Hypnose: Ablauf & Anwendungen

Es gilt noch heute eine Art Aberglaube, in dem Hypnose etwas mystisches zugeschrieben wird. Zaubershows, die täuschend demonstrieren, dass Menschen unter Hypnose ihren Willen verlieren, tragen zu einer großen Skepsis bei. 

In der Tat ist Hypnose eine Jahrtausende alte Methode, um gezielt und ohne Drogen das Bewusstsein zu verändern und therapeutische Prozesse zu begleiten. Erfolgreiche Hypnose führt zu einer Trance, in der das innere Erleben sich stark verändern kann.  

Trance

Es gibt einen Raum in uns, in dem wir vollkommen kreative Freiheit erleben können, frei von Ängsten, Blockaden, Erwartungen und negativen Erfahrungen. Süchte und erlernte Einschränkungen können in diesem Zustand überwunden, verlernt werden.

Definition: Trance ist ein besonderer Wachzustand, in der bestimmte Reize und Denkprozesse ausgeblendet sind und wenige Reize besonders intensiv erlebt werden. Menschen können Trancezustände  unfreiwillig und ungebeten erleben, aber auch gezielt und bewusst. Die Trance hat einige Verwandte: Flow, welcher z.B. beim Sport oder beim Sex erlebt wird, Entspannungszustände während einer Meditation, luzides Träumen sowie die Übergangsmomente zwischen Schlafen und Wachen.

Unter Trance verändert sich das Denken und Fühlen und es entsteht auch eine erhöhte Fähigkeit zur Imagination. Die meisten Kinder gehen wie von alleine mehrfach am Tag in Trance, wenn sie ganz im Spielen aufgehen. Erfundene Freunde, Märchenwelten, magische Gegenstände, Superkräfte … die Fantasie kann derart stark sein, dass die Realität für eine Weile ausgeblendet wird. 

Trance ergibt sich, wenn wir bewusst in eine innere Spannung gehen. Denn dann müssen viele Ressourcen aktiviert werden, um diese Spannung zu lösen und das Gehirn braucht seine volle Konzentration und blendet alles unwichtige aus.

Anwendungen & Nutzen von Hypnose

Hypnose eignet sich besonders gut für positive Ziele der Lebensführung:

  • Selbstvertrauen & Selbstliebe aufbauen
  • das innerlich erfolgreiche Bewältigen von herausfordernden Lebensaufgaben, beruflich oder zur Persönlichkeitsentwicklung
  • Ändern von Gewohnheiten, hinzu einem gesunden Lebensstil: z.B. mit dem Rauchen aufhören mit Hilfe von Hypnose, abnehmen, Schlafqualität steigern …
  • Lösen von geistigen & emotionalen Blockaden, Bearbeitung von Ängsten, Zwängen & Süchten
  • Verallgemeinert: Lösen von emotionalen, kognitiven oder neurotischen Spannungen
  • Kreativität steigern, (ein Beispiel für Hypnose für mehr Kreativität ist der kreative Schalter)
  • Erfahrung von Tiefenentspannung, inneren Raum schaffen für mehr Entspannung im Alltag

Einfache Anleitung Hypnose zum Umgang mit einer Spannung

Diese Anleitung kann ein psychologisch stabiler und reflektierter Mensch mit genühend Ruhe mit sich selbst ausprobieren.
Besser ist allerdings immer die Anwendung mit einem ausgebildeten Experten. Vorher sollten medizinische Themen mit einem Arzt abgeklärt werden.

  1. Finde die aktiven Emotionen hinter der Spannung, bzw. die seelische Wunde / das Trauma.
    Besser ist natürlich eine ordentliche Anamnese.
  2. Assoziation: Lass dazu passende Worte, Bilder, Erinnerungen, Orte kommen.
    Dies kann eine Hypnose-Session für sich sein. Methode: Leinwand-Technik.
  3. Reframing: Finde positive Szenarien, in denen die Ängste & Zwänge keine Rolle spielen.
  4. Kern-Intervention: Erlebe in Trance (wenn du es nicht schon längst bist) die positiven Szenarien so intensiv wie möglich.
    Unten findest du dafür einen typsichen Ablauf von Hypnose-Sessions.
  5. Reflexion: Wie ist es dir ergangen? Was ist aufgetaucht? Mach dir hierzu Notizen.
  6. Umsetzung: Welchen 1. ganz kleinen, konkreten Schritte kannst du tun, um mehr davon in deinem Leben zu schaffen?

Prinzipien: milde Konfrontation, Aktivierung dahinterliegender Ressourcen in neuem Framing ( = Utilisation), dann konkrete Umsetzung.

Jede Hypnose ist Selbsthypnose

Die meisten Menschen verlieren bis zum Erwachsenwerden den bewussten Zugang zu ihrem Unbewussten. Das bewusste und willentliche Erleben von Trance und Flow ist entweder ganz verschüttet oder eine kleine Randerscheinung des Lebens. Letztlich ist aber jede angeleitete Trance doch Selbsthypnose, da alles im Gehirn des Klienten geschieht, zugelassen oder ersehnt wird. Gegen den eigenen Willen kann Hypnose nicht gelingen.

Typischer Ablauf einer Hypnose-Sitzung

  1. Anamnese: In einem Vorgespräch wird das Anliegen analysiert: Gibt es ein bestimmtes Leiden? Welche Probleme sollen gelöst werden? Was ist das langfristige Ziel? Hier helfen systemische Fragetechniken, um der Sache wirklich auf den Grund zu gehen. Dieser Schritt ist entscheidend über den langfristigen Erfolg einer Behandlung.
  2. Induktion bedeutet das Eintauchen in die Trance und das Überwinden des Schwellenwiderstands. Alles, was in die Trance führt, ist Induktion. Übliche Induktions-Techniken sind zum Beispiel:
    • Pacing & Leading
    • Sensorische Überlastungstechnik
    • Visualisierungstechnik
    • Augenfixationstechnik
    • Autogenes Training
  3. Entspannung: Das Lösen von Anspannungen ist eine erfolgsentscheidende Phase für die Hypnose. Wie beim Einschlafen kann es dabei sogar zum Zucken von angespannten Muskeln kommen. Erfogt die Entspannung durch autogenes Training, kommt es eventuell zu sogenannten autogenen Entladungen. Durch das Entspannen werden langsamere Gehirnschwingungen aktiviert im Alpha und Theta-Bereich. Suggestionen zur Entspannung benutzen meist Metaphern aus der Natur („deine Gedanken können kommen und gehen wie vorbeiziehende Wolken“) oder Formeln aus dem Autogenen Training („Arme und Beine sind ganz schwer“) oder Achtsamkeitsmeditationen („nimm einfach wahr, ohne zu bewerten“).
  4. Vertiefung: Die Suggestionen aus der Entspannungsphase werden vertieft, z.B. durch Wiederholungen, stärker werdende Metaphern und Kombinationen der Induktions- und Entspannungstechniken. Auch können hier bereits einfache Interventionstechniken angewandt werden, z.B. die Reise zum Ruheort oder das Wiederholen früherer Interventionen, die nun auf ein neues Level gebracht werden sollen.
  5. Intervention: Hier beginnt die eigentliche Kunst der Hypnose. Es gibt allgemeine Interventionen wie Traumreisen (ein innerer Ruheort in der Natur), Wahrnehmungsübungen (Visualisierung bestimmter Gegenstände) und wiederkehrende Elemente (Reise ans Ende des Lebens, Regression in die Kindheit, Lösen von Blockaden, inneres Erleben des Wunschzustandes).
    Meist ist Kreativität gefragt: Um komplexere Probleme zu lösen und Ziele zu erreichen, braucht es maßgeschneiderte Interventionen.
  6. Ankern: Die Trance bietet Lösungen, die im Alltagsbewusstsein nicht möglich sind. Damit die Intervention nachhaltige Wirkung bringt, kann der Hypnotiseur einen sogenannten Anker setzen. Ein Schiffsanker sorgt dafür, dass das Schiff nicht einfach mit dem Wind davondriftet. So sorgt der hypnotische Anker (auch: posthypnotische Suggestion) dafür, dass das Alltagsbewusstsein nicht einfach wieder in den Problemzustand zurückdriftet. Der Anker folgt aus der Intervention und sollte ein zentrales Element daraus sein: ein Bild, Geräusch, ein Wort, eine Affirmation. Es kann auch eine Progression stattfinden: das Durchleben der nächsten Tage, Wochen, Monate mit dem neuen Zustand. Fand eine Traumreise statt, funktiniert die Suggestion: „Du kannst zu diesem Ort zurückkehren, wann immer du möchtest“.
  7. Rückholung: Die Rückholung ist die Umkehrung der Induktion. Schritt für Schritt werden die Vertiefung, die Entspannung und die Induktion zurückgenommen. Wurde z.B. über Atmung, Herunterzählen und den Ruheort die Trance aufgesucht, sollte die Klientin rückwärts über den Ruheort, das Raufzählen und die Atmung wieder ins Alltagsbewusstsein geführt werden.
  8. Reorientierung: Schaffe Sicherheit durch Orientierung im Hier & Jetzt. Formulierungen wie „auf deine Art und Weise…“ oder „in deiner Zeit…“ wird dem Klienten die Möglichkeit gegeben, mit Wahrnehmung sicher zurück in das gewohnte Alltagsbewusstsein zu finden. Weiterhin bewährte Formulierungen: „Nimmer dir Zeit, um deinen Körper wahrzunehmen, den Raum um dich herum, die Geräusche…“, „Wenn du möchtest, kannst du Füße, Hände und Gliedmaßen bewegen und dich Recken & Strecken“.
  9. Feedback: Für die Beziehung zwischen Hypnotiseur & Klient ist die Auswertung der Hypnose sehr wertvoll. Wie hat der Klient die Intervention erlebt? Was hat gut funktioniert und was nicht? Vielleicht sind Fragen aufgetaucht oder besondere Themen, die nun mitgeteilt werden wollen. Dadurch wird dem Klienten die Chance gegeben, Erfahrungen bewusst weiter zu verwenden. Der Therapeut kann lernen, welche Worte und  Suggestionen besonders gut funktionieren. Dadurch wird auch die Beziehung zwischen Klient und Therapeut gestärkt.

 

Ablauf einer hypnotischen Trance

Wissenschafliche Belege zur neurobiologischen Grundlage von Hypnose 

  1. Beobachtbare Veränderung der Gehirnwellen: EEG-Studien haben eine generelle Steigerung der Gehirnaktivität durch Hypnose und darin beobachtbare Reaktionen auf Suggestionen gezeigt [1]. In Trance zeigen hypnotisierbare Probanden erhöhte Theta-Gehirnwellen-Aktivität (4-10 Hz) und verringerte Aktivität der hohen Beta-Wellen (13-20 Hz). Diese Veränderung liefert Hinweise darauf, dass Hypnose sowohl eine beobachtbare Umstellung der elektrischen Gehirnaktivität hervorruft als auch ein verändertes subjektives Erleben.
  2. Aus Schwarz-Weiß wird Farbe: Probanden haben in PET-Studien unter Hypnose Schwarz-Weiß-Muster betrachtet. Dabei wurde ihnen suggeriert, Farben zu sehen und sie berichten tatsächlich, dass sie in den Bildern Farbe wahrnehmen und verändern konnten [2]. Diese Erfahrungen mit Farbveränderung wurden zuverlässig in Verbindung gebracht mit Veränderungen der Gehirnaktivität in Bereichen des Gehirns, die für die Wahrnehmung von Farbe bekannt sind.
  3. Studien mit fMRT konnten sogar zeigen, dass unterschiedliche Suggestionen auch unterschiedliche Gehirnregionen modulieren. Zum Beispiel wurden Suggestionen zur Senkung von Schmerzen gegeben – und es wurde eine entsprechende Verringerung der Aktivität im Bereich des Gehirns nachgewiesen, welcher für die Schmerzintensität steht, im somatosensorischen Kortex. Weiterhin wurden Suggestionen gegeben zur Reduzierung der emotionalen Reaktion auf Schmerz und es wurde festgestellt, dass die Aktivität in einer weiteren Gehirnregion sich verringerte, im vorderen Gyrus cinguli [3].
  4. Es gilt als erwiesen, dass die Fähigkeit zur Hypnose variiert und in der Gesamtbevölkerung einer Normalverteilung entspricht. In Längsschnittstudien über einen Zeitraum von 25 Jahren wurde festgestellt, dass die Fähigkeit zur Hypnose noch stabiler als der IQ ist [4]. Genau wie beim IQ kann jedoch im Einzelfall die Hypnotisierbarkeit verändert als auch gezielt erlernt werden.

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Quellen der Wissenschaft über Hypnose:

[1] Jamieson, G.A.,& Burgess, A.P. 2014. Hypnotic induction is followed by state-like changes in the organization of EEG functional connectivity in the theta and beta frequency bands in high-hypnotically susceptible individuals. Frontiers in Human Neuroscience,8, 528, doi:103389/fnum.2014,00538

[2] Kosslyn SM, Thompson W.L, Costantini-Ferrando MF, Alpert N.M, Spiegel D. 2000. Hypnotic visual illusion alters color processing in the brain. Am J Psychiatry. 157(8): 1279-84

[3] Rainville, P., Carrier, B., Hofbauer, R.K., Bushnell, M.C,& Duncan, G.H., 1999. Dissociation of sensory and affect dimensions of pain using hypnotic modulation. Pain,82, 159-71.

[4] Piccione, E., Hilgard, E., & Zimbardo, P., 1989, On the degree of stability of measured hypnotizability over a 25-year period. J Pers Soc Psych 56 (2): 289-295 1989

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