorraussetzungen Kreativität fördern oder lähmen, während für die Psychologie das einzelne Individuum mit seinen Fähigkeiten und Eigenschaften im Fokus steht.

Quellen

[3] Teresa M. Amabile, Julianna Pillemer: Perspectives on the Social Psychology of Creativity. In: The Journal of Creative Behavior. Band 46, Nr. 1, 1. März 2012, ISSN 2162-6057, S. 3–15, doi:10.1002/jocb.001 (wiley.com [abgerufen am 27. November 2017]).

 

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