Agile, Design Thinking, Scrum [Methoden-Vergleich] 7+ Modelle

Design Thinking, Agile, Scrum, Lean … viele hippe Methoden poppten auf rund um Innovation, Business Development und Unternehmertum. In diesem Artikel gebe ich einen kurzen Rundgang.

Design Thinking & agile Methoden: Überblick & Gemeinsamkeiten

Es gibt eine Reihe von Methoden, die auf den ersten Blick keinen direkten Zusammenhang, aber dennoch eine gemeinsame Kultur ausdrücken, die sich ausdrückt in New Work, Start-Up Booms und revolutionären Ansätzen dafür, was Unternehmen sein könnten. Hier ist eine Liste von Methoden sehr verschiedener Arbeitsbereiche, die jedoch einen systematisch ähnlichen Kern haben:

  • Design Thinking
  • Agile Organisationsentwicklung
  • Lean Startup
  • Growth Hacking & Growth Marketing
  • SCRUM
  • Wissenschaftliche Methodik

Gemeinsamkeiten von Agile, Design Thinking, SCRUM & Co.

Allen Methoden sind folgende Merkmale gemeinsam, obwohl sie jeweils in unterschiedlichem Sprachen ausgedrückt werden. Sie…

  • Iterationen: der Prozess ist kreisförmig, nicht linear, mit einem Wechsel von analytischem, kreativen und pragmatischem Arbeiten
  • Fortschritt: sie verfolgen eine systematische Weiterentwicklung des Arbeitsgegenstands, eventuell messbar an einer KPI
  • Empirie: die Reflexion basiert auf der Grundlage empirischer Daten, qualitativer oder quantitativer Natur
  • Team-Inklusion: die Koordination im Team ist gut möglich aufgrund eines ritualisierten, systematischen Prozesses und einer funktionalen Rollenaufteilung (siehe Scrum)
  • Mindset: die Kultur drückt sich aus in Prinzipien, Glaubenssätzen, zusammengefasst als agiles Mindset

SCRUM, Growth Hacking und Design Sprints richten sich eher auf rationale Konzepte aus, während Lean Start-Up und agile Organisationsentwicklung die gesamtheitliche Weiterentwicklung von Unternehmen und Organisationen verfolgen.

Geschichte und Entstehung von Design Thinking & agilen Methoden

Design Thinking kopiert die Arbeitsweisen von Designern und Architekten. Es beschreibt einen allgemeinen Prozess für die kreative Lösung komplexer Probleme – egal ob für Produkte, Organisationsstrukturen, Erlebnisse, Events…

4 Wurzeln von Design Thinking & Scrum:

  • Bauhaus: Die Grundideen von Design Thinking reichen quasi zurück zur Architektur und Raumgestaltung des Bauhaus mit dem wichtigen Prinzip „Form follows function“
  • Computer-Design – unter hohem Konkurrenzdruck mussten Microsoft, Apple & Co sowohl nutzerfreundliche Software als auch Hardware entwickeln.
  • Kaizen & die Automobil-Industrie: Toyota war nach dem 2. Weltkrieg im finanziellen Untergang – und rettete sich durch eine neue, effizientere und kooperative Kultur, verhandelt zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Im Kern: kontinuierliches Qualitätsmanagement sämtlicher Prozesse.

Die empirische Erfahrung für die Erfolgsprinzipien in Design Thinking & SCRUM kommen also aus industriellen Disziplinen, die Produkte für Menschen entwickeln.

Design Thinking vs. SCRUM

SCRUM ist ein klar definierter, routinierten Prozess, fokussiert auf Koordination der zentralen Stakeholder Developer, Product Owner, SCRUM Master. Dagegen ist Design Thinking ein sehr flexibler Meta-Prozess, mit viel Raum für Improvisation. Durch die jeweils passenden Kreativitätstechniken und Kreativitäts-Heuristiken müsste der Prozess eigentlich jedes mal neu zugeschnitten werden, um für die konkreten Anwender, Stakeholder und Branchen effektiv zu sein. Design Thinking müsste damit auf sich selbst angewandt werden! (…mehr zu Workshop-Konzepten für Coaches)

…die 6 Phasen im Design Thinking versprechen eine nutzer-zentrierte Navigation durch komplexe Themen, müssen aber jeweils mit Leben & Konkretheit gefüllt werden von den Anwendern & Coaches.

Merke: Vergleichsweise ist Design Thinking schlecht definiert, wenn es um sehr feingliedrige, komplizierte Themen geht – eher ein allgemeiner Ansatz für Innovation und Agilität. SCRUM ist klar definiert für Software-Entwicklung.

SCRUM-Strukturen: Rollen, Backlog, User-Stories, Sprints

Folgende Strukturen werden im Scrum-Prozess immer wieder aktualisiert:

  • Backlog: Der Backlog ist eine dynamische Liste an „Jobs-to-be-done“, d.h. eine To-Do-Liste für Wünschenswerte Themen und Verbesserungen. Aus dem Backlog ergeben sich die…
  • User Stories: Als NUTZER will ich FUNKTION oder EIGENSCHAFT, damit NUTZEN.
  • Definition of Done (DoD) Wann ist die Arbeit fertig? Wann ist die User Story integriert?
  • Definition of Ready (DoR) Wann sind alle Vorbedingungen und Inputs verfügbar?
    → Wenn Einträge Ready sind, können sie in einen Sprint übernommen werden.

An der Entwicklung sind folgende Scrum-Rollen beteiligt:

  1. Product Owner: Verantwortet den Produktentwicklungsprozess
  2. SCRUM Master: strukturiert den agilen Entwicklungsprozess
  3. Developer: setzen die geplanten Verbesserungen & Implementierungen um

Scrum-Rollen-Product Owner-Developer-Scrum Master

Der Scrum-Prozess folgt der Struktur:

  1. Backlog erstellen (alle möglichen wünschenswerten Features, Ideen, Verbesserungsvorschläge, Feedbacks der Nutzer…)
  2. Sprint Planning mit konkreten, zu implementierenden User Stories
  3. Sprint mit einer Länge von meist 30 Tage (oder ein Mond-Zyklus 😉 sowie kleineren „daily Scrums zur Überprüfung des Prozesses
  4. Sprint Review: Reflexion & Retrospektive über Erfolge, Reibungen, Verbesserungsmöglichkeiten für die künftigen Sprints

… dann beginnt der agile Zyklus von vorn mit 1. Backlog, 2. Sprint Plannning, 3. …

Scrum-Prozess-Sprint-Backlog-UserStories

Agile Software-Entwicklung mit Design Thinking & SCRUM

Software-Entwicklung und Design Thinking haben sich in den letzten Jahrzehnten immer wieder gegenseitig inspiriert, sodass daraus Konzepte wie SCRUM, Lean Start-Up & Agile Retrospectives entstanden sind. Auch heute noch hilft Design Thinking in der Softwareentwicklung in doppelter Hinsicht:

  1. Die Teilnehmenden lernen, mit Design Thinking die Entwicklung von Software, Konzepten & Services zu verbessern, indem sie die wertvolle Methoden bekommen, um die Bedürfnisse der Kunden zu verstehen und innovative Konzepte zu entwickeln.
  2. Design Thinking hilft auch dabei, als Team gut zusammenzuspielen und Herausforderungen in der Zusammenarbeit anzugehen. Kunden sind Menschen mit Bedürfnissen, Mitarbeiter sind Menschen mit Bedürfnissen. So kann Design Thinking ein Ansatz sein für Teamentwicklung, z.B. für eine gute Arbeitsatmosphäre, effektive Meetings oder schönere Arbeitsplätze. Und gute Teams entwickeln gute Produkte!

Für die Digitale Transformation ist es daher sehr wertvoll, die Methoden rund um Design Thinking, SCRUM & Co. zu beherrschen und die Zusammenhänge zu kennen.

Agiles Marketing: Growth Hacking

Die Marketingwelt hat natürlich ihre eigene Sprache mit Performance & Growth Hacking. Das agile Schema ist aber fast 1:1 kopiert aus SCRUM, mit Sprints, Backlogs, User Stories und Retrospektiven. (…mehr erfahren über Marketing mit Design Thinking)

Marketing ist ein sehr passendes Feld für agile Prinzipien:

  • Nutzerzentrierung: Beim Marketing geht es einzig und allein darum, den Nutzer zu bezirzen. Natürlich kann dies auch in Ausnahmen durch aggressive Werbung passieren, aber langfristig und in einer digitalen Welt gewinnen die Botschaften und Kampagnen, die die Bedürfnisse der Menschen ansprechen.
  • Empirie: Im Internet lassen sich sehr leicht Daten sammeln über das Verhalten der Menschen. Sei es durch Kampagnen in Sozialen Medien, über Webseiten-Traffic oder durch qualitative Feldstudien in Online-Communities.
  • Iterativität: mit jedem Sprint entsteht neues Wissen über die Zielgruppe, sodass die Kampagnen optimiert werden können und weiteres Wissen entsteht..

Marketing ist weder intrinsisch gut oder schlecht, erst durch den Einsatz bekommt es eine moralische Komponente. Für den Einsatz für ökologische Zwecke haben wir Sustainable Growth Hacking entwickelt.

Agile Methoden Übersicht: Design Thinking, SCRUM, Lean Start-Up & Co. im Vergleich

Wissenschaftliche Methodik wird von Forschern angewandt, um sicheres Wissen zu entwickeln. Dies ist ein ständiger Dialog aus Theorie und Experiemt. Dabei schert sich die Wissenschaft wenig um die Business-Welt, im Vergleich zu der dort notwendigen Exaktheit folgt Design Thinking schon fast einer quasi-spirituellen Interpretation von Kreativität in Organisationen. Dennoch gibt es gemeinsame Muster. Hier die Tabelle mit der Übersicht aller agilen Methoden:

MethodeThema / GebietNutzerSchritte eines Zyklus
Design ThinkingInnovation in OrganisationenInnovations-Teams, Design Thinking Coaches1. Verstehen,
2. Empathie
3. Synthese
4. Ideen entwickeln
5. Prototyping,
6. Testen
Wissenschaftliche MethodikForschung & Wissenschaft
(Positivismus vs. Falsifikation)
Forscher1. Theorie formulieren
2. überprüfbare Hypothesen ableiten
3. Experiment
4. Auswertung der Daten
OODA-Loop
Informationsverarbeitung in kritischen SituationenMilitärstrategie, Management
  1. Observe
  2. Orient
  3. Decide
  4. Act
Demingkreis
Lernen, Prozessoptimierung, QualitätssicherungForscher, Qualitätsmanagement
  1. Plan
  2. Do
  3. Check
  4. Act
SCRUMSoftware-EntwicklungSoftwareentwickler (Developer, Product Owner, Scrum Master)1. Backlog erstellen
2. Sprint Planning
3. Sprint
4. Sprint Review
Growth MarketingMarketingMarketer, Produktentwickler, Vertriebler1. Marktanalyse
2. Growth Backlog
3. Growth Sprint
4. Datenauswertung
Design SprintsProduktentwicklungProduktentwickler, Forschung & Entwicklung1. Framing,
2. Verstehen
3. Bauen
4. Testen,
5. Auswerten
Lean Start-UpUnternehmensgründung, Venture BuildingGründer, Investoren1. Learn – 2. Build – 3. Measure
Agile / Agiles ProjektmanagementProjektmanagementProjektleiter, Organisationsentwickler1. Backlog
2. Sprint Planning
3. Sprint
4. Sprint Review
Theory UOrganisationsentwicklung / FacilitationFacilitator1. Seeing,
2. Sensing
3. Presencing (Letting go & letting come)
4. Crystalizing,
5. Prototyping,
6. Performing

In der Tabelle sind die Kern-Zyklen definiert. Davor und danach folgen Phasen der Vor- und Nachbereitung und zur Implementierung. Eine Schwachstelle von Design Thinking ist jedoch, dass der Kernprozess recht lang ist für einen Kreativprozess – dadurch gibt es in der Praxis kaum Interationen und die Implementierung wird oft vernachlässigt. SCRUM und das wissenschaftliche Arbeiten sind von den aufgelisteten Methoden am besten definiert und etabliert.

EXKURS: Kaizen – die Mutter der Agilität

Das japanische Konzept Kaizen entstand nach dem 2. Weltkrieg, als viele Unternehmen zerstört waren. Es brauchte neue Strategien und Vereinbarungen, um sich aus der Krise zu arbeiten. Ein Vorreiter war Toyota, welche einen weltweit beeindruckenden Aufschwung hinlegten und für viele zum Vorbild moderner und innovativer Arbeitskultur wurden.

Die 5 agilen Prinzipien des Kaizen:

  • Prozessorientierung: Gute Ergebnisse kommen von intelligenten und effizienten Prozessen, die an den Bedürfnissen der Kunden ausgerichtet sind.
  • Kundenorientierung: Zufriedene Kunden kommen wieder, empfehlen weiter und sind bereit, hohe Preise zu bezahlen.
  • Qualitätsorientierung: Hohe Qualität macht Kunden zufrieden.
  • Kritikorientierung: Kritik hilft, besser zu werden.
  • Standardisierung: Hohe Qualität und gute Prozesse sollten als Standards festgelegt werden.

Heldenreise & Tuckman-Phasen – Agile, zyklische Modelle der menschlichen Entwicklung

Das Prinzip der Agilität und der zyklischen Entwicklung ist natürlich nicht nur auf rationale Modelle beschränkt. Die menschliche Entwicklung im Allgemeinen zeigt zyklische Muster. Besonders interessant sind dabei folgende Konzepte:

MethodeThema / GebietNutzerSchritte eines Zyklus
HeldenreisePersönlichkeitsentwicklung, StorytellingIndividuen, Autoren, PRRuf – Überschreitung der Schwelle – Tal der Prüfungen und Versuchungen – Endgegner besiegen und Schatz finden – als neuer Mensch mit Schatz nach hause kehren
Teamentwicklung nach Tuckman-PhasenmodellTeamentwicklung / GemeinschaftsbildungGruppenmitglieder / FührüungskräfteForming – Storming – Norming – Performing – (Adjourning)
DialektikPhilosophiePhilosoph1. These
2. Anti-These
3. Synthese

Ein dialektisches Modell für die Entwicklung von Bewusstsein & Persönlichkeit sowohl von Individuen als auch Organisationen bietet Spiral Dynamics, für kognitive Entwicklung das „Modell hierarchischer Komplexität“.

Neuschöpfungen: EduSCRUM & agile Organisationsentwicklung

Die agilen Prinzipien von Kaizen, SCRUM und Design Thinking versprechen eine hohe Effektivität gegenüber der Mittelmäßigkeit der Praxisrealität. Die klaren Strukturen von Scrum zusammen mit der Kreativitätspower von Design Thinking kann übertragen werden auf andere Strukturen menschlicher Systeme, z.B.:

Flywheel - Agile -User-Centered Produkt-Entwicklung & Marketing- Growth Hacking

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