[Anleitung] Hypnose lernen – 7 Schritte

Hypnose ist ein faszinierender Zustand, der auch hypnotische Trance genannt wird. Jeder gesunde Mensch kann Hypnose lernen und – das dürfte einigen noch nicht bekannt sein – wer diese Technik beherrscht, kann nicht nur andere hypnotisieren, sondern auch sich selbst. Von Entspannung bis Hypnotherapie: Die Lernkurve beginnt üblicherweise mit Entspannungstechniken, um Trance zu erfahren. In der höchsten Form kann die Hypnotiseurin flexibel, intuitiv und kreativ Interventionen maßgeschneidert für den Klienten erfinden und durchführen.

Hypnose lernen in kurz – die wichtigsten Kompetenzen

Hypnotisieren lernen ist nicht schwer. In kurz und einfach erkläre ich Hypnose den Menschen folgendermaßen:

  1. Nimm die Bedürfnisse und Spannungen der Menschen wahr.
  2. Dann nutze die Spannungen, um in Trance zu gehen und
  3. Führe sie durch deine Worte in eine für sie sinnvolle Richtung.

Am besten übt man Hypnose in einem sicheren Rahmen mit Menschen, die dafür offen sind und sich gegenseitig Feedback geben können zum Lernen. Da jede Hpynose auch Selbsthypnose ist, macht aus mehreren Gründen Sinn, auch Selbsthypnose explizit zu erlernen. Sie stellt zum einen den perfekten Einstieg dar, außerdem auch einen endlosen Raum zum Experimentieren und Überprüfen der erfundenen Techniken. Nachdem ich selbst Hypnose gelernt habe, konnte man mich stundenlang in eine ruhige Ecke legen, während ich alle denkbaren Hypnosetechniken mit mir selbst ausprobierte und daran reifte.

Dann finden sich im Internet zahlreiche Anbieter*innen, welche – meist in aufeinander aufbauenden Modulen – Einsteigerkurse zum Erlernen von grundlegenden bis erweiterten Hypnosetechniken anbieten. Die Abschlussbescheinigung für Kurse dieser Art hat zwar keine Berechtigungsgültigkeit für Behandlungen im Bereich von Gesundheitsberufen, durchaus jedoch für Anwendungen, bei denen keine Erkrankungen therapiert werden [2]. Dies heißt dann üblicherweise Coaching oder psychologische Beratung. Um auf medizinischem Gebiet die Hypnotechnik anwenden zu dürfen, muss man Hypnotiseur*in oder Hypnosetherapeut*in mit Heilerlaubnis bzw. Approbation sein [2].

Voraussetzungen zum Hypnose lernen

Die obige Anleitung macht auch die Voraussetzungen für eine effektive Hypnose klar:

  1. Beziehungskompetenz: Die Fähigkeit, eine sichere und vertrauensvolle Bindung zum Gegenüber aufzubauen.
  2. Empathie: die sozialen Kompetenzen, die Emotionen, Bedürfnisse und Sehnsüchte eines Menschen zu verstehen.
  3. Kommunikationsmethoden… um die andere Person mit den eigenen Worten zu analysieren und in die Trance zu führen.
  4. Kreativität… für die Entwicklung passender Interventionen, die tatsächlich auf die andere Person passen.

Damit vereinigt Hypnose ein tolles Kompetenz-Paket, ähnlich zu den 21st Century Skills und Design Thinking Kompetenzen.

Anleitung Hypnose lernen: Vom Anfänger zum Profi in 7 Schritten

Am besten lernst du Hypnose in einer Ausbildung, gegeben von einer erfahrenen Lehrperson.
Beachte außerdem, dass therapeutische Formen der Hypnose gesetzlich reguliert und nur zugelassenen Berufen durchgeführt werden dürfen.

Für Personen, die sich in der Ausbildung befinden, kann es dennoch hilfreich sein, diesen Lernpfad vor Augen zu haben. Für mich hat sich die folgende Anleitung »Hypnose lernen« hat sich bewährt, genau nach diesem Ablauf habe ich Hypnose gelernt:

  1. Erfahre selbst den Trance-Zustand.
    • Probiere verschiedene Anleitungen und Themen aus, du findest viele kostenlose Audio- oder Videoaufnahmen im Internet, in unterschiedlicher Qualität.
    • Höre und probiere verschiedene Interventionen, z.B. den inneren sicheren Ort, eine Traumreise in die Natur…
      (hier findest du eine Liste mit Hypnose-Methoden & Interventionen)
    • Lass dich von einem erfahrenen Hypnotiseur hypnotisieren
  2. Optional, langsam, aber mächtig: Lerne Autogenes Training als bekannte & strukturierte Form der (Selbst)-Hypnose (6 Wochen Training!)
    Alternativen zum Autogenen Training: Body Scan, dieser ist stets eine wertvolle Hypnose-Induktion,
    noch einfacher: Atem-Meditation,
    und eine schöne Extra-Übung ist die Mitgefühls-Meditation
  3. Probiere 2-3 Hypnose-Methoden im Entspannungszustand mit dir selbst aus.
    Dies geht schon ziemlich gut, wenn du Autogenes Training (oder eine andere Entspannungsmethode) verinnerlicht hast und du für 10 min deine Konzentration dabei auf eine Übung halten kannst,
    alternativ kannst du auch einfach verschiedene Hypnose Anleitungen auf Youtube ausprobieren.
  4. Lerne weitere Hypnose-Induktionen kennen (Autogenes Training ist bereits eine!) und finde eine, die für dich besonders gut passt,
    z.B. Arm-Levitation, Augen-Fixation, tief Atmen und dabei von 20 herunterzählen
  5. Lege dir eine Rückholung zurecht, z.B.
    • 3 tiefe Atemzüge,
    • Fäuste ballen für 3 Sekunden,
    • Umgebung bewusst wahrnehmen zur Orientierung,
    • Induktion umkehren (herunterzählen –> hochzählen)
  6. Anwendung mit Testklienten: Setze die Testperson in Trance mit deiner Induktions-Methode und hole sie zurück.
  7. Anwendung Hypnose-Intervention:
    Wenn die Induktion und Rückholung der Trance funktionieren, führe einen Testklienten in Trance und dann wende eine einfache Intervention zur Ressourcenaktivierung an, z.B. die Entspannungs-Traumreise im nächsten Absatz
    (hier findest du die Liste mit Hypnose-Methoden & Interventionen)

Die Anleitung zum »Selbsthypnose Lernen« ist analog.

 

Zur weiteren Vertiefung zur Anwendung auf echte menschliche Probleme solltest du wirklich eine adäquate Ausbildung besuchen mit Selbsterfahrung & Supervision! Einfacher ist es für Menschen mit qualifizierter Erfahrung in Entspannungsmethoden und Therapeuten… so bieten z.B. NLP, systemisches Coaching, Psychotherapie, Pädagogik oder Meditations-Kurse sehr verwandte Methoden, die dann leichter auf Hypnose übertragen werden können.

Wichtig: Meistens stößt man bereits in der Erfahrung der Entspannungs-Trance an die inneren Grenzen und Widerstände sowie an Themen der persönlichen Entwicklung. Anstatt hier naiv herumzuprobieren, lerne lieber erst einmal andere Themen der menschlichen Entwicklung kennen, z.B. Spiral Dynamics, Transaktionsanalyse, Trauma-Integration (!), systemische Fragetechniken, das innere Team, Coaching Methoden

In meinen Seminaren leite ich oft Meditationen, Visionsreisen und Hypnosen an – auch wenn ich sie selten Hypnose nenne, da viele Menschen dann zunächst skeptisch werden und an Show-Hypnosen denken oder Angst haben, nun ihr innerstes offenbaren zu müssen.

Aber wenn du lernen möchtest, Hypnose spielerisch in Seminaren, Workshops und Unterricht anzuwenden, schau doch mal bei einem meiner Seminare vorbei: …zu den Workshops!

 

Hilfreich: Schema für Hypnose-Prozesse

Ablauf Hypnose - Hypnosetherapie - Persönlichkeit - Trauma - Kreativität - Hypnose-Methoden

 

Bist du nach der obigen Anleitung „Hypnose lernen“ neugierig geworden? Möchtest du mit weiteren Anleitungen Hypnose lernen? Dann probier doch eine einfache Trance Schritt für Schritt aus, etwa eine halbe Stunde solltest Du dafür einplanen.

Anleitung für eine einfache Entspannungs-Trance in 3 Phasen

Induktion: Hypnoseeinleitung

  1. Versuche alles, was störend wirken könnte, aus Deinem Wahrnehmungsfeld zu bringen.
  2. Lass Ruhe einkehren, nimm eine bequeme Position ein, schließe die Augen.
  3. Lass Deinen Atem fließen, tiefe langsame Atemzüge helfen Dir in die Entspannung.
  4. Du atmest ein, die Bauchdecke hebt sich, Du atmest aus, die Bauchdecke senkt sich, konzentriere Dich darauf, Du spürst, wie sich Verspannungen lösen. Mit jedem Ausatmen gibst Du eine Sorge frei.
  5. Atme tief und langsam ein. Atme langsam wieder aus.

Trance

  1. Stell Dir vor, Du gehst eine Allee entlang. Alte, prächtige Kastanienbäume säumen sie, sie führt zu einem wunderschönen, edel verzierten Tor, das geschlossen ist. Du weißt, hinter diesem Tor wartet Dein Raum der vollkommenen Entspannung auf Dich.
  2. Mit der Hand streifst Du über die gefurchte Borke der Bäume und zählst rückwärts, jeder Baum eine Zahl, dabei beginnst Du bei zehn.
  3. Schritt für Schritt, Atemzug für Atemzug wirst Du ruhiger, wenn Du die Zahl Null erreicht hast, stößt Du sanft an das Tor.
  4. Es eröffnet sich ein bezaubernder Raum, Du fühlst, wie Glück und Sinnlichkeit von ihm auf Deinen Körper übergehen, sich in ihm verteilen. Du fühlst Dich unendlich wohl, eine angenehme Gänsehaut überzieht Deine Arme.
  5. Du bettest Dich auf die wie natürlich überall verteilten Kissen, versinkst weich und angenehm in ihnen.
  6. Du lässt Dich fallen.
  7. Grenzen zwischen Bewusstem und Unbewusstem lösen sich auf, Du besuchst Orte, die Dich immer schon angezogen haben, bewegst Dich mit Selbstbewusstsein und Selbstverständnis, Du kannst jetzt möglich machen, was Du Dir erträumst und wünscht, für Dich und andere.
  8. Nimm die guten Bilder, Töne, Düfte, Wahrnehmungen intensiv auf und speichere sie für die Realität.

Auflösung / Rücknahme

  1. Langsam kannst Du Dich wieder aus dem Zustand lösen.
  2. Nimm Dir vor, bis drei zu zählen, sage Dir: „Bei der Zahl Drei bin ich wach, fühle mich gut und gestärkt.“
  3. Öffne dann die Augen, bleib liegen und genieße den Zustand der Entlastung und des Glücks noch ein wenig.

Achtsamkeit, Selbstbewusstsein & Kreativität mit Hypnose lernen

Wer Hypnose lernt, gewinnt Vorteile. Prinzipiell gilt natürlich, je regelmäßiger man praktiziert, desto mehr Qualität erreicht man. Mögliche positive Effekte:

Jede und jeder von uns ist kreativ, selbstbewusst und achtsam sich selbst und anderen gegenüber, oft sind diese Anlagen allerdings verdeckt oder blockiert. Als eine Art autogenes Training lassen sich mit der hypnotischen Trance Potentiale (wieder)entdecken und ausschöpfen. Auf dem Weg zur Persönlichkeit, an der Du arbeitest, kann sich die Selbsthypnose als ausdauernde, flexible und verlässliche Begleitung bewähren.

–> Hier findest du eine Sammlung von Hypnose-Interventions-Methoden

Quellen:

[1] Eintrag in der Encyclopædia Britannica 
[2] Hypnose & Recht



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