Trauma & Persönlichkeitsentwicklung

Psychologische Traumata sind allgemein seelische Verletzungen. Im engeren Sinne sind dies explizit seelisch verletzende Erlebnisse, im erweiterten Sinne ein universelles Phänomen unserer menschlichen Gesellschaft, in dem sich belastende Erfahrungen aus der Vergangenheit, sogar von vorhergehenden Generationen ausdrücken [1]. Demzufolge hat der zweite Weltkrieg eine belastende Wirkung bis in die heutige Zeit. In einer großen Langzeitstudie wurde gefunden, dass zwei Drittel der Menschen traumatisierende Kindheitserfahrungen erlebt haben, die sich lebenslang, oft sogar über mehrere Generationen, auf die seelische und körperliche Gesundheit auswirken [2].

Das Wichtigste in Kürze: Trauma & persönliche Entwicklung

  1. Trauma ist ein universelles Phänomen von Säugetieren und damit von Menschen, zur Verarbeitung von verletzenden Erlebnissen, die auf einer körperlich unbewussten Ebene ablaufen.
  2. Die Polyvagal-Theorie beschreibt die konkreteren Abläufe im autonomen Nervensystem, die daraus resultieren.
  3. Die Adverse Childhood Study zeigt, dass die Mehrheit der Menschen in ihrer Kindheit traumatisierende Erfahrungen machen und dass diese zusammenhängen mit psychischen und körperlichen Krankheiten und schlechten Gewohnheiten.
  4. Transgenerationales Trauma: Traumata vererben sich durch Epigenetik über mehrere Generationen, z.B. in Form von Stress [3].
  5. 2 Arten von Trauma: Schocktrauma (Typ 1) ist ein einmaliges gravierendes Ereignis wie ein Angriff. Demgegenüber stehen Entwicklungstraumata (Typ 2), die über einen längeren Zeitraum, meist in der Kindheit, die Selbstregulation des Nervensystems gestört haben [4].
  6. Kollektives Trauma [5]. Geschichtliche Ereignisse wie der zweite Weltkrieg, die Unterdrückung der Menschen in der DDR und behavioristische Erziehungsmethoden haben damit auch heute noch negative Auswirkungen auf unsere gesamte Gesellschaft.
  7. Heilung in liebevoller Sicherheit: vielversprechende Heilungsansätze für Entwicklungstrauma basieren auf Embodiment und Körperbewusstsein und Integration der Stress-Komponenten durch sichere & liebevolle Beziehungen. Im Falle einer Traumatherapie helfen die Therapeuten den Klienten, ihre Fähigkeit zur Selbstregulation wiederherzustellen und korrigieren damit quasi die vermurkste Arbeit der Eltern.

Körperlicher traumatischer Stress und die Polyvagal-Theorie

Auch wenn die Polyvagal-Theorie noch in den Kinderschuhen steckt und in Teilen der Wissenschaft nicht anerkannt ist, bietet sie einen interessanten Ansatz, um zwischen Trauma auf körperlicher, neuronaler Ebene zu beschreiben.

polyvagal-theorie-wikipedia - trauma

Über den Vagusnerv musizieren die Reize zwischen inneren Organen und Gehirn. In seinem großen Verbreitungsgebiet im Körper steuert der Vagusnerv die Reflexe und heißt übersetzt „der umherschweifende Nerv“. Der Vagusnerv ist aufgeteilt in einen dorsalen und ventralen Teil, d.h. hinteren und vorderen Strang.

Der Vagusnerv ist ein starker Akteur des Parasympathikus und ist damit für die Entspannung und Harmonisierung des Körpers zuständig. Im Idealfall der psychosomatischen Ausgeglichenheit (Homöostase) herrschen:

  • Ruhepuls
  • ruhige gleichmäßige Atmung
  • Synchronisation zwischen Atmung und Puls

Dieser Gleichgewichtszustand wird natürlich durch Aktivität oder starke Reize verlassen. Im Fall einer Gefahr kann der Körper in eine Fight-Flight-Stressreaktion übergehen. Wir könnten damit vereinfacht folgende Zustände definieren, aufsteigend nach relativer Gefährlichkeit:

  1. Gleichgewicht (Homöostase)
  2. Flucht (flight) vor dem Reiz
  3. Kampf (fight) gegenüber dem Reiz
  4. Erstarren (freeze) oder Totstellen in Form von Immobilität

Säugetiere verlassen das Gleichgewicht (1) natürlicherweise bei gefährlichen Reizen und gehen in einen der Zustände 2-4 über. Wenn die Gefahr vorbei ist, kehrt das Nervensystem zurück ins Gleichgewicht. Diese natürlichen Prozesse können jedoch dauerhaft verzerrt sein, wenn die körpereigene Regulation gestört wurde, z.B. durch zu starke Reize oder dauerhaften Stress. Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), z.B. bei Kriegsveteranen oder nach Unfällen zeugt von einer solchen Störung.

Verallgemeinert kann definiert werden:

Trauma = seelische Verletzung, führt zur Störung der Selbstregulation des vegetativen Nervensystems

Adverse Childhood Experiences Study – Traumata in der Kindheit

Über 50% der Patienten zur Behandlung von Übergewicht brachen ihre Therapie ab in der Kaiser’s Permanent Klinik in Kalifornien, obwohl sie Erfolge erzielten. Der Leiter der Klinik wollte dies genauer verstehen und fand heraus, dass die Allermeisten Gewalt oder sexuellen Missbrauch in der Kindheit erfahren haben und Gewichtszunahme eine Art Schutzmechanismus für die Betroffenen war. Daraufhin beobachteten sie in einer Langzeitstudie seit 1995 die Häufigkeit und Auswirkungen von traumatisierenden Erfahrungen in der Kindheit und fanden heraus, dass sie ein quasi universelles Phänomen sind:

  • Ungefähr zwei Drittel der Menschen berichteten von mindestens einer Unerwünschten Kindheitserfahrung (Adverse Childhood Experiences, ACE); 87% der Personen, die einen ACE meldeten, gaben mindestens einen zusätzlichen ACE an.
  • ACE’s sind häufig: Zum Beispiel berichteten 28% der Studienteilnehmer über körperlichen Missbrauch und 21% über sexuellen Missbrauch. Viele berichteten auch von einer Scheidung oder Trennung der Eltern oder von einem Elternteil mit einer psychischen und / oder Substanzstörung.
  • Unerwünschte Kindheitserfahrungen treten oft zusammen auf. Fast 40% der ursprünglichen Stichprobe berichteten über zwei oder mehr ACEs und 12,5% über vier oder mehr. Da ACEs in Clustern auftreten, haben viele nachfolgende Studien eher die kumulativen Auswirkungen von ACEs als die individuellen Auswirkungen der einzelnen untersucht.
  • Unerwünschte Kindheitserfahrungen haben eine Dosis-Wirkungs-Beziehung mit vielen Gesundheitsproblemen. Als die Forscher den Teilnehmern im Laufe der Zeit folgten, stellten sie fest, dass der kumulative ACE-Wert einer Person eine starke, abgestufte Beziehung zu zahlreichen gesundheitlichen, sozialen und Verhaltensproblemen während ihrer gesamten Lebensdauer hat, einschließlich Störungen des Substanzkonsums. Darüber hinaus sind viele Probleme im Zusammenhang mit ACEs komorbid oder treten gleichzeitig auf.

Isabelle Mansury: Epigenetik & Weitergabe von Trauma

Traumatische Ereignisse können zu einer Veränderung der Genexpression führen. Diese können über vier Generationen an die Nachkommen weitergegeben werden, wie die Epigenetik-Professorin Isabelle Mansuy gezeigt hat [3]. Dies nennen wir dann transgenerationale Traumata.

Die Untersuchungen brachten aber auch gute Nachrichten: Es zeigte sich, dass eine angenehme Umgebung die Symptome im späteren Leben lindern und sogar den „Genschalter“ ausknipsen könnte. Der Effekt wurde dann auch nicht mehr an die Nachkommen weitergegeben. „Wir gaben den Mäusen Laufräder, kleine Häuser, auf die sie klettern konnten, und ein Labyrinth. Sie konnten dort wirklich eine gute Zeit haben.“ , sagt Mansuy. Das Team führt derzeit eine weitere groß angelegte Studie durch, um herauszufinden, ob andere epigenetische Veränderungen rückgängig gemacht werden können.

.. mehr dazu in einem Interview mit der Zeit.

Arten von Trauma

Allgemein bekannt ist vor allem das Schocktrauma: ein Unfall, Angriff, Vergewaltigung, Kriegsszenen. Dies ist meist ein einmaliges Ereignis mit traumatisierender Wirkung auf den Menschen.

Demgegenüber stehen sequentielle Traumata: stress-auslösende Reize, die über eine Zeitspanne wiederholt auftreten. Wenn diese nicht korrigiert werden, entsteht ein Entwicklungstrauma des Organismus. Dies gilt insbesondere für Störungen in der Kindheit, wenn das Kind wiederholt in Unsicherheit & Überforderung gerät ohne dass eine Beruhigung durch eine Bezugsperson stattfindet, dann kann auch von Bindungstrauma gesprochen werden.

Manchmal werden auch Schocktrauma als Typ 1 und sequentielle Trauma als Typ 2 bezeichnet.

Bindungstheorie & Entwicklungstrauma

Je nach Ausprägung gewöhnt sich ein Kind an die mehr oder weniger stabile und sichere Beziehung und entwickelt ein entsprechendes Bindungsverhalten. In der Bindungstheorie werden 3 Arten unterschieden:

  1. Sichere Bindung: Das Kind fühlt sich kontinuierlich sicher, u.a. weil eine Emotionsregulation durch die Eltern stattfindet.
  2. Unsicher-vermeidende Bindung: das Kind vermeidet Kontakt, zeigt eine Pseudounabhängigkeit und versucht sich abzulenken.
  3. Unsicher-ambivalente Bindung: das Kind wechselt zwischen Anhänglichkeit und Ablehnung der Bezugsperson.

Hier ist ein kurzes Erklärvideo über die Bindungstheorie:

Kollektives Entwicklungstrauma & Bindungstheorie in der DDR

Folgende Dokumentation zeigt auf beklemmende Art und Weise die Ausprägungen von Bindungsstörungen bei Heimkindern in der DDR. Leider geschieht eine sehr einseitige Schuldzuweisung gegenüber den Müttern ohne Blick auf die politischen Missstände.

Ein kollektives Trauma tritt auf, wenn viele Personen innerhalb einer Gesellschaft von ähnlichen traumatisierenden Ereignissen betroffen sind, z.B. in Kriegszeiten. Epigenetisch setzen sich Traumasymptome über bis zu 4-5 Generationen fort, sodass es wohl heute kaum eine Gesellschaft geben kann frei von kollektivem Trauma.

Ein kollektives Entwicklungstrauma darf insbesondere der DDR Bevölkerung diagnostiziert werden: die Bindungstheorie wurde aktiv von der SED verleugnet. Kollektive Erziehungsmaßnahmen im Sinne der sozialistischen Diktatur erhielten z.B. die Praxis, Kinder schreien zu lassen, bis sie ruhig sind, „damit sie nicht so verwöhnt werden“.

Therapie & Behandlung: Trauma – Integration

Die verschiedenen psychotherapeutischen Schulen bieten zusammen mit den obigen Modellen jeweils Ansätze für die Bewältigung von Trauma & posttraumatichem Stress. Für Schocktrauma mit eindeutigen Auslösern & Ereignissen gibt es gut erprobte Verfahren wie EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing). Für Entwicklungstrauma ist es komplizierter, da z.B. in der frühen Kindheit aufgetretene Verletzungen oder Vernachlässigungen selten bewusst abrufbar sind und im Laufe des Lebens viele verschiedene Folgesymptome und -störungen entstehen können.

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Je nach Klient und Ressourcen können folgende Ansätze hilfreich sein:

  • Psychoedukation: Kognitive Stärkung durch Bildung. Wenn du diesen Artikel liest, baust du kognitive Ressourcen auf zum Thema Trauma, die dir helfen können, eine intelligente Strategie im Umgang mit Trauma & Stress zu finden. Daraus folgt nicht, dass allein durch Bildung eine erfolgreiche Heilung geschieht.
  • Positive Psychologie: äußere (materielle Sicherheit, entspannte Umgebung, soziale Anerkennung) und inneren Ressourcen (Selbstbewusstsein, Wissen, positive Gefühle wie Dankbarkeit & Liebe) bilden den Nährboden für ein gesundes Leben, in dem das Trauma leichter integriert werden kann
  • Achtsamkeit & Körperbewusstsein: mit etwas Training kann die Fähigkeit gelernt werden, die eigenen positiven wie negativen Körpersignale, Gefühle, Gedanken und Glaubenssätze wahr- und anzunehmen, ohne sie zu bewerten und ohne unbewusste kognitive/emotionale Reaktionen ablaufen zu lassen. Im Erfolgsfall können neurotische Kreisläufe aus Trigger – Gedanken – Emotionen – Verhalten – Trigger durch den Prozess des Hinfühlens & Annehmens aufgelöst werden.
  • Somatic Experiencing ist eine bewährte angeleitete Form der Körperwahrnehmung zur Integration von somatischen Traumasymptomen.
  • Teile-Arbeit z.B. als Ego-State-Therapie: In der Ego-State-Therapie werden die verletzten Anteile angesprochen, um der Traumatisierung auf die Schliche zu kommen und evtl. integrieren zu können.
  • Positive Beziehungserfahrung: Wenn die Störungen aus der Eltern-Kind-Beziehung herrühren, hilft es, positive neue Bindungserfahrungen zu machen. Dies kann z.B. durch den Psychotherapeuten, eine soziale Bezugsperson, einen Freund oder auch den Lebenspartner geschehen. Gleichzeitig können die traumatischen Erfahrungen die Bezugsperson belasten: der Therapeut kann durch Übertragung ebenfalls traumatisiert werden; persönliche Beziehungen können überlastet werden durch zu viel Negativität und die herausfordernden Beziehungsdynamiken.

>>Trauma-Integration: zur ausführlichen Übersicht

Versöhnung der verletzen Anteile im inneren Team & Ego-State-Therapy

Die Idee des inneren Teams ist, dass wir nicht nur 1 starre Persönlichkeit haben, sondern viele Anteile, Bedürfnisse und Umfeld-abhängige Verhaltensweisen. Die daraus entstehenden bewussten und unbewussten Anteile können als inneres Team gedacht werden. Beispiele für Team-Mitglieder sind die Jung’schen Archetypen (Herrscher, Liebender, Abenteurer etc.), aber auch einfach ängstliche Anteile oder das verletzte innere Kind.

Auf 3 wesentliche Ich-Anteile konzentriert sich die Transaktionsanalyse:

  1. Das Eltern-Ich beansprucht die Führung und Deutungshoheit, begibt sich auf eine moralisch und emotional überlegene Ebene und gibt entweder Fürsorge oder aber auch Verurteilung.
  2. Das Erwachsenen-Ich ist der stabile, selbstverantwortliche Anteil. Er kann gleichgesetzt werden mit der Homöostase des Nervensystems und möglichst zurechnungsfähiger, bewusster Handlungsfähigkeit.
  3. Das Kind-Ich ist der unterlegene Anteil, der z.B. trotzig, verängstigt oder albern reagiert.
    Transaktionsanalyse - Teamentwicklung - IKIGAI - Das innere Team - Systemisch - Spiral Dynamics - Heldenreise

Das innere Kind ist dann z.B. ein Modell, in dem der kindliche Anteil als abgespalten vom eigentlich erwachsenen Ich eines Menschen betrachtet wird. Im Falle der Traumatisierung im Kindesalter kann es z.B. dazu kommen, dass die mit dem verletzenden Reiz einhergehende Angst in bestimmen Situationen wieder zu Tage tritt, getriggert wird, und damit die Person in eine kindliche Verhaltensweise zurückfällt. Gleichfalls kann die getriggerte Angst dazu führen, dass ein anderer Abwehrmechanismus (fight) in Gang kommt und die Person trotzig (Kind-Ich) oder verurteilend (Eltern-Ich) auftritt.

Die Ego-State-Therapie ist eine Mischung aus Hypnose und Transaktionsanalyse mit Beachtung von Trauma. Diese Form der Trauma-Hypnosetherapie beruht auf der Annahme, dass durch ein Trauma auf unbewusste Art und Weise Persönlichkeits-Anteile abgespalten werden. Wichtig in solchen Ansätzen ist stets eine ausreichende Stabilisierung des Klienten und eine stabile, sichere Beziehung zwischen Therapeut und Patient. In Trance spricht dann der Therapeut die Anteile an, die verletzt und evtl. verdrängt wurden und sich bisher nicht ausdrücken konnten. Im Erfolgsfall entsteht eine Integration der durch das Trauma „getrennten“ Anteile. Eine ähnliche Idee auf körperliche Ebene liegt dem Somatic Experiencing zugrunde.

Somatic Experiencing (SE) nach Peter Levine

Entsprechend der Ideen des Embodiment und auch der Polyvagal-Theorie drücken sich traumatischer Stress und seelische Verletzungen auf einer körperlichen Ebene aus, z.B. durch Erregung, Anspannungen oder durch einen Unfall eingeprägte Körperempfindungen. Im Somatic Experiencing geht es darum, die körperlichen Symptome, die zu einer Traumatisierung gehören, bewusst wahrzunehmen und zu harmonisieren, indem ein Kontakt hergestellt wird zu neutralen, entspannten Körperempfindungen.

Mit Transaktions-Analyse: Somatic Experiencing versöhnt den verletzten kindlichen Anteil mit dem Erwachsenen-Ich.
Mit Polyvagal-Theorie: Die Trauma-/Stress-Reaktion des Sympathikus (fight, flight oder freeze) wird rückgekoppelt an einen Gleichgewichtszustand. Vorraussetzung ist natürlich, dass dieser Gleichgewichtszustand temporär oder lokal (in einer entspannten, „sicheren“ Körperregion) abgerufen werden kann.

>> Anleitung Somatic Experiencing in 9 Schritten

Resumé: Trauma als Quelle gesellschaftlicher Transformation

Das Leben und die Persönlichkeit eines Menschen wird geprägt von den frühen Beziehungserfahrungen der Kindheit. Sogar davor: die Fähigkeit der Eltern, mit dem Kind eine stabile Beziehung zu kultivieren, hängt wiederum ab von deren Kindheit. Die prägenden Erfahrungen unserer Ahnen bestimmen unser Leben lang unsere Gefühle, Beziehungen und sozialen Bedürfnisse.

Der Zweite Weltkrieg, Vertreibung, die DDR-Diktaturen und Umweltzerstörung sind Auslöser von kollektiven Traumata, die sich über Generationen fortsetzen. Eltern, Großeltern, Pädagogen, Führungskräfte und Politiker geben in ihrer Rolle wiederum ihre evtl. durch Trauma geprägten Bindungserfahrungen weiter an die nächsten Generationen.

Um die emotionalen Muster in uns persönlich, in unserer Familie und der Welt, in der wir leben, zu ändern, erfordert sichere gesunde Umfelder, in denen Kinder aufwachsen können und liebevolle kompetente Begleitung der traumatisierten Personen in unserer Gesellschaft – auch wenn die ernsthaft Betroffenen meist nicht die angenehmsten Zeitgenossen sind.

Der Stress und das Leid, welches in einer traumatisierten Gesellschaft fortbesteht gibt Grund, Trauma und heilende Beziehungskultur auf die Agenda von Bildung, Pädagogik und Organisationsentwicklung zu stellen.

Zum Ausklang: Gedicht von Hermann Hesse

Gestutzte Eiche

Wie haben sie dich, Baum, verschnitten
Wie stehst du fremd und sonderbar!
Wie hast du hundertmal gelitten,
Bis nichts in dir als Trotz und Wille war!
Ich bin wie du, mit dem verschnittnen,
Gequälten Leben brach ich nicht
Und tauche täglich aus durchlittnen
Rohheiten neu die Stirn ins Licht.
Was in mir weich und zart gewesen,
Hat mir die Welt zu Tod gehöhnt,
Doch unzerstörbar ist mein Wesen,
Ich bin zufrieden, bin versöhnt,
Geduldig neue Blätter treib ich
Aus Ästen hundertmal zerspellt,
Und allem Weh zu Trotze bleib ich
Verliebt in die verrückte Welt.

Quellen:

[1] https://en.wikipedia.org/wiki/Transgenerational_trauma

[2] https://en.wikipedia.org/wiki/Adverse_Childhood_Experiences_Study

[3] Jawaid, Ali, Martin Roszkowski, and Isabelle M. Mansuy. „Transgenerational epigenetics of traumatic stress.“ Progress in molecular biology and translational science. Vol. 158. Academic Press, 2018. 273-298.

[4] Van der Kolk, Bessel A. „The trauma spectrum: The interaction of biological and social events in the genesis of the trauma response.“ Journal of Traumatic Stress 1.3 (1988): 273-290.

[5] Luszczynska, A., Benight, C. C., & Cieslak, R. (2009). Self-efficacy and health-related outcomes of collective trauma: A systematic review. European Psychologist, 14(1), 51-62.

[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Bindungstheorie_in_der_DDR

[7] Peter Levine, Sprache ohne Worte, Kapitel 5

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